Schloss Stolpe auf Usedom öffnet nach Sanierung für Besucher

21.06.2022, von Karina Schulz

Schloss Stolpe ist neben dem Wasserschloss Mellenthin und dem Schloss Pudagla einer der drei erhaltenen Herrensitze auf der Insel Usedom. Im idyllischen Ort Stolpe am Stettiner Haff fällt das imposante Schloss sofort ins Auge und lohnt eine Besichtigung.

Ein Herrenhaus wird zum Schloss

Viele Jahrhunderte war das Schloss – wenn auch mit Unterbrechungen – Sitz der Stolper Linie der Grafen von Schwerin. Der Kernbau des Herrenhauses wurde im 16. Jahrhundert zunächst im Stil der Hochrenaissance errichtet und Ende des 17. Jahrhunderts im barocken Stil modernisiert. Ende des 19. Jahrhunderts ließen es Friedrich Graf von Schwerin und seine Frau Freda aufwändig im Stil des Historismus umbauen. Das Schloss bekam drei Türme, einen Arkadengang mit Rundbogenfenstern und ein repräsentatives Portal mit Familienwappen. Seitdem prägt das Schloss den Ort. Nach Enteignung der Familie von Schwerin im Jahr 1945 und unterschiedlicher Nutzung zu DDR-Zeiten, ist das heute denkmalgeschützte Schloss seit 1995 im Besitz der Gemeinde Stolpe. Seit 2001 wird es mit erheblichen Fördermitteln und großem Engagement der Gemeinde Stolpe, des Fördervereins Schloss Stolpe e.V. und privater Spender schrittweise saniert.

Wiedereröffnung nach Sanierung

Anderthalb Jahre war das Schloss Stolpe wegen Sanierungsarbeiten geschlossen und konnte nicht besichtigt werden. Nun hat es seine Türen wieder für Besucher geöffnet und strahlt mit restaurierten Innenräumen in frischem Glanz. Während früherer Bauabschnitte wurde das Schloss zunächst vom Schwamm befreit, das Dach wurde neu gedeckt und die Türme wurden wiederaufgebaut. In dem jetzt abgeschlossenen, vorerst letzten Sanierungsabschnitt waren die Räumlichkeiten der gräflichen Familie an der Reihe.

Denkmalpflegerisches Ziel ist die Wiederherstellung der Innenräume, wie sie zur Zeit der Fertigstellung des letzten Umbaus um 1900 ausgesehen haben könnten. Entsprechend wurden die Räume im Stil der Jahrhundertwende umfassend restauriert und möbliert. Die vom Förderverein Schloss Stolpe angeschafften antiken Möbel wurden von einem Vereinsmitglied fachgerecht aufgearbeitet und fehlende Möbel wurden im Stil der Jahrhundertwende ersetzt. Türen aus echtem Eichenholz konnte sich der Pommersche Landadel schon zur vorigen Jahrhundertwende nicht leisten. Damals wie heute haben versierte Handwerker mit einer „Bierlasur“ die Maserung von Eichenholz imitiert.

In den gräflichen Zimmern wurden die provisorischen Gipskartondecken durch Putzdecken ersetzt und fehlende Paneele eingezogen. Im Roten und Grünen Salon, im ehemaligen Herrenzimmer und in der gräflichen Bibliothek zieren wie damals handgefertigte Tapeten bzw. handgemalte Schablonenmalereien wieder die Wände. In der Eingangshalle wurden der Kamin neu gemauert, eine Fußbodenheizung installiert und zwei Sitzbänke eingebaut. Auch hier ist das Holz der Türen und Paneele mit Bierlasur zu teurem Eichenholz „veredelt“ worden.

Gesellschaftliches Leben kehrt zurück

Das ursprüngliche Parkett wurde aufwändig aufgearbeitet und neu verlegt. Dabei wurde jede Leiste einzeln nummeriert, um sicherzustellen, dass jedes Stück nach der Sanierung wieder am selben Platz liegt. Im Saal haben die Restaurateure fehlenden Stuck an der Decke und im Pavillon erneuert. Eine neu eingezogene Schiebetür zwischen dem Gelben Salon und dem ehemaligen Speisesaal macht eine flexiblere Nutzung bei Veranstaltungen möglich. In den Sommermonaten finden im Schloss Stolpe kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte statt. Auch wird das Schloss für Hochzeiten und Familienfeiern genutzt. Damit kehrt das gesellschaftliche Leben, das die einstigen Besitzer gepflegt haben, in das Schloss Stolpe zurück, Die weltläufige Freda Gräfin von Schwerin war sehr kunstinteressiert, sprach mehrere Sprachen und pflegte einen Kunstsalon in der vorpommerschen Provinz, wozu sie regelmäßig Künstler aus Berlin nach Stolpe einlud.

Der Geist der letzten Schlossherrin ist auch heute noch zu spüren. Eine Kopie ihres Portraits von Franz von Lenbach, einem der gefragtesten Portraitmaler der damaligen Zeit, hängt im Grünen Salon. Über fünfzig Jahre prägte sie mit ihrem couragierten Wesen, ihrem weltoffenen Lebensstil und ihrem sozialen Engagement das Leben im Ort. Mit dem Leben der Gräfin Freda von Schwerin und den besonderen Umständen ihrer Bestattung befasst sich dieser Beitrag.

Führungen und Besichtigungen 

Das Schloss kann in der Regel dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr besichtigt werden, wenn es nicht anderweitig reserviert ist. Es wird angeraten, vor einem Besuch die aktuellen Informationen auf www.schloss-stolpe.de einzusehen.

Zur Besichtigung der historischen Räume werden auch Gruppenführungen ab 10 Personen angeboten. Anmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!