Die Usedomer Schokoladenmanufaktur hat über 30 verschiedene Pralinensorten zu bieten

21.02.2019, von Lisa Willenberg

Torsten Riel hat sich den Traum von der Selbstständigkeit erfüllt und produziert in seiner Schokoladenmanufaktur in Wolgast unwiderstehliche Schokoladenkreationen. Im Interview verrät der Konditormeister unter anderem die Vorlieben der Kundschaft und spricht über seine diversen Weltrekordversuche.

So kam die handgemachte Schokolade nach Usedom

Herr Riel, können Sie sich noch an Ihre erste berufliche Berührung mit dem Thema Schokolade erinnern?

Meine erste Berührung mit Schokolade hatte ich 1994 bei der überbetrieblichen Ausbildung in Wolfenbüttel an der Bundesfachschule für das Konditorenhandwerk. Da kriegt man all die Sachen beigebracht, die nicht unbedingt jeder Konditor auch in der eigenen Backstube macht. Dazu gehört eben auch der intensive Umgang mit Schokolade. Danach ist das Thema bei mir aber wieder etwas eingeschlafen, bis ich im Jahr 2000 meine Meisterprüfung hatte. So richtig los ging es dann 2002, als ich angefangen habe bei Halloren – Deutschlands ältester Schokoladenfabrik – zu arbeiten.

Wie kam es dann dazu, dass Sie auf Usedom eine Schokoladenmanufaktur eröffnet haben?

Nachdem ich meine Meisterprüfung bestanden habe, hat mein Vater immer gesagt: "Mensch Junge, vielleicht hast du als Meister ja irgendwann mal dein eigenes Geschäft." Und damit hat er in mir genau diesen Wunsch geweckt, der mit der Zeit immer größer wurde. Es hat dann noch ein bisschen gedauert, aber 2016 habe ich mir den Wunsch der Selbstständigkeit mit der Schokoladenmanufaktur erfüllt. Mein Vater kommt selbst aus dem Handwerk und hat mir von Anfang an vermittelt, dass das Handwerk etwas Tolles ist.

Welche Produkte stellen Sie in Ihrer Manufaktur her?

Wir stellen Schokoladentafeln und 30 verschiedene Sorten Pralinen her, die saisonal wechseln. Sowohl die Tafeln als auch die Pralinen bedrucken wir auf Kundenwunsch mit individuellen Motiven wie Fotos oder Logos für Firmenpräsente.

Woran haben Sie persönlich am meisten Spaß?

Natürlich auch an der Herstellung der Schokoladenkreationen, aber vor allem am Umgang mit netten Kunden. Wenn ich sehe, dass die Kunden sich freuen, es ihnen schmeckt, sie zufrieden sind und immer wieder kommen, macht mir das die meiste Freude.

Welche Leckereien kommen bei Ihren Kunden am besten an?

Der absolute Renner sind die Biedenweg-Tassen. Das sind Pralinen, die hier nach der Konditorei benannt sind und sowohl mit Karamell, als auch mit Nougat gefüllt sind. Die Hauspraline gibt es in drei verschiedenen Sorten: Vollmilch, Zartbitter und weiße Schokolade. Wobei die Vollmilchsorte mit Cappuccino-Creme gefüllt ist. Die Biedenweg-Tassen gehen das ganze Jahr über.

Die wenigsten Kunden sind scharf auf Trends oder Außergewöhnliches. Wir haben zum Beispiel auch Pralinen mit Pfeffer, Chili oder Senf im Angebot, da trauen sich aber nur wenige dran. Die breite Masse schätzt die Klassiker mit Nougat, Karamell, Marzipan und Frucht. Und hier oben im Norden ist Zartbitter die bevorzugte Schokoladensorte, erst danach kommen Vollmilch und weiße Schokolade.

Was ist Ihr persönlicher Favorit?

Alles mit Marzipan!

Welche Schokolade bevorzugen Sie für Ihre Pralinen und Tafeln?

Die Kakaobohnen für unsere Produkte kommen vor allem von der Elfenbeinküste, dem verbreitetsten Anbaugebiet für Schokolade, und aus Ghana.

Zweifacher Weltrekord in Schokolade

Sie sind ja nicht nur Konditormeister und Schokoladenexperte, sondern sogar zweifacher Weltrekordhalter.

Ja, im Jahr 2005 habe ich mit zwei Konditorenkollegen die größte Katzenzunge der Welt hergestellt. Sie war 1,80 Meter lang und 112 Kilogramm schwer. Anlass war der Tag der offenen Tür bei Halloren, wo die Katzenzunge dann präsentiert und anschließend zu je 100 Gramm verkauft wurde. Die Einnahmen aus dieser Aktion wurden für einen guten Zweck gespendet.

2008 kam das Marketing von Halloren dann wieder auf mich zu und damals ist die Idee der größten Mozartkugel der Welt entstanden. Die habe ich im Alleingang hergestellt. Die Kugel wog 196,9 Kilogramm und hatte einen Durchmesser von 88 Zentimeter. Auch dieser Weltrekord hat es ins "Guinness World Records"-Buch geschafft.

Meinen letzten Weltrekordversuch habe ich im August 2017 gestartet. Damals ging es um die kleinste gefüllte Praline der Welt. Sie hat nur 0,3 Gramm gewogen und war drei Millimeter groß. Obwohl es eigentlich nicht mehr kleiner geht, wurde dieser Versuch leider nicht als Weltrekord anerkannt.

Lernen Sie direkt vom Meister, wie man Pralinen macht

In Ihrer Schokoladenmanufaktur bieten Sie auch Seminare an. Was können die Teilnehmer bei Ihnen lernen?

Die Teilnehmer lernen als erstes, wie eine Pralinenfüllung gekocht wird. Außerdem wird natürlich die Verarbeitung der Schokolade gelehrt, also beispielsweise das Temperieren. Die meisten Besucher lernen hier allerdings das erste Mal so richtig kennen, wie viel Arbeit hinter einer kleinen Praline steckt. Viele gehe in den Laden, kaufen sich eine Praline, vernaschen die in ein paar Sekunden und wissen gar nicht, wie viele Arbeitsschritte zuvor nötig waren, um dieses Produkt herzustellen.

Das Wichtigste aber ist, dass wir immer sehr viel Spaß bei den Seminaren haben. Pro Seminar können maximal vier Personen teilnehmen, so dass ich mich auch jedem Einzelnen widmen kann. Alles was die Teilnehmer herstellen, dürfen sie im Anschluss mit nach Hause nehmen.

Wie sind Sie denn überhaupt auf die Insel Usedom gekommen?

Ich habe früher in Lubmin, nur unweit entfernt von Usedom, sehr oft Urlaub gemacht. Damals haben Freunde mitbekommen, dass ich mich selbstständig machen wollte. Aus diesem Kreis bekam ich dann den Tipp, dass jemand auf Usedom einen Nachfolger für seine Konditorei und sein Café sucht. Erst konnten wir uns lange Zeit nicht einigen, wie ich das Geschäft übernehmen kann und dann sagte die Gattin des Inhabers: "Du kommst doch aus der Schokolade und wir haben hier einen wunderschönen Kreuzgewölberaum leerstehen. Mach doch darin deine Schokoladenmanufaktur." So haben wir das gemacht und 2018 habe ich dann schließlich auch das angebundene Café übernommen.

Welcher ist Ihr Lieblingsplatz auf Usedom?

Eigentlich mein Garten. Aber ich bin auch gern auf meinem Boot, das hier in Wolgast liegt und von dem aus ich ab und zu angele, aber nie was fange. Am liebsten sind mir stille Orte, wo man die Ruhe genießen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieses Interview führte Herr Koprek im Auftrag der SEMSEO GmbH für usedom.de am 31.01.2019.

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