Gunnar Fiedler über 20 Jahre Insel-Safaris auf Usedom

24.07.2019, von Lisa Willenberg

Gunnar Fiedler bietet auf Usedom spannende und abwechslungsreiche Insel-Safaris an. Im stilechten Geländewagen können Einheimische und Gäste die landschaftlich reizvollen Ecken der Insel erkunden, die abseits der überlaufenen Tourismus-Hotspots liegen. Und das seit mittlerweile schon stolzen 20 Jahren!

Herr Fiedler, Sie bieten auf Usedom Insel-Safaris an. Was müssen wir uns darunter vorstellen?

Auf den Insel-Safaris ist man in einer kleinen Gruppe unterwegs mit sechs, sieben Leuten. Wenn Kinder dabei sind vielleicht auch acht. Wir sind immer kleine Etappen im Land Rover Defender auf Feld- und Wiesenwegen unterwegs und machen immer wieder Stopps und kleinere Wanderungen. So lernen die Gäste die Vielfalt der Insel kennen.

Die Themen auf so einer Tour sind breit gefächert. Flora, Fauna, Land und Leute, Geschichten über die Insel, Anekdoten, etc. Und so fliegt ein Tag dahin und man staunt, dass man auf Usedom deutlich mehr hat als nur 40 Kilometer Sandstrand oder die Bäderarchitektur.

Es ist auf Usedom ein Phänomen, dass sich 80 bis 90 Prozent der Menschen am Küstenstreifen aufhalten, obwohl der Otto-Normal-Urlauber schon aktiver geworden ist. Es gibt mittlerweile viele Radfahrer und Wanderer. Aber die meisten sind vorne am Strand und die wenigsten wissen, was da noch für kleine Schätze bei uns im Achterland versteckt sind. Diese Schätze zeigen wir unseren Gästen.

Usedom ist nicht Afrika, aber...

In Afrika wollen die Safari-Teilnehmer Löwen, Elefanten und Giraffen sehen. Was können Sie Ihren Gästen bieten?

Wir haben bei uns auf Usedom natürlich nicht die Big Five, aber was die Landschaft angeht können wir mit Afrika locker mithalten. Wir haben malerische kleine Seen, über denen der Seeadler kreist, tiefe Wälder, verwunschene Moore, viel Wild. All das sind Dinge, die sich der Usedom-Urlauber, der das erste Mal auf die Insel kommt, überhaupt nicht vorstellt.

Die Touren dauern sieben bis zehn Stunden. Klingt im ersten Moment ganz schön lang …

Das ist eine Grundangst, die tatsächlich viele Interessenten haben, die sich dann aber nicht bewahrheitet. Der Tag vergeht bei so einer Insel-Safari wie im Flug. Gruppen können natürlich auch eine zeitlich kürzere Tour buchen. Unsere Erfahrung ist aber, dass die sich im Nachhinein ärgern, dass sie das gemacht haben. Sie hatten einfach nicht realisiert, wie kurzweilig das Ganze eigentlich ist, weil die Touren so extrem abwechslungsreich sind.

Fahren Sie immer die gleiche Tour oder gibt es da Variationen?

Etwa 20 Prozent der Gäste, die mit uns fahren, sind Stammgäste. Wenn wir immer die gleiche Tour fahren würden, könnten wir von denen nicht leben. Ich habe gerade vor einer Woche Gäste gehabt, die mir was Tolles zum 20. Jubiläum gebastelt und mittlerweile ihre 13. Tour mit uns gemacht haben. Auf all diesen Touren haben wir es immer noch geschafft irgendetwas Neues mit reinzupacken.

Welche Tour wir fahren, hängt also unter anderem davon ab, was die Gäste schon gesehen haben und worin ihre Interessen liegen. Das ist das Wichtigste. Und dann spielt natürlich auch das Wetter immer eine Rolle.

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt!

Sie bieten das Rundum-Sorglos-Paket inkl. Abholung und Verpflegung an. Was erwartet die Gäste kulinarisch auf der Insel-Safari?

Die Gäste haben während einer Tour quasi jederzeit Zugriff auf unsere Bordbar. Wir bieten Kaffee, Tee, Säfte, Wasser und wer schon um 11:00 Uhr morgens ein kaltes Bier trinken möchte, der kann das auch tun. Weißwein, Rotwein und Schnäpschen sind ebenfalls vorhanden.

Um die Mittagszeit gibt es an einem idyllischen Fleckchen ein richtig schönes Picknick, mit Brot, Brötchen, Wurst, Käsevariationen, Kocheiern, Marmeladen, Frischkäse, Obst und Gemüse. All das, was man draußen essen will, wenn man an der frischen Luft unterwegs ist. Darunter viele regionale und hausgemachte Sachen.

Nachmittags gibt es hausgemachten Kuchen. Für diejenigen, die eine längere Tour gebucht haben, gibt es statt des Kuchens ein Abendessen unter freiem Himmel. Da wird dann zum Beispiel Fisch in der Pfanne gebraten, es gibt eine Räucherplatte mit verschiedenen Fischarten, Heringssalate und vieles mehr. Wer natürlich weniger auf Fisch steht, sondern mehr auf Fleisch, kündigt das bei uns an und bekommt das dann auch geboten.

Was war Ihr bisher aufregendstes, lustigstes oder schrecklichstes Erlebnis auf einer Insel-Safari?

Das ist aus dem Bauch heraus etwas schwierig zu beantworten, aber ein schreckliches Erlebnis fällt mir ein. Ich hatte mal eine Tour, bei der jemand neben mir saß, der es geschafft hat den ganzen Tag über nichts zu sagen. Das ist natürlich schwierig, weil ich überhaupt nicht rauskitzeln konnte, wo die Interessen und Bedürfnisse der Person lagen. Du musst dann quasi sieben Stunden den Entertainer machen. Und das ist schon ein hartes Brot.

Das Verrückte an der Geschichte: Als ich abends nach Hause kam, erzählte ich meinem Vater, dass das heute ein harter Arbeitstag war. Da sagte mir mein Vater, der die Insel-Safari ins Leben gerufen hat, dass gerade derjenige angerufen hat, der heute mit mir auf Tour war. Ihm habe es so gut gefallen, dass er gleich für nächste Woche eine weitere Tour gebucht hat. "Dann fährst du aber!", habe ich zu meinem Vater gesagt. Und eine Woche später war der gleiche Gast die totale Plaudertasche.

Schön sind die Erlebnisse, wenn ich Kinder quasi aufwachsen sehe, weil sie regelmäßig mitfahren. Zu denen hat man natürlich eine gewisse Beziehung aufgebaut.

Usedom ist meine Heimat

Wie ist Ihre Beziehung zu Usedom? Sind Sie hier geboren und aufgewachsen?

Meine Eltern haben sich in Leipzig beim Studium kennengelernt, und dort bin ich auch geboren worden. Meine Mutter ist aus Wolgast, mein Vater stammt aus der Lausitz. Meine Eltern haben sich dann für Wolgast entschieden. Hier bin ich mit drei Jahren hingezogen, groß geworden und der Insel bis heute treu geblieben.

Wie würden Sie die Usedomer beschreiben? Was sind wesentliche Charaktereigenschaften und welche Eigenarten und Marotten würden Sie der Inselbevölkerung zuschreiben?

Man braucht ein bisschen, um mit den Leuten warm zu werden, aber wenn man sie geknackt hat, dann sind das herzensgute Leute. Ansonsten sind die Pommeraner sehr arbeitsam. Ganz so einfach ist es bei uns hier oben natürlich auch nicht, weil die Auswahl in der Berufswahl beschränkt ist. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig.

Wohin gehen Sie auf Usedom, wenn Sie mal so richtig lecker essen wollen?

In der Bauernstube in Morgenitz kann man super Fisch essen. Das ist eine tolle Adresse. Und im Deutschen Haus in Ückeritz weiß man seit der Wende, dass man hier etwas Anständiges auf den Teller bekommt. Da gehen wir auch ganz gerne hin.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz auf Usedom?

Eigentlich gibt man seine Lieblingsplätze ja ungerne preis, weil man da natürlich ganz gern alleine sein möchte. Aber ein Lieblingsplatz ist das Naturschutzgebiet Südspitze Gnitz auf einer Halbinsel. Landschaftlich wunderschön gelegen, aber momentan leider etwas verschandelt durch Wolfsschutzzäune.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Herr Koprek im Auftrag der SEMSEO GmbH für usedom.de am 18.07.2019.

Urlaubs-Tipp:Wer auf Usedom noch mehr erleben möchte, der wird bei den zahlreichen Veranstaltungen und Events garantiert fündig.