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Fotograf Henry Böhm setzt Usedom ins beste Licht

12.05.2020, von Konstanze Eichner

Fotograf Henry Böhm sucht die außergewöhnlichen Motive auf Usedom

Mit 14 Jahren kaufte er sich seine erste Kamera, seitdem hat ihn die Fotografie nie losgelassen. Vor vier Jahren machte Henry Böhm sie dann endgültig zum Beruf und eröffnete in diesem Frühling seine eigene Galerie auf Usedom. Im Interview verrät er die besten Foto-Hotspots auf der Insel und warum er auf Reisen immer einen mobilen Drucker dabei hat.

Herr Böhm, erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie Ihre erste Fotokamera in der Hand hielten?

Ja, ich erinnere mich. Nachdem ich zu meiner Jugendweihe die berühmten Unsummen an Geld geschenkt bekam, stellte sich für mich die Frage, ob ich mir ein Moped oder eine Kamera davon kaufe. Die Entscheidung ist dann zugunsten der Kamera ausgefallen. Ich habe mir damals mit 14 Jahren eine Praktica gekauft und bin dann ganz stolz damit zum Gothensee gewandert und habe meine ersten Bilder gemacht.

Man könnte also sagen, dass Usedom Ihr erstes Fotomotiv war?!

Genauso ist es.

Was fasziniert Sie an der Fotografie so sehr, dass Sie sie zu Ihrem Beruf gemacht haben?

Die Faszination ist der andere Blickwinkel, das in sich gekehrt sein. Denn in dem Moment, in dem man durch den Sucher der Kamera blickt, taucht man in eine andere Welt ab. Man blendet viele Sachen ringsum aus und das schärft den Blick fürs Wesentliche. Wenn man sich in die Fotografie intensiv reinkniet, dann entdeckt man viele Sachen, die man im Alltag gar nicht mehr wahrnimmt.
Mir gefällt es auch mit der Kamera allein unterwegs zu sein und damit Städte oder Natur zu entdecken. Man hat eine Beziehung zwischen sich und seiner Kamera und lässt die Umwelt auf sich wirken.
Als ich mit der Fotografie begonnen habe, gab es noch keine digitalen Fotokameras. Die Farbfotos habe ich seinerzeit zum Entwickeln eingeschickt und die Schwarz-Weiß-Bilder habe ich in Heringsdorf selbst entwickelt.
Richtig zum Beruf habe ich die Fotografie erst vor vier Jahren gemacht. Seitdem mache ich nichts anderes mehr. Vorher habe ich zum Beispiel noch ein Restaurant geführt.

Die Gretchen-Frage: Analog oder digital

Wie war der Wechsel von der analogen zur digitalen Fotografie für Sie?

Ich habe mich sehr lange gegen die digitale Fotografie gewehrt. Die analoge Fotografie ist eine ganz andere Art der Fotografie, die sich durch Entschleunigung auszeichnet. Heute wird schnell auf den Auslöser gedrückt. Speichermedium kostet nichts und ist quasi unbegrenzt vorhanden. Also wird ein Motiv zehnfach geknipst, was völliger Blödsinn ist.
Meine Devise lautet: Vorher überlegen, was man eigentlich fotografieren will. Ich mache mir also vor dem Auslösen genau Gedanken dazu, was ich rüberbringen will, welche Aussage das fertige Bild haben soll. Mit diesen Vorüberlegungen kann man die Auslöser auf zwei, drei oder vielleicht vier pro Motiv beschränken. Meine Fotos werden auch so gut wie gar nicht nachbearbeitet. Wenn man das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten wie Blende, Belichtungszeit und ISO kennt, hat man es nicht unbedingt nötig, seine Bilder mit Photoshop aufzuhübschen. Schließlich will ich auch die Stimmung rüberbringen, wie sie eigentlich ist.
Anfangs habe ich versucht, mit analog und digital zweigleisig zu fahren, das war aber zu aufwendig. Da ich sehr viel in der Welt unterwegs war, war es letztlich auch einfach eine Frage des Equipments, das man mit sich rumschleppt. Deshalb habe ich die analoge Kamera dann doch recht schnell in die Ecke gepackt.

Was fotografieren Sie am liebsten und warum? Menschen, Landschaften, Architektur?

Am liebsten fotografiere ich Streetart in den Städten. Fange also die unbeobachteten Momente mit meiner Kamera ein. Auf meinen Reisen fotografiere ich vorwiegend Menschen, Kulturen und alles abseits der Touristen-Hotspots. Moderne Architektur finde ich auch spannend.
Hier auf Usedom bin ich viel in der Natur unterwegs und mache abstrakte Fotografie. Gestische Bilder sind ein Steckenpferd von mir. Dafür spiele ich mit der Blende und der Belichtungszeit, so dass am Ende Verwischungen und ähnliches dabei herauskommt.

Wie würden Sie Ihren fotografischen Stil bezeichnen?

Ehrlich. Ehrliche Fotografie, ohne Bearbeitung. Ich fotografiere auch mal unschöne Ecken, die im Leben dazugehören und scheue mich nicht, auch Missstände fotografisch abzulichten. Ich möchte nicht immer nur das geschönte Foto haben.

Usedom mit seinen schönen Ecken ist ein Hotspot für Fotografen

Warum ist Usedom für Fotografen ein Mekka?

Weil man jeden Tag zur selben Uhrzeit an dieselbe Stelle gehen kann und trotzdem jedes Mal ein anderes Foto hat. Dafür sorgen die verschiedenen Wetterlagen und Lichtverhältnisse. Hier auf Usedom gibt es überhaupt ein enorm großes Lichtspektrum, das für Fotografen sehr interessant ist. Durch das Meer und das Achterwasser hat man hier oben diese enorme Weite, die man in Städten nicht hat.

Haben Sie ein paar Geheimtipps für Urlauber? Was sind dankbare Motive auf der Insel?

Auf jeden Fall der Strand. Hier kann man so viele Sachen entdecken, wenn man bewusst auf Motivsuche geht. Hier gibt es die Strandkörbe, Seebrücken, Fischerboote, Sonnenaufgänge und vieles mehr. Alles hat seinen Reiz. Aber auch das Hinterland ist für Fotografen einen Ausflug wert. Hier kann man dann auch den Sonnenuntergang fotografieren.

Heutzutage hat jeder stets eine Kamera dabei – zumindest im Smartphone. Und jeder fotografiert. Was macht in Zeiten, in denen wir ständig auf den Auslöser drücken, ein gutes Foto aus?

Ein gutes Foto erkennen Sie daran, dass Sie an ihm hängen bleiben, wenn Sie Ihre Timeline bei Facebook oder sonst wo überfliegen. Dieses Foto hat irgendetwas, was Sie fasziniert und gepackt hat. Für mich muss ein gutes Bild eine Aussage haben und etwas vermitteln. Und ich mache sehr gern die Details sichtbar, die viele Leute heute gar nicht mehr sehen.

Kann man bei Ihnen auch das Fotografieren lernen?

Ich biete Fotokurse an, in denen es mir vor allem darum geht, den Menschen die entschleunigte Fotografie beizubringen. Es geht weniger um die Technik als vielmehr um die Motivfindung. Die Teilnehmerzahl ist auf zwei, drei Personen beschränkt. So ist es auch sehr viel individueller für die Teilnehmer. Die Idee für diesen besonderen Fotokurs entstand zusammen mit dem Hotel Ostseeblick, deren Zimmer ich mit meinen Fotos ausstatten durfte.

Was war Ihr bisher außergewöhnlichstes Erlebnis beim Fotografieren?

Als wir in Indien waren und eigentlich nur ein paar Kamele in einer Straße fotografieren wollten, kamen sechs Kinder auf uns Weißnasen zugerannt und waren ganz begeistert. Irgendwann sah man im Hintergrund eine Dame in einer Basthütte stehen, die die Kinder nach Hause winkte. Aber als die schon alle wieder daheim waren, winkte sie immer noch weiter. Die meinte uns. Also sind wir hingegangen.
In der Hütte habe ich den Kindern die Bilder auf dem Display gezeigt. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich zum ersten Mal auf diese Art und Weise gesehen haben. Das war ein total spannender Moment.
Die Menschen, die eigentlich nix hatten, waren sehr gastfreundlich zu uns. Und das bisschen das sie hatten, haben sie auch noch mit uns geteilt. Das war leider eine der indischen Familien, die kein Englisch konnten. Wir konnten nur mit Händen und Füßen kommunizieren, aber es war trotzdem ein total schöner Moment.
Ich hätte ihnen gern die Bilder zukommen lassen, aber die hatten leider weder eine Postanschrift noch eine E-Mail-Adresse. Aufgrund dieses Erlebnisses habe ich mir einen mobilen Drucker gekauft, an dem ich gleich vor Ort Bilder ausdrucken und den Leuten in die Hand drücken kann.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ab 9. April gibt es eine gemeinsame Fotogalerie von mir und meinem Freund und Kollegen Ralf Klinkhammer vis-à-vis der Heringsdorfer Seebrücke. Hier gibt es fast ausschließlich Usedom-Bilder in verschiedenen Stilen zu bestaunen und zu kaufen. Die komplett einsehbare Galerie ist in der Woche mindestens an drei Tagen geöffnet, im Sommer sicherlich täglich.

Und was ist Ihr ganz persönlicher Lieblingsplatz auf Usedom? Wohin gehen Sie zum Runterkommen und Entspannen?

Definitiv das Achterland, Lieper Winkel zum Beispiel. Da gibt es so viele ruhige Plätzchen, Badestellen, kleine Dörfchen. Alles abseits der Touristenmassen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Herr Koprek im Auftrag der SEM SEO GmbH für usedom.de am 12.03.2020.

 

Die Galerie von Henry Böhm und Ralf Klinkhammer befindet sich im Kurhotel zu Heringsdorf. Derzeit ist die Ausstellung von Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 11.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Ab Juni gelten erweitere Öffnungszeiten.

Urlaubs-Tipp: Was Usedom an Kunst und Kultur noch so zu bieten hat, das erfahren Sie hier.

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