Imkerei: Das ist kein Hobby, sondern Arbeit

15.12.2020, von Konstanze Eichner

Lothar Wilke ist seit 46 Jahren DER Imker auf Usedom

Lothar Wilke ist seit mehr als 45 Jahren Imker mit Herz und Seele. Niemand auf Usedom kennt sich besser mit Bienen und Honig aus als der Ur-Usedomer, der seine Bienenstöcke seit jeher in Neu Sallenthin, einem Ortsteil von Bansin, stehen hat. Im Interview spricht Wilke über seine Anfänge als Imker, das Bienensterben und sein langjähriges Engagement im Usedomer Imkerverein.

 

Herr Wilke, seit wann befassen Sie sich mit Bienen und wie sind Sie zum Imkern gekommen?

Ich habe 1974 geheiratet und in diesem Jahr auch mit dem Imkern angefangen. Wir haben damals in Greifswald gewohnt und meine Frau wollte einen eigenen Garten. Ich habe dann einen großen Garten auf dem elterlichen Grundstück in Bansin geplant und rund 80 Bäume und Sträucher gepflanzt. Sogar eine Spargelanlage haben wir aufgebaut. Allerdings blieb der Ernteerfolg aus, weil es in der Region keine Bienen gab. So habe ich mich 1974 erstmals mit dem Thema Bienen beschäftigt und kurz darauf mit dem Imkern begonnen.

Wie viele Bienenstöcke haben Sie momentan?

Ich habe 16 Bienenstöcke, zwölf Völker und vier Ableger. Von April/Mai bis August/September nimmt das ziemlich viel Zeit in Anspruch. Früher habe ich das noch von Greifswald aus gemacht, bis wir in mein Elternhaus umgezogen sind.

Ist das Imkern für Sie Hobby oder Arbeit?

Imkerei ist kein Hobby, Imkerei ist Arbeit. Ich bin zwar kein hauptberuflicher Imker, aber ich imkere mit dem Ziel des Ertrags. Als mit der Wende alle anderen Imker aufhören wollten, habe ich weitergemacht. Bis heute. Ich habe die Bienen und ihr Umfeld in den letzten Jahren genau studiert.

Die Wachsmotten sind für viele Imker ein großes Problem. Was tun Sie gegen die Schädlinge, die es auf die Waben abgesehen haben?

Ich habe schon vor Jahren investiert und gemeinsam mit meinem Vater, der Kühlanlagenmonteur war, ein Kühlhaus in der Gartenlaube gebaut. Das wurde nach vielen Jahren Streit mit dem Bauamt ein ganzes Bienenhaus. In dem Kühlhaus lagere ich bei acht Grad Celsius die leeren Honigwaben und die ausgebrüteten Waben, die im nächsten Jahr zum Einsatz kommen. Das schützt sie vor den Wachsmotten.

Was für Blüten finden Ihre Bienen auf der Insel?

Wir haben hier auf Usedom zwei Haupttrachten. Das eine ist die Rapstracht. Dafür wandere ich mit meinen Bienen zehn, fünfzehn Kilometer zu den Feldern, wo die Bauern Raps anbauen. In den letzten Jahren wurden von den Landwirten mehr und mehr Blühflächen bepflanzt, so dass ich die Bienen bis zum Juli/Anfang August stehen lassen kann und eine zweite Blütentracht habe.

Wie viel Honig produzieren Sie im Jahr?

Ich lag pro Volk bei etwa 30 bis 50 Kilogramm Honig. Allerdings ist das im letzten Jahr massiv eingebrochen, da hatte ich nur ein Drittel der normalen Menge.

Woran liegt der massive Einbruch?

Das Wetter war schlecht. Wir hatten im Frühjahr nur zwei Tage über 18 Grad, so dass der Raps nicht gehonigt hat, weil es ihm noch zu kalt war. Der trockene Sommer hat den Blühpflanzen auch nicht gutgetan.

Wie viele Mitglieder zählt der Usedomer Imkerverein, in dem Sie sich seit vielen Jahren stark engagieren?

Wir liegen zwischen 25 und 30 Mitgliedern.

Was genau sind die Aufgaben des Vereins?

Wir betreiben viel Öffentlichkeitsarbeit und fördern natürlich den Austausch unter den Imkern. Die Imker, die im Verein organisiert sind, haben immer bessere Informationen als die, die es nicht sind. Das beginnt schon bei den bürokratischen Hürden. Bienenvölker kann man nicht einfach so in seinem Garten aufstellen, sondern benötigt dafür entsprechende Genehmigungen von den Behörden. Die Bienen muss man anmelden, so wie sich Bürger auch an ihrem Wohnort melden müssen.

Wie ist es um den Nachwuchs bestellt? Die Imkerei erlebt ja seit ein paar Jahren einen kleinen Boom, gerade auch weil das Bienensterben medial stark thematisiert wurde.

Ich persönlich bin über den Boom sehr froh. Zu uns kommen viele junge Leute und mittlerweile vor allem auch viele Frauen, die sich damit beschäftigen. Die werden von uns vorbereitet und bekommen einen Betreuer zur Seite gestellt, mit dem sie die fachlichen Dinge besprechen können. Sie müssen bedenken, dass die Imkerei nach wie vor ein Lehrberuf mit mehrjähriger Ausbildung ist. Auch wenn man eine Imkerei betreiben möchte, muss man sehr viel lernen. Dabei hilft der Imkerverein.

Das Schlagwort Bienensterben hat die letzten Jahre die Runden gemacht: Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage?

Ich kriege bei dem Thema Bienensterben immer krause Haare. Das Problem existiert, ist aber hausgemacht. Ich habe 20 Jahre lang gepredigt, dass die Imker ihre Waben Ende Juli abschleudern und die Bienen danach mit Ameisensäure behandeln, um sie vor den Milben zu schützen. Denn die Milben haben im Juli und August die höchste Population. Aber viele Imker sind auf die letzten drei Gramm Honig aus und lassen die Bienenstöcke bis zum Schluss stehen. Haben dann aber das Problem, dass sie im September/Oktober keine Bienen mehr haben, weil die Milbe ihnen zuvorgekommen ist.

Oft machen das die älteren Imker so, weil schon die Eltern und Großeltern zu einem bestimmten Datum geschleudert haben. Aber der Kreislauf der Natur hat sich nach vorne verschoben. Es wird früher warm und alles blüht früher, entsprechend muss auch früher geerntet werden. Leider reagieren die wenigsten Imker auf diese neuen Umstände.

Und natürlich haben in den letzten Jahren die blühenden Pflanzen deutlich abgenommen. Da will ich den Landwirten gar keinen Vorwurf machen. Sie haben auch ihre Probleme und müssen ordentliche Ernten einfahren. Aber wir brauchen mehr Blühflächen und keine ziselierten Rasenflächen. Wir stehen als Imkerverein in engem Austausch mit den Landwirten und sie sehen das durchaus ein. Aber auch die Privatpersonen können viel dazu beitragen, wenn sie blühende Blumen anpflanzen, statt bienenfeindliche Schottergärten anzulegen. Steingärten sind das Gegenteil von Umweltschutz.

Sie haben mit dem Imkerverein auf Usedom den Bienenwanderweg angelegt. Was erwartet Wanderer auf dem Weg?

Den Bienenwanderweg haben wir bereits 2008 anlässlich des Imkertags des Landesverbandes Mecklenburg und Vorpommern in Heringsdorf eröffnet. Er verläuft rund um den Gothensee. Ziel war und ist es, die Imkerei mit dem Wanderweg interessant zu machen.

Vor ein paar Jahren haben wir den Weg noch interessanter gestaltet und große Tafeln aufgestellt, die den Menschen die Bienen und das Imkern noch näherbringen. Das wird sehr gut angenommen: viele bleiben stehen und lesen sich die Informationen durch. Der Bienenwanderweg kommt vor allem bei den Touristen sehr gut an.

Wo kann man Ihren Honig kaufen?

Früher waren wir viel auf Märkten unterwegs und haben dort verkauft. Mittlerweile kommen die Leute nur noch zu mir nach Hause. Ich kriege auch viele Anrufe von Leuten, die meinen Honig schon mal gegessen haben und Nachschub haben möchten. Dann verschicke ich ihn auch. Außerdem gibt es mehrere Usedomer Hotels, die meinen Honig für ihre Gäste kaufen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview führte Herr Koprek im Auftrag der SEM SEO GmbH für usedom.de.

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