Urlaub & Jagd auf Usedom: Naturnahes Erlebnis

29.09.2020, von Konstanze Eichner

Waidmannsheil: Traditionsreiche Jagd auf Usedom

Die Jagd hat auf Usedom eine lange Tradition. Das zeigt sich alljährlich an den Wildwochen Usedoms. Aber nicht nur im Herbst darf auf der Insel gejagt werden, sondern außerhalb der offiziellen Schonzeiten ist Jagdsaison. Vor der Jagd müssen jedoch ein Jagdschein beantragt und anderen Formalitäten beachtet werden. Stets sind die Grundsätze der Jagdethik zu beachten. Denn die Jagd dient in erster Linie dem Erhalt der Wildtiere und dem Naturschutz. Wer sich an alle Regeln hält und gut informiert beginnt, kann sicher schon bald das selbst zubereitete Wildbret genießen.

Kurze Einblicke in die Geschichte der Jagd

Die Menschen sind seit jeher Jäger und Sammler. Lange Zeit diente die Jagd als Nahrungsgrundlage und letztendlich dem Überleben. Die Felle waren zugleich wichtig zur Herstellung von Kleidung und wärmenden Decken. Eine Regulierung gab es bis ins siebte Jahrhundert hinein nicht. Erst mit der Domestizierung der Tiere, der Viehzucht und dem Ackerbau ging die einstige Bedeutung der Jagd verloren. Dennoch haben Jäger in der heutigen Zeit ihre Daseinsberechtigung, auch wenn sich ihre Aufgaben verändert haben. Die Jagd dient in der heutigen Zeit dem Naturschutz und dem Schutz der freilebenden Tiere, indem überhöhte Wildbestände gezielt reguliert werden. Durch eine nachhaltige Nutzung soll die Jagd zu einem gesunden Bestand beitragen. Zugleich lassen sich damit Wildschäden im Bereich der Land-­‐, Forst-­‐ und Fischereiwirtschaft begrenzen.

Jagen auf Usedom für den Erhalt der natürlichen Vielfalt

Auch auf Usedom hat das Jagen eine lange Tradition und ist für den Schutz der Tiere und Natur eine Notwendigkeit. Dabei wird besonders wert auf eine ausgewogene Balance zwischen den jagdlichen sowie forstwirtschaftlichen Interessen gelegt. Durch zu viel Wild können erhebliche Schäden am Wald entstehen. Angenagte Baumrinden oder abgefressene Jungbäume gefährden das natürliche Nachwachsen des Waldbestandes. Dementsprechend dient die Jagd dem Naturschutz und dem gesunden Waldbestand. Zudem schätzen viele Jäger die nachhaltige Art der Fleischbeschaffung.

Auf der anderen Seite sehen einige Menschen die Jagd und damit das Töten der Tiere skeptisch. Das trifft insbesondere auf Jagdszenen zu, bei denen wenig Wert auf ein waidgerechtes Jagen und einen respektvollen Umgang mit den Tieren gelegt wird. Doch für viele Jäger haben die Begriffe Jagdethik und waidgerechte Jagd einen hohen Stellenwert. Dabei stehen ein maßvolles Handeln sowie der Schutz und die Hege der Tiere im Vordergrund. Zudem wird das Jagen in Deutschland gesetzlich reguliert, beispielsweise durch die Jagdzeitenverordnung, das Bundesjagdgesetz sowie regionale Jagdbehörden. Diese bilden die gesetzliche Grundlage für vorherrschende Jagd-­‐ und Schonzeiten sowie Regelungen über mögliche Treib-­‐ und Drückjagden. Diese sind als Gesellschaftsjagden beliebt und zählen zu den Highlights eines Jagdjahres.

Das Jagdrecht legt Jagd-­‐ und Schonzeiten fest

Die Jagd von Wild ist gemäß dem Jagdrecht nur zu bestimmten Zeiten und in festgelegten Jagdrevieren möglich. Die Bundesländer regeln die Jagdzeiten, die sich wiederum auch nach den verschiedenen Tierarten richten. Das ganze Jahr dürfen in der Regel Frischlinge gejagt werden. Rehböcke ab etwa Mai bis in den Herbst und Rebhühner, Feldhasen, Wildgänse und Fasane lediglich in der Herbstzeit bis in den Winter hinein. Außerhalb der Jagdzeiten ist Schonzeit. Die entsprechenden Tiere dürfen in diesen Zeiten nicht bejagt werden. Dementsprechend ist der Herbst für Jäger eine wichtige Zeit. Das zeigt sich auf Usedom an den Wildwochen, die jeden Herbst veranstaltet werden. Mit diesen wird der Wildreichtum der Insel kulinarisch erlebbar.

Jagdschein und Kosten für die Jagd auf Usedom

Viele Urlauber möchten einmal mit einem ortskundigen Jäger auf den Ansitz und die Natur beobachten. Andere möchten selbst jagen. Jagdberechtigt sind auf Usedom so wie in ganz Deutschland Inhaber eines Jagdscheines. Dieser kann beispielsweise über einen Kurs einer Jagdschule erworben werden. Durch eine Jägerprüfung wird sichergestellt, dass nur fachkundige Jäger an der Jagd teilnehmen und im Zuge dessen eine Waffe benutzen. Zudem ist es auch möglich, eigene Jagdhunde mit auf die Jagd mitzunehmen. Manchmal wird die Zeit auf der Insel dazu genutzt, Unterstützung bei der Ausbildung des eigenen vierbeinigen Jagdbegleiters zu erhalten.

Die Kosten für die Jagd setzen sich aus unterschiedlichen Gebühren zusammen. Dazu zählen zunächst die Kosten für den Jagdschein. Diese können in Mecklenburg-­‐Vorpommern je nach Wahl des Kurses zwischen 1.000 Euro und 3.000 Euro liegen. Zudem richten sich die Gebühren nach der Art des Jagdscheines. Dieser wird nicht auf Lebenszeit ausgestellt, sondern je nach Variante für bis zu 14 Tage oder für ein bis drei Jahre. Mit der kostenpflichtigen Beantragung eines Jagdscheines ist zusätzlich der Abschluss einer Jagdhaftpflichtversicherung erforderlich. Bei der eigentlichen Jagd fallen zudem Abschussgebühren an. Diese Jagdbetriebskosten richten sich nach der Art des Tieres. Die Gastgeber vor Ort unterstützen Jäger bei den erforderlichen Lizenzen und übernehmen die Beantragung, beispielsweise bei der zuständigen Jagdbehörde.

Wichtige Begriffe aus der Weidmannssprache

Die Jägersprache kennt viele Begriffe, die Laien auf diesem Gebiet sonderbar erscheinen. Doch sie stehen für ein traditionelles Brauchtum und werden auch in der heutigen Zeit verwendet. Hier einige Beispiele für Begriffe aus der Jägersprache:

  • Waidmannsheil: Gruß auf dem Weg zur Jagd und als Glückwunsch
  • Waidmannsdank: Dankesantwort auf den Glückwunsch „Waidmannsheil“
  • Wildbret: frisches, für den Verzehr geeignetes Wildfleisch
  • Pirsch: vorsichtiges Gehen
  • Aser: Jägerrucksack
  • Jagdjahr: Das Jagdjahr beginnt im Frühjahr am 1. April und endet am darauffolgenden 31. März.
  • Jagdschein: die Jagdlizenz
  • Kanzel: der Hochsitz
  • Standwild: Das Wild, welches sich lediglich im Revier aufhält.
  • Wechselwild: Wild, welches das Revier wieder verlässt.
  • Zielwasser: Alkoholisches Getränkes unter Jägern, welches dazu dienen soll, ruhiger und zielsicherer zu schießen.

Häufig ist in dem Zusammenhang vom Jägerlatein die Rede, mit welchem die teils wahren, aber stark übertriebenen Erzählungen von Jägern gemeint sind. Das Jägerlatein ist somit nicht mit der Weidmannssprache als Fachsprache zu verwechseln.

Gibt es auf Usedom spezielle Jagdreviere?

Usedom verfügt über einen vergleichsweise hohen Wildbestand. Es erwarten den Jäger eine Vielzahl unterschiedlicher Wildarten wie Reh-­‐, Schwarz-­‐, Dam-­‐ und Rotwild und ebenso Raub-­‐ und Federwild. Die Jagdgebiete sind sehr vielfältig und zumeist leicht zu begehen. Über die vielen komfortablen Ansitze Usedoms lassen sich Wildtiere beobachten oder Ansitzjagden durchführen. In diesen Revieren können Lizenzen für individuelle Einzeljagden vergeben werden, zudem ist die Teilnahme an Drück-­‐ und Treibjagden möglich.

Zu den beliebten Jagdrevieren Usedoms zählen unter anderem Pinnower Reihe, Buckowsee und das Revier am Wolgastsee. Inmitten der verschiedenen Jagdreviere können Gäste ihren Urlaub in einer Pension, Hotels oder Ferienwohnungen verbringen und damit das Wohnen und Jagen auf Usedom verbinden. Beliebt ist ein Urlaub beispielsweise in einem Wald-­‐ und Jagdgut. Einige Gastgeber haben sich auf Jäger spezialisiert und bieten ein vielfältiges Rahmenprogramm an. Zu diesen zählen beispielsweise:

  • Wald-­‐ und Jagdgut Lütow
  • Wald-­‐ & Jagdgut Meier in Neuendorf
  • Promenadenhotel Admiral in Heringsdorf
  • Strandhotel Bansiner Hof in Heringsdorf

Tipps für die Zubereitung des gejagten Wildes

Nach der erfolgreichen Jagd kann das Wildbret auf vielfältige Weise zubereitet werden. Der klassische Wildbraten ist genauso möglich, wie die Zubereitung von Kurzgebratenem oder Gegrilltem. Bleibt der Jagderfolg aus, kann Wild auch bei Jägern gekauft und natürlich in den Restaurants und Hotels der Insel direkt genossen werden. Insbesondere zu den Wildwochen Usedoms ist die Auswahl an Wildspezialitäten sehr vielfältig. Bei organisierten Jagden übernehmen die Teilnehmer zusammen mit den Gastgebern oftmals die Zubereitung, wodurch es auch Urlaubern ermöglicht wird, selbst gejagtes Wild zu genießen.

Die Usedomer Wildwochen als kulinarisches Highlight

Jeden Herbst werden auf Usedom die Wildwochen veranstaltet. Eingeläutet werden diese durch die traditionellen Jagdhornbläser. Zu dieser Zeit sind passionierte Jäger unterwegs und in den Restaurants werden Spezialitäten aus der heimischen Jagd angeboten. Viele Hotels und Restaurants setzen zu diesen Zeiten auf eine spezielle Wildkarte. In der Herbstzeit sind auf diesen insbesondere Reh, Hirsch und Wildschwein zu finden. Darüber hinaus wird mit den Wildwochen auf Usedom ein Rahmenprogramm angeboten. Zu diesem zählte in den vergangenen Jahren die Kölpinseer Wildgala, ein Wilder Markt mit vielerlei Spezialitäten und eine Messe zu Ehren des Heiligen Hubertus. Dieser ist der Schutzpatron der Jagd, welcher einst durch den Anblick eines Hirsches, bei welchem er ein Kruzifix zwischen dem Geweih sah, bekehrt wurde. Seither steht der Heilige Hubertus für die waidgerechte Jagd.

Jagen auf der wildreichen Insel Usedom

Die Ostseeinsel Usedom bietet ideale Bedingungen, um inmitten einer beeindruckenden Natur zu jagen. Der Wildbestand ist reich und vielfältig. Wer sich an die Regelungen, den Naturschutz und die Jagd-­‐ und Schonzeiten hält sowie einen Jagdschein hat, wird auf Usedom eine erlebnisreiche Zeit verbringen. Insbesondere im Herbst gibt es viele Möglichkeiten zum Jagen auf Usedom und die Wildwochen Usedoms runden das Erlebnis ab. Im Herbst hat außerdem das Pilze sammeln Hochsaison. Das bietet Jägern sowie Nichtjägern die Gelegenheit, die Vielfalt der Insel kennenzulernen und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen.