Lyonel Feininger – ein bedeutender Künstler auf Usedom

20.02.2019, von Lisa Willenberg

Der Deutsch-Amerikaner Lyonel Feininger zählte zu den bedeutendsten Künstlern der klassischen Moderne. Während der Sommermonate seiner Zeit in Deutschland war Lyonel Feininger oftmals an der Ostsee zu Gast. In den Anfängen noch auf Rügen, später aber auch auf Usedom, wo er weitere Gemälde schuf. Gerne streifte er mit seinem Fahrrad über die Ostseeinsel, immer wieder auf der Suche nach neuen Naturmotiven. Anhand dieser Skizzen hat er später diverse Grafiken, Aquarelle und Ölbilder geschaffen.

Lyonel Feininger - Der Werdegang eines talentierten Künstlers

Als er mit 16 Jahren seine Eltern nach Deutschland begleitete, wusste er noch nichts von seiner erfolgreichen Zukunft. Seine künstlerischen Wurzeln wurden ihm aber in die Wiege gelegt. Auf Wunsch seines Vaters Karl Feininger, der Geigenspieler und Komponist war, sollte auch sein Sohn eine Musikkarriere beginnen. Feininger entschied sich damals gegen den Willen seines Vaters und besuchte die Kunstgewerbeschule in Hamburg mit anschließendem Studium an der königlichen Akademie in Berlin.

Aufgrund seiner Begabung wurde er bereits in frühen Jahren von verschiedenen Zeitschriften und Verlagen als Karikaturist unter Vertrag genommen. In dieser Zeit heiratete der begabte Zeichner seine erste Frau, die Pianistin Clara Fürst.

Lyonel Feiningers Bilder auf der Kunstausstellung in Berlin

Dank seiner besonderen Fähigkeiten wurden seine Bildergeschichten 1904 auf der großen Kunstausstellung in Berlin gezeigt. Im Jahre 1905 trennte sich Lyonel von seiner ersten Frau und seinen beiden Kindern. Ein Jahr später lernte er seine zweite Frau, die Künstlerin Julia Berg, kennen.

Auf einer gemeinsamen Reise nach Paris lernte der in New York geborene Lyonel Feininger auch die Künstler Robert Delaunay und Henri Matisse kennen. Nach weiteren Verträgen mit einer amerikanischen Zeitung ließ er sich später in Berlin nieder. Dort trat Lyonel Feininger im Jahre 1909 der Berliner Secession, einer Künstlergruppe, bei.

Lyonel Feininger und der Kubismus

1911 beteiligte sich Lyonel Feininger mit sechs Bildern an einer Ausstellung im Salon des Indépendants in Paris. In dieser Zeit erfolgten auch die ersten Berührungen mit dem Kubismus. Lyonel Feiningers Bilder hatten zu dieser Zeit bereits einen großen Bekanntheitsgrad erlangt. Er malte unter anderem Bilder von Kirchen und Dorfkernen des Weimarer Umlandes in Thüringen. Seinen Kubismus nannte er selbst "Prisma-ismus".

Im Mai 1919 wurde er von Walter Gropius als Meister in das staatliche Bauhaus Weimars aufgenommen. Dort war er mehrere Jahre als Leiter der Druckwerkstätten tätig. 1924 schloss er sich mit weiteren Künstlern zur Ausstellungsgemeinschaft “Die Blauen Vier” zusammen. Aufgrund der Neugründung des Bauhauses zog Feininger 1926 mit seiner Familie nach Dessau. Auf eigenen Wunsch hin ließ sich Lyonel Feininger später vom Bauhaus entpflichten.

Lyonel Feininger und sein Wirken auf der Sonneninsel

Als Sommerquartiere wählte Lyonel Feininger in den Jahren 1908 bis 1913 Ortschaften wie Benz, Heringsdorf und Neppermin. Seine Fahrradroute startete er in Heringsdorf, wo er unter anderem die prachtvolle Strandpromenade sowie die Seebrücke malte. Von dort aus ging es über Bansin nach Sallenthin weiter nach Benz. Neben der bekannten St. Petri Kirche hat er dort auch die beliebte Holländerwindmühle als Motiv gewählt. Auf dem Weg zwischen Neppermin und Balm hielt er auf seinen Skizzen mehrere Mühlen und Scheunen fest. Leider wurden viele dieser Gebäude wegen Baufälligkeit bereits abgerissen.

Im Dorf Mellenthin zählen die Dorfkirche sowie das Wasserschloss zu seinen bekannten Motiven. Über Bansin zurück führte seine Route erneut Richtung Süden nach Zirchow, wo er auch mehrere Zeichnungen anfertigte. Seine Strecke führte ihn weiter nach Swinemünde jenseits der heutigen polnischen Grenze. Dort skizzierte er das alte Rathaus sowie die Mühlenbake. Von dort aus ging es etwa 12 Kilometer entlang der längsten Strandpromenade Europas über das Seebad Ahlbeck nach Bansin zurück. Auf den Feininger Radtouren können Kunstinteressierte heute noch seine Skizzen betrachten. Insgesamt schuf Lyonel Feininger etwa 80 Gemälde auf Usedom.

Entartete Kunst und Rückkehr in die USA

In der nationalsozialistischen Zeit Deutschlands wurden Feiningers Gemälde als entartete Kunst verhöhnt. Die Nationalsozialisten entfernten 378 seiner Werke aus öffentlichen Sammlungen. Nach der Machtübernahme beschloss der Künstler, mit seiner Frau Deutschland zu verlassen und siedelte zurück in die Vereinigten Staaten. Auch wenn der Künstler in den USA bei weitem nicht so bekannt war, wurde er später zum Präsidenten der Federation of American Painters und Sculptors gewählt. Im Jahr 1956 starb Lyonel Feininger im Alter von 84 Jahren in New York.