Sturmflut der Ostsee teilte Usedom 1872 in zwei Teile

11.02.2020, von Konstanze Eichner

Sturmfluten der Ostsee sind Usedoms Geschichte und Gegenwart

Die Insulaner Usedoms hatten schon oft mit den Folgen von Hochwasser und Sturmfluten der Ostsee zu kämpfen. Das Ostseehochwasser im Jahr 1872 führte sogar zu einer zwischenzeitlichen Spaltung der Insel. Und bis heute gilt: auch andere, weniger dramatische Überschwemmungen richten immer wieder Schäden an. Insbesondere in den Wintermonaten drohen vermehrt Fluten. Doch die besonders verheerenden Überschwemmungen der Vergangenheit sind, auch dank neuerer Schutzmaßnahmen, nicht an der Tagesordnung. Dennoch ist es wichtig, sich über die Wasserstände zu informieren und zu wissen, was im Falle einer erneuten Ostsee-Sturmflut zu tun ist.

 

Das verheerende Ostseehochwasser von 1872

Im November 1872 wurde nicht nur Usedoms Ostseeküste von den Wassermassen heimgesucht. Auch von Dänemark bis Pommern richtete das Hochwasser massive Schäden an. Die Wasserstände entlang der Ostseeküste erreichten zu dieser Zeit bis zu 3,3 Meter über Normalnull.

Ein Sturm blies das Wasser zunächst in eine ganz andere Richtung: nach Finnland und dem Baltikum. Das bedeutete für die deutsch-dänische Küste zunächst Niedrigwasser. In dessen Folge konnten jedoch große Wassermengen aus der Nordsee in die Ostsee fließen. Erst als die Wassermassen durch den sich drehenden Orkan zurückgetrieben wurden und das Nordseewasser nicht wieder weichen konnte, wurde die Ostseeküste von meterhohem Hochwasser bedroht.

Die Folgen des Ostseehochwassers

Die Küstenbewohner überraschte es mitten in der Nacht. Mehr als 270 Todesopfer brachte die Sturmflut mit sich. Einige Tausend Häuser wurden zerstört. Für Usedom hatte das plötzliche Hochwasser noch eine weitere gravierende Folge. Die Insel wurde zwischen Damerow und Koserow zeitweise in zwei Teile geteilt. Dort schuf das Wasser eine rund 340 Meter breite Schneise durch die Insel und überspülte Damerow fast vollständig. Von dem kleinen Fischerdorf blieben wenige Häuser stehen, die jedoch nur zwei Jahre später bei einer weiteren Flut von neuen Wassermassen niedergerissen wurden. Heute erinnert an das Dorf nur noch ein Gedenkstein.

Im Winter wird es stürmisch und die Wasserstände steigen

Der Verlauf des Ostseehochwassers aus dem Jahre 1872 zeigt, wie schnell die Gefahr einer Sturmflut für die Küsten- und Inselbewohner entstehen kann. Hochwasser und Sturmflut werden dabei häufig als Synonym verwendet. Eine Sturmflut an der Ostsee lässt sich, anhängig vom Wasserstand, in vier Klassen einteilen. Ab einem Meter über dem mittleren Wasserstand wird von einer Sturmflut gesprochen. Ab 1,25 Metern Wasserstand liegt eine mittlere Sturmflut vor, eine schwere ab 1,50 Meter. Zwei Meter über dem mittleren Wasserstand gelten sogar als sehr schwere Sturmflut. Sturmhochwasser entsteht an der Ostsee stets durch den Einfluss der Stürme. Damit ist mit einer Sturmflut vermehrt in den Wintermonaten und gehäuft in der Nacht zu rechnen. Insbesondere Temperaturunterschiede lassen schwere Sturmtiefs oder orkanartige Böen entstehen, die über die Küsten und Inseln hinwegfegen.

Schutzmaßnahmen vor Sturmfluten der Ostsee

Sturmfluten und Hochwasser sind an der Osterseeküste auch heute nichts seltenes. Doch ein Sturmhochwasser solcher Größenordnung wird als Jahrtausendereignis gewertet. Der Klimawandel trägt jedoch zu einem kontinuierlichen Anstieg des Wassers bei. Allein in den letzten 150 Jahren ist der Wasserstand der Ostsee mit rund 20 Zentimetern deutlich angestiegen. Fatal wären die heutigen Folgen: viele Küstengebiete sind mittlerweile bedeutend stärker besiedelt als noch im Jahr 1872.

Doch auch die Bewohner an den Küsten und auf den Inseln hat insbesondere die Sturmflut der Ostsee von 1872 dazu sensibilisiert, weitreichende Küstenschutz- und Hochwasserschutzmaßnahmen umzusetzen. Dazu zählt insbesondere der Deichausbau, in den bis heute investiert wird. Auch die regelmäßige Erneuerung der Buhnen gilt als weitere, wirksame Schutzmaßnahme vor Schäden durch Ostseehochwasser.

Sturmfluten der Ostsee richten immer noch Schäden an

Der Schutz der Menschen hat auch bei Sturmfluten oberste Priorität. Warndienste der Deutschen Seewarten sorgen seither dafür, dass Menschen bei ersten Anzeichen einer Sturmflut frühzeitig gewarnt werden. Eine solche Flut richtet als zufälliges und unberechenbares Phänomen dennoch häufig andere Schäden an. Dazu zählen insbesondere Sandverluste sowie unterspülte Promenaden und Wege. Vorallem der Tourismus, der auf der Insel Usedom als wichtiiger Wirtschaftsfaktor gilt, leidet unter diesen Auswirkungen.

Die Flut, die im Jahr 2017 durch das Sturmtief "Axel" ausgelöst wurde oder das Sturmtief "Kyrill" im Jahr 2007 sind beispielhaft dafür, was Sturm der Ostsee mit ihren hohen Wasserständen anrichten können. Sturmtief "Axel" sorgte dafür, dass die zweithöchste Hochwasser-Alarmstufe ausgelöst wurde. Teile von Strandpromenaden wurden weggerissen, Treppenaufgänge vernichtet und zwischen den Orten Koserow und Zempin kam es zu Steiluferabbrüchen.

Was ist bei einer Sturmflut zu beachten?

Die Stürme im Winter sind kein Grund, der Ostseeküste zu der Jahreszeit fernzubleiben - ganz im Gegenteil. Die kalte, lebendige Luft und die schäumende Gischt üben einen ganz besonderen Reiz auf die Besucher aus. Es lohnt sich, Usedom im Winter zu erleben. Die Stille sorgt dafür, dass die Naturgeräusche wie das Geschrei der Möwen, der pfeifende Wind oder das Meeresrauschen lauter werden. Zugleich treibt das schäumende Meer einige sonst im Meer verborgene Schätze an Land. Die Ruhe nach einem Sturm ist der ideale Zeitpunkt für die Suche nach Fundstücken wie Bernstein, Strandgut oder Muscheln.

Trotz der Schönheit der winterlichen und stürmischen Natur sollte die Gefahr einer Sturmflut an der Ostsee nicht außer Acht gelassen werden. Es ist ratsam, regelmäßig einen Blick auf aktuelle Sturmflutwarnungen zu rufen. Das ist in der heutigen Zeit einfach über das Internet oder mobil per App möglich. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie gibt entsprechende Warnungen aus und warnt auch auf klassischem Weg über das Radio. Im Ernstfall sind Vorsichtsmaßnahmen zu treffen:

  • - Meiden der Küsten- bzw. der angegebenen Gefahrenbereiche
  • - Radio angeschaltet lassen
  • - Eine Taschenlampe hilft bei Stromausfall
  • - Etwaigen Aufforderungen zur Räumung ist sofort nachzukommen.
  • - Lässt sich der Gefahrenbereich nicht mehr verlassen, dann sollte ein höherer Punkt aufgesucht werden, beispielsweise das Dachgeschoss des Hauses.
  • - Handgepäck mit Handy, Radio, Trinkwasser und Taschenlampe vorbereiten.
  • - Im Notfall eine der Notrufnummern wählen.

Ostseesturmflut: Sich selbst schützen und die stürmische Natur genießen

In den Sommermonaten zeigt sich die Ostsee meist von ihrer ruhigen und beschaulichen Seite. Hohe Wellen sind zu dieser Zeit kaum vorstellbar. Wer jedoch Usedom einmal im Winter besucht, wird erstaunt sein, welche gewaltigen Kräfte vom Wasser in Verbindung mit Wind ausgehen. Die Inselbewohner Usedoms wissen durch die vergangenen Sturmfluten der Ostsee um die Gefahren. Sie wissen, was im Ernstfall zu tun ist und kennen die Anzeichen. Auch Urlauber sollten auf die offiziellen Warnungen hören und sich an die Verhaltensregeln halten. Dann können sie das Meer und seine Kraft auch im Winter genießen.

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