Tom Dressel ist Tea Master Gold im Ahlbecker Hof

09.04.2019, von Lisa Willenberg

Tom Dressel verwöhnt die Gäste im SEETELHOTEL Ahlbecker Hof zu jeder Tageszeit mit ausgesuchten Tees. Besonders begehrt ist der Afternoon Tea mit exklusiven Sorten, die nur ein Tea Master, wie er es ist, anbieten darf. Im Interview spricht der Teeexperte über seine Ausbildung zum Tea Master und gibt Tipps für die perfekte Zubereitung des Heißgetränks.

Der Weg zum Tea Master führt über die Liebe zum Tee

Herr Dressel, wie und wann haben Sie Ihre Liebe zum Tee entdeckt?

Unbewusst habe ich die Liebe zum Tee bereits im Kindesalter entdeckt. Ich habe in jungen Jahren mal aus einer Cola-Flasche getrunken, die mein Vater mit kaltem Kaffee gefüllt hatte. Dieser Geschmack hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, so dass ich bis heute keinen Kaffee zu mir nehme. Meine Alternativen waren dann halt Tee und Kakao. Ich habe früher viel Früchtetee getrunken.

Das erste Mal so richtig in Berührung gekommen mit dem Thema Tee bin ich während meiner Ausbildung zum Restaurantfachmann. In der Berufsschule habe ich erste Referate über Tee gehalten, und so hat sich das immer weiter entwickelt. Als ich dann hier im Ahlbecker Hof angefangen habe, kam das Angebot, mich in diesem Bereich noch ein bisschen weiterzuentwickeln.

Wie wird man Tea Master? Wie lange dauert die Ausbildung und welche Inhalte werden vermittelt?

Ich habe beim Teehaus Ronnefeldt einen dreitägigen Intensiv-Workshop besucht, bei dem man zum Beispiel alle Anbaugebiete und die verschiedenen Teesorten kennenlernt. Verkostungen gehören natürlich ebenfalls zum Programm. Am Ende des Seminars musste ich eine Abschlussprüfung absolvieren. Bevor man allerdings an diesem Workshop teilnehmen darf, muss man sich einem längeren Bewerbungsgespräch stellen und seine Motivation darlegen.

Bestandteil der Gold-Ausbildung war dann auch eine Reise nach Sri Lanka. Was haben Sie dort erlebt?

Sehr, sehr viel. Wir sind mit einer 20-köpfigen Gruppe für zehn Tage nach Sri Lanka gereist, wo wir unter anderem intensiv in das Leben mit Tee eingeführt worden sind. Dabei hat man natürlich auch die krassen Gegensätze zwischen Deutschland und Sri Lanka kennengelernt. Die Lebensbedingungen sind zum Teil wirklich erbärmlich. Auf der anderen Seite hat mich sehr beeindruckt, welche Beziehung die Bewohner Sri Lankas zu ihrem Produkt Tee haben. Es gibt beispielsweise unheimlich viele Teemuseen. Die Beziehung zur Teefabrik, also dem Arbeitgeber, ist eng. So gibt es zum Beispiel direkt neben den Fabriken Kindergärten, in die die Pflückerinnen ihre Kinder schicken können.

Bei unserem Aufenthalt in Sri Lanka durften wir uns auch selbst als Pflücker versuchen. Unsere Gruppe hatte sechs Pflückerinnen, die uns dabei betreut haben. Am Anfang dachten wir alle natürlich noch, das sei ganz einfach. Wir waren ja darauf aus, nur die jüngsten Blätter und Knospen zu pflücken, also die beste Qualität. Man denkt, das sieht man ja ganz einfach. Aber als man dann in diese Plantagen gegangen ist, hat man eine grüne Hecke vor sich gehabt und quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen. Man hat wirklich nichts mehr gesehen, und die Pflückerinnen mussten uns wirklich an die Hand nehmen und zeigen, was wir pflücken dürfen. Nach etwa einer halben Stunde hatten wir zusammen fünf oder sechs Kilogramm gesammelt. Die Pflückerinnen selbst jedoch müssen 30 Kilogramm pro Tag sammeln. Das verdeutlicht, wie viel Arbeit hinter dem Endprodukt Tee steht.

Bestandteil der Gold-Ausbildung waren zwei weitere Prüfungen, in denen es jedoch nicht mehr um die Theorie ging, sondern um die Praxis. Also um das Leben mit dem Produkt Tee.

Tee ist inzwischen ein Gourmet-Produkt

Welchen Stellenwert hat der Tee bei den Deutschen und bei den Gästen des Ahlbecker Hofs im Speziellen?

Ich persönlich würde sagen, dass der Tee hierzulande wieder im Kommen ist. Man merkt in den letzten Jahren, dass die Nachfrage steigt. Zum Beispiel daran, dass selbst kleinere Teehäuser oder Teehäuser, die für den Einzelhandel produzieren, auch in die Gourmetschiene einsteigen und auch Tees für die Hotellerie anbieten. Das gilt sowohl für die Saisonmischungen als auch für die Klassiker wie Schwarz- und Grüntee. Und bei uns im Ahlbecker Hof ist Tee ein Hauptbestandteil. Wir bieten ihn überall mit an: zum Frühstück, im Wellness, auf den Zimmern und nachmittags zum freien Verzehr. Das wird sehr gut angenommen.

Welche Aufgaben nehmen Sie als Tea Master im Ahlbecker Hof wahr? Wie sieht die dortige Teezeremonie aus?

Meine Aufgaben beginnen schon bei der Bestellung und Kontrolle des Tees. Bei der Teezeremonie an sich bin ich vor allem beratend und erklärend tätig. Wir haben ein wechselndes Teesortiment, das uns vom Teehaus Ronnefeldt zur Verfügung gestellt wird, aber nur von einem Tea Master angeboten werden darf. Das sind bei uns im Haus neun verschiedene Sorten, die wir den Gästen präsentieren. Diese können daran riechen und sie auch anfassen. Dabei erzähle ich etwas über die Herstellung und Verarbeitung des Tees. Danach werden die verschiedenen Sorten dann natürlich verkostet, zusammen mit ein paar Leckereien wie Sandwiches, Scones mit Clotted Cream und süßen Teilchen.

Wie genau bereitet man guten Tee fachmännisch zu?

Das hängt von der Sorte ab. Jeder bringt seine Besonderheiten mit. Grüntee darf zum Beispiel nicht mit kochend heißem Wasser aufgegossen werden. Schwarztee braucht wiederum längere Ziehzeiten. Am wichtigsten ist aber, dass der Tee sich bewegen kann. Deshalb sollte man auch auf das Teeei verzichten, das den Tee viel zu stark einengt. Wer auf Teebeutel setzt, sollte zu Schlauch- oder Dreiecksbeuteln greifen.

Welchen Tee trinken Sie persönlich am liebsten und warum?

Ich trinke gern einen Schwarztee wie Darjeeling und immer noch auch gern mal einen Früchtetee wie in der Kindheit. Ich starte mit einer Tasse Tee in den Tag. Der Tee ist aber auch einfach ein guter und gesunder Durstlöscher über den Tag verteilt.

Welchen Bezug haben Sie zu Usedom? Welcher ist Ihr Lieblingsplatz auf der Insel?

Ich bin als Kind 1996 das erste Mal auf die Insel gekommen und habe mich über die Jahre dann in Usedom verliebt. Vor achteinhalb Jahren bin ich dann zum Arbeiten hierhergekommen und Usedom bis heute treu geblieben. Am liebsten halte ich mich im Hinterland auf, weil es hier schön ruhig ist. Krummin und Zinnowitz sind zum Beispiel zwei schöne Fleckchen, die ich gern besuche.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieses Interview führte Herr Koprek im Auftrag der SEMSEO GmbH für usedom.de am 25.03.2019.

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