Unikate aus der Goldschmiede auf Usedom

19.02.2020, von Konstanze Eichner

Goldschmiedin Rebecca Grob lässt sich von Usedoms Bäderarchitektur inspirieren

Im Seebad Heringsdorf betreibt Rebecca Grob ein Paradies für Schmuckliebhaber. In ihrer Goldschmiedegalerie fertigt und verkauft sie individuelle Schmuckstücke, die perfekt zu ihrem Träger passen. Inspirieren lässt sie sich unter anderem von Usedoms Bäderarchitektur.

Frau Grob, wie kam es dazu, dass Sie 2012 Ihre eigene Goldschmiedegalerie auf der Sonneninsel Usedom eröffnet haben?

Richtungsweisend waren ein privater Urlaub und ein persönlicher Kontakt auf der Insel. Durch diesen Kontakt war es mir möglich, die Insel sehr gut kennenzulernen und beruflich erste Erfahrungen zu sammeln. So durfte ich in einem Hotel meinen Schmuck ausstellen, was den Stein quasi ins Rollen gebracht hat und mir weitere Kontakte verschaffte.
Meine private und berufliche Situation in Kiel hat mich dann dazu bewegt, mich näher mit dem Thema Selbstständigkeit auseinanderzusetzen. Da ich festgestellt habe, dass es auf Usedom keine Goldschmiede gab, die meinen Vorstellungen entsprach, habe ich hier den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Ohne zu wissen, ob ich es schaffen würde, die Idee zum Leben zu erwecken und – wichtiger noch – am Leben zu halten.

Wie entstand Ihre Liebe zum Schmuck und Ihre Leidenschaft für das Goldschmieden?

Das war reiner Zufall. Ich wollte einen kreativen Beruf, weil ich schon immer gerne gezeichnet und gebastelt habe. Die erste Wahl wäre der Steinmetz gewesen. Dafür war ich körperlich aber leider nicht gemacht. Das ist dann doch eher der typische Männerberuf.
In der Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, gab es nicht viele Möglichkeiten. Und der Wissenshorizont war nicht so weit – so bin ich beim Goldschmied gelandet. Dass es noch viele andere, für mich mindestens ebenso spannende Handwerksberufe gibt, habe ich erst später realisiert. Da war es allerdings schon zu spät. Da mich in der Zwischenzeit jedoch die Leidenschaft für die verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten des Goldschmieds gepackt hat, empfinde ich das nicht mehr als schlimm.

In jedem einzelnen Stück steckt viel Zeit, Liebe und HerzblutRebecca Gron Goldschmiede Usedom

Was für Produkte fertigen Sie in Ihrer Goldschmiede? Welche Produkte machen Ihnen persönlich am meisten Spaß?

Mit Ausnahme von Piercing-Schmuck fertige ich alle denkbaren Schmuckstücke an. Es ist weniger das Schmuckstück selbst, als die einzelnen Arbeitsschritte am jeweiligen Teil, die mich reizen. Schön sind immer wieder besondere Herausforderungen. Schwierigkeitsgrade in der Anfertigung, die einem die volle Konzentration abverlangen. Ist es geschafft, ist die Freude riesig. Dieses Gefühl kann einen ganz wundervoll durch den ganzen Tag tragen.

Wie müssen wir uns den Alltag einer Goldschmiedin vorstellen?

Mein Tag gliedert sich in drei Abschnitte. Als Erstes richte ich immer den Laden her und kümmere mich um administrative Aufgaben wie E-Mails, Materialbestellungen, Produktversand und To-do-Liste pflegen. Dann schließe ich den Laden auf und berate vorwiegend die Kunden. Wenn gerade niemand kommt, kann ich mich meiner To-do-Liste widmen. Erst wenn ich den Laden schließe, beginnt eigentlich die konzentrierte Arbeit am Werkbrett. Dann setze ich die Vorstellungen der Kunden um und erarbeite das Schmuckstück.

Was reizt Sie so sehr am Edelmetall Gold?

Gold hat eine ganz eigene Magie. Es ist warm, weich und zugleich sehr stark. Es schmeichelt der norddeutschen, hellen Haut mit seiner angenehmen, warmen Farbe. Da Schmuck immer erst in Kombination mit der Trägerin oder dem Träger richtig zur Geltung kommt, achte ich sehr auf das Material.

Jedes Stück ist ein Unikat

Woher beziehen Sie die Inspiration für Ihre Arbeiten?

Die Ideen finde ich immer in meiner Umgebung. Besonders reizen mich Muster, Strukturen und Formen in der Natur, Kunst und Architektur. So sind auch die Kollektionen der Bäderarchitektur entstanden. Ausschlaggebend waren Architekturelemente an Fassaden, die ich beim Einkaufen entdeckt, fotografiert und später kreativ umgesetzt habe.

Wer sind Ihre Kunden? Einheimische oder auch Touristen? So ein kunstvolles Unikat kostet ja schließlich auch ein paar Euro. Gibt es Touristen, die sich spontan in ein Schmuckstück verlieben und es als Andenken an die Insel mitnehmen?

Zu meinen Kunden zählen sowohl Einheimische als auch Touristen. In den Monaten der Saison sind es vorrangig Gäste, in den ruhigeren Monaten aber auch Einheimische. Es gibt bei einer größer werdenden Zahl von Menschen das Bedürfnis, das Geld für etwas Einzigartiges auszugeben. Etwas, mit dem nicht weitere 100.000 Menschen auf der Welt herumlaufen. Das spielt mir natürlich in die Hände. Diese Menschen sind bereit, entsprechendes Geld für meine Arbeit zu bezahlen – durchaus auch ganz spontan. Aber viele kommen ganz gezielt, weil sie sich zuvor über das Internet über mich und meine Leistungen informiert haben.

Wie schwer fällt es Ihnen sich von einem Schmuckstück zu trennen, in das Sie viel Zeit und Leidenschaft gesteckt haben?

Ich habe gelernt loszulassen. Wenn der Kühlschrank leer ist, geht es besonders gut. Allerdings gibt es natürlich auch immer wieder einzelne Stücke, die mir echt ans Herz gewachsen sind. Da passe ich dann auf, dass sie in gute Hände kommen. In jeder meiner Arbeiten steckt viel Herzblut, Erfahrung und noch viel mehr Lebenszeit. Da kann es schon mal weh tun, wenn ein besonderes Schmuckstück ein neues Zuhause findet.

Sie sind keine gebürtige Usedomerin. Wann und wie haben Sie die Insel lieben gelernt?

2009 war ich zum ersten Mal auf der Insel und habe dort Urlaub gemacht. Direkt beim ersten Mal habe ich mich spontan verliebt. Die Natur, das Licht, das Meer und die Bäderarchitektur taten einfach nur gut. Ich wollte nach den fünf Tagen nicht zurück nach Kiel. Die leisen Ecken auf der Insel, dort wo die Zeit stehen geblieben schien und sich nur wenige Touristen aufhielten, die hatten es mir besonders angetan.

Können Sie es sich vorstellen, noch einmal woanders hinzuziehen?

Ich kann das nicht auf alle Ewigkeit ausschließen, aber im Moment fühle ich mich auf Usedom sehr wohl und sehe keinen Grund dafür.

Sie haben nicht nur eine Leidenschaft für das Goldschmieden, sondern auch für die analoge Fotografie. Was sind Ihre Lieblingsplätze auf der Insel, um zu fotografieren?

Mittlerweile komme ich nur noch selten zum Fotografieren, aber ich habe die Fischerhütten mit all ihren Details immer sehr geliebt. Landschaftlich hat es mich oft ans Achterwasser gezogen. Auch der Gnitz ist wunderschön, gerade im Abendlicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Herr Koprek im Auftrag der SEM SEO GmbH für usedom.de am 08.01.2020.

 


Urlaubs-Tipp: Wer selbst Schmuck herstellen möchte, kann sich auf Usedom auf die Suche nach Bernstein begeben.

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