Usedomer Literaturtage 2019

15.03.2019, von Lisa Willenberg

„Denk‘ ich an Deutschland“ ist das Motto der Usedomer Literaturtage, die vom 31. März bis 6. April 2019 erstmals Deutschland in den Fokus rücken. International bedeutende Autorinnen und Autoren wie die Nobelpreisträgerin Herta Müller, Schriftsteller-legende Martin Walser, die neue Usedomer Literaturpreisträgerin Jenny Erpenbeck, Krimibestsellerautorin Donna Leon, der Usedomer Literaturpreisträger 2014 Jaroslav Rudiš, aber auch der Schauspieler Peter Sodann geben in moderierten Lesungen und Podiumsdiskussionen Einblicke in ihr Deutschlandbild.

Den Auftakt des kulturellen Frühjahrshöhepunktes auf Usedom gibt eine große Podiumsdiskussion zum Thema „Globalisierungsverlierer? Deutschlands Stellung in einem zukünftigen Europa. Der Schau-spieler und Regisseur Peter Sodann spricht über seine Bibliothek, die mit über einer Million in Ostdeutschland verlegter Bücher ein Schlaglicht auf das Verhältnis von Ost und West wirft. Den Zukunftsvisionen der jungen Generation widmen sich die Jungen Usedomer Literaturtage mit einer Literaturwerkstatt in der Europäischen Gesamtschule im Seebad Ahlbeck.

Deutschlands legendärer Schriftsteller Martin Walser ist als ehemaliges Mitglied der Gruppe 47 Usedom eng verbunden. Die moderierte Lesung lässt Walsers Einsatz für die deutsche Wiedervereinigung im Gespräch wieder lebendig werden und entführt auch in das belletristische und essayistische Werk des großen Schriftstellers. Erstmals präsentieren die Literaturtage eine Lesung im Kraftwerk Peenemünde. Der geschichts-trächtige und geheimnisumwitterte Ort ist auch Thema eines neuen Romans des tschechischen Autors Jaroslav Rudiš, der 2014 den Usedomer Literaturpreis erhielt und mit seinem Werk Verborgenes und Verdrängtes der Geschichte Mitteleuropas ans Licht bringt. Eine weitere Premiere erwartet die Besucher mit einer Kostprobe aus dem neuestem Roman der Bestsellerautorin Donna Leon „Ein Sohn ist uns gegeben“, der erst im Mai veröffentlicht wird.

Die mehrfach mit bedeutenden internationalen Literaturpreisen ausgezeichnete Autorin Jenny Erpenbeck erhält den Usedomer Literaturpreis 2019. Die Jury ehrt die Autorin als „mutige und authentische Stimme der deutschen Gegenwartsliteratur“. Sie betreibe unermüdlich Seelenforschung deutscher Identität(en) und lege dabei „Schichten historischer Erfahrungen frei“. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung liest sie aus ihren Werken „Heimsuchung“ und „Gehen, ging, gegangen“.

Geprägt von ihren Erfahrungen im totalitären System des Ceauşescu-Regimes schreibt Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller gegen das Vergessen an. Vor dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte, die sie schließlich nach Berlin führte, widmet sie sich im Gespräch mit Manfred Osten ihrem neuesten Werk „Im Heimweh ist ein blauer Saal“.