Historisch, maritim, idyllisch - Das ist die Herzogstadt Wolgast

26.08.2021, von Marika Borowski

Tatsächlich habe ich ganz vergessen, wie schön Wolgast eigentlich ist. Seit Jahren fahre ich hier nur noch durch, wenn ich die Insel mal verlasse. Dabei ist Wolgast so facettenreich und genau das durfte ich bei der Wolgaster Kulturnacht erleben bzw. wieder in meine Erinnerung bringen. Schon allein, als ich die Gassen Richtung Altstadt lief, erinnerte ich mich wieder, wie ich oft mit meinen Eltern hier zum Shoppen entlang bummelte. Viele Einkaufsläden sind nun leider geschlossen – es wirkt etwas ausgestorben. Auf dem Marktplatz sieht es zum Glück anders aus. Hier haben sich neben dem Rathaus noch ein paar kleine Läden und Cafés durchgesetzt. Und auch kulturell hat Wolgast einiges zu bieten. Während der Kulturnacht erfuhr ich an historischen Orten viel Wissenswertes aus der Zeit des 18. Jahrhunderts. In romantischer und lauschiger Atmosphäre konnte ich Geschichten aus vergangenen Zeiten hören und mich von Musik inspirieren lassen. Eröffnet wurde die Wolgaster Kulturnacht durch die Turmbläser auf der St. Petri Kirche. Und genau hier starte ich. Denn auch ohne Kulturnacht kannst du alle Attraktionen und die Sehenswürdigkeiten in Wolgast erleben.

 

 

Die St.-Petri-Kirche Wolgast

Die St.-Petri-Kirche Wolgast ist eine dem Apostel Petrus geweihte evangelische Kirche. Schon beim Betreten erlebte ich ein kleines Déjà-vus, da ich als Kind sehr oft mit meiner Oma die Kirche in Lassan besuchte. Die Atmosphäre in Kirchen mag ich auch heute noch. Das Gemäuer und die wunderbaren Deckenmalereien der St. Petri Kirche in Wolgast haben so viel Geschichte zu erzählen. Die Totentanzbilder sind beeindruckend und lassen dich etwas nachdenklich werden. Ich empfehle dir unbedingt den Kirchturm zu besteigen – die Aussicht über die ganze Stadt und auf den Hafen bis hin zu nahegelegenen Ortschaften ist einfach atemberaubend. Der Aufstieg ist ein pures Erlebnis! Es ist eng, steil und die Decken sind sehr niedrig, aber die Anstrengungen lohnen sich definitiv. Von ganz oben solltest du anschließend auch bis ganz nach unten steigen. In der Gruft der Herzöge von Pommer-Wolgast befinden sich deren Sarkophage – ziemlich faszinierend und spooky. Ein sehenswertes Kleinod ist die Synodalbibliothek in der St. Petri Kirche. Hier befinden sich zahlreiche alte Bücher, die Auskunft über Wolgast und ihre Kirche geben.

 

Die Gertrudenkapelle

Ein Stückchen weiter in Richtung Chausseestraße findest du die Gertrudenkapelle in Wolgast. Bauhistorisch ist diese ein einzigartiges Bauwerk und hat mich echt gefesselt. Die Kapelle ist ein zwölfseitiger Zentralbau mit Mittelsäule und wunderschönem Sterngewölbe. Die Mitglieder des Fördervereins St. Gertrud erzählen dir Interessantes aus der Geschichte der Kapelle. Auf dem Friedhof findest du außerdem Grabstätten einiger historischer Persönlichkeiten, die sich für die Entwicklung der Stadt besonders engagiert haben.

 

 

 

Das Rungehaus

Eine ganz besondere Persönlichkeit in unserer Region ist für mich der Maler und Vertreter der deutschen Romantik Philipp Otto Runge. Das Haus in dem Runge 1777 das Licht der Welt erblickte, ist heute eine moderne museale Begegnungsstätte zu seiner Lebenswelt. Von ganzheitlichen Ideen beseelt, widmete sich Runge auch der Farbenlehre, entwarf Spielkarten und schrieb pommersche Märchen nieder, unter anderem „Vom Fischer und seiner Frau“. Nimm dir also unbedingt die Zeit, die Ausstellung und das Geburtshaus in Wolgast zu erkunden und entdecke interaktiv die Kunst der Romantik und Philipp Otto Runge. Im Hof des Hauses kannst du Platz nehmen und das Leben und Werk von Runge Revue passieren lassen.

 

 

Das Postel

Die Straße etwas höher Richtung Kreuzung findest du das Postel bzw. Die Alte Post. Das 130 Jahre alte Postgebäude hast du bei deiner Fahrt durch Wolgast mit Sicherheit schon entdeckt. Es gehört zu den Gebäuden aus der Gründerzeit, zu denen auch das Amtsgericht in der Homeystraße und das Schulgebäude am Unterwall gehören. In diesem ehemaligen Postgebäude befindet sich heute ein liebevoll eingerichtetes Hostel, das mit seinem Ambiente an die alten Postzeiten erinnert. Ein großartiges Projekt und Konzept, wie ich finde. Du kannst in einem Brieftaubennest wohnen, in einer Rohrpost duschen, Fußball in einer Fernsprechstation kicken, unter Dachsparren frühstücken und am Abend zwischen alten Heizkesseln entspannt ein Bier trinken. Wer im Postel eincheckt, findet ein Quartier voller Überraschungen. Und? Findet dein nächster Urlaub vielleicht gar nicht auf der Insel statt, sondern mal kurz davor in der Stadt Wolgast?

 

 

Die Kaffeemühle

Zurück zum Rathausplatz finde ich an der Ecke die „Kaffeemühle“ in Wolgast. Der 300 Jahre alte Fachwerkspeicher verdankt seinen Namen seiner eigenwilligen Form. Auf vier Etagen präsentiert hier das Stadtmuseum die Entwicklung der Stadt Wolgast von der pommerschen Residenzstadt zu einem modernen Schiffsbaustandort. Die Industrie-, Handels- und Handwerksgeschichte findet hier durch zahlreiche Exponate veranschaulicht ihren Platz. Wieder völlig faszinierend für mich, zu sehen und erleben, wie sich die Zeiten ändern und wie eine Stadt sich bisher so entwickelt hat.

Das historische Rathaus

Zurück zum Marktplatz und zum Rathaus. Hier befindet sich im Übrigen auch die Stadtinformation von Wolgast, in der du dich über weitere Angebote, Ausflugstipps und Veranstaltungen informieren kannst. Sowie auch das Kaminzimmer. Wo einst die Wolgaster Bürgermeister residierten und regierten, befindet sich heute ein kleiner repräsentativer Veranstaltungsraum. Der Rathausplatz oder auch Marktplatz genannt, ist mittlerweile Treffpunkt für vielerlei Anlässe, wie Markttage, Hochzeiten, Konzerte und Stadtfeste. Ringsherum sowie in den kleinen Gassen findest du auch noch kleine Läden, wie zum Beispiel die Buchhandlung Wolgast, den Eine-Welt-Laden, das Musikcafé und das Restaurant „Onkel Ben´s“.

„Onkel Ben´s“

Wenn du richtig toll frühstücken oder auch Mittag essen gehen möchtest, dann empfehle ich dir in Wolgast in jedem Fall das kleine und sehr gemütlich eingerichtete Restaurant am Marktplatz „Onkel Ben´s“. Schon beim Betreten wurde ich allerliebst empfangen und sofort liebevoll umsorgt. Ich liebe diese authentische, symphytische Herzlichkeit – nicht aufgesetzt und gezwungen – du spürst sofort die Leidenschaft, die dahinter steckt. Und es ist so gemütlich! Ob auf der Terrasse direkt am Rathaus oder im Innenbereich oder hinten auf dem Hof. Die Liebe zum Detail siehst und erkennst du sofort! Und das Essen ist grandios! Aber davon überzeugst du dich am besten selbst!

Stadthafen Wolgast

Vom Marktpatz aus mache ich mich auf dem Weg zum kleinen Stadthafen von Wolgast. Er verbreitet sofort ein eindrucksvolles maritimes Flair, idyllisch, gepflegt und einfach nur wunderschön anzusehen. Der Stadthafen Wolgast ist im Übrigen auch der Abfahrtsort für die klassischen Hafenrundfahrten, Schiffsfahrten auf dem Achterwasser oder dem Peene-Strom. Hier liegen auch die Freizeitkapitäne mit ihren Hausbooten und Segelyachten. Rings herum findest du auch ein paar Restaurants, wie zum Beispiel den Speicher und auch kleine Cafés sowie Fischrestaurants. Es ist an der Zeit, mich auch mal wieder mehr in Wolgast zu bewegen, zu erkunden und zu vor allem all die Köstlichkeiten zu genießen. Und? Habe ich auch dir nun einen Anreiz geben können, Wolgast in seiner ganzen Pracht entdecken zu wollen? Ich denke schon. Und eine Attraktion darfst du in keinem Fall verpassen:

Der Familientierpark Wolgast

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich diesen Tierpark das letzte Mal besucht habe. Wahrscheinlich im Kindheitsalter. Erst 1960 entstand durch den unermüdlichen Einsatz der Wolgaster Bürger der Wolgaster Tierpark aus einem natürlichen Waldstück heraus. Der Tierpark hat durchaus Parkcharakter. Er ist von Bäumen umrahmt und in einer einzigartigen Ruhe kannst du die Tiere und all die Pflanzen bewundern. Die Haltung der Tiere erfolgt sehr naturnah, was dir als Besucher die Chance gibt, die Tiere in ihrem natürlichen Verhalten beobachten zu können. Ein absolut entspannender Spaziergang durch die Natur, zum Teil auch in begehbaren Gehegen. Ich muss sagen, dass ich begeistert bin. Eine wahre Freude für die ganze Familie.

 

 

Das bin ich: Usedoms Inselbloggerin

Mein vollständiger Name ist Marika Borowski, ich bin 37 Jahre jung und komme gebürtig vom Festland aus dem Lassaner Winkel. Vom Lassaner Hafen aus hatte ich schon immer freie Sicht auf den Lieper Winkel und auf die Halbinsel Gnitz und war somit meiner Wahlheimat Usedom schon immer sehr nahe verbunden. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie meine Eltern mit mir zum Strand nach Trassenheide oder zum Zelten auf den Gnitz gefahren sind oder wir unsere Verwandten in der Stadt Usedom besucht haben. Für mich war es immer ein tolles Ereignis, meinen Schulfreunden zu erzählen, dass ich Verwandte habe, die auf einer Insel leben. Nun lebe ich selbst bereits seit über 20 Jahren auf Usedom und darf mich schon als ein kleines Inselkind bezeichnen. Ich habe hier den Beruf zunächst zur Hotelfachfrau und anschließend zur Hotelkauffrau erlernt und diesen zu meiner Berufung gemacht. Um unseren Usedom-Besuchern viel mehr über die Insel berichten zu können, habe ich mich selbst auf Entdeckungstour begeben und halte seit gut zwei Jahren alle meine Erlebnisse und Entdeckungen auf der Insel Usedom in meinem Blog fest:

www.marikas-inselblog.de