Entspannt vor Anker gehen im Naturhafen Krummin

06.09.2021, von Karina Schulz

 

Seit zehn Jahren betreibt Frank Schmidt mit seinem Team den beschaulichen Naturhafen Krummin. Segler schätzen die idyllische Lage im Schilfgürtel, die moderne Ausstattung und den Rundum-Service. Urlauber und Insulaner lieben die entspannte Atmosphäre und die Geselligkeit auf der Hafenterrasse.

 

Herr Schmidt, als Geschäftsführer des Naturhafens Krummin haben Sie einen beneidenswert schönen Arbeitsplatz. Der Blick auf die Krumminer Wiek ist traumhaft. Nehmen Sie diese Schönheit im Alltag noch wahr?

Tatsächlich muss ich mich zwischendurch immer mal zwingen, innezuhalten und richtig hinzugucken. Neulich war ich einen Tag in Berlin, danach hatte ich den Blick wieder frei. Von den Gästen werde ich permanent darauf angesprochen. Ich versuche sowieso so oft wie möglich die Perspektive des Gastes einzunehmen.

Wie sieht für Sie ein typischer Arbeitstag während der Saison aus?

Morgens mache ich als erstes einen Rundgang am Hafen, um nach dem Rechten zu sehen. Danach geht’s ins Büro. Mittags stehen Marina-Aufgaben an, da ist mein Seglerwissen gefragt. Um 12.45 Uhr ist in Wolgast Brückenzug. Ca. anderthalb Stunden später haben wir hier Hochbetrieb. Dann laufen bis zu zehn Boote auf einmal ein. Große und kleine Boote, routinierte Skipper und unerfahrene Segler mit ihren gecharterten Booten steuern alle gleichzeitig einen Liegeplatz an. Da muss man ganz schön jonglieren, häufig übernehme ich kurzerhand selbst das Steuer. Oft ist Diplomatie und Feingefühl gefragt. Zum Beispiel, wenn ich Segler auffordern muss, ihr Boot nochmal zu verholen, weil sie mit ihrem kleinen Boot eine große Box blockieren. In der Hochsaison ist das ein richtiges Puzzle bis schließlich alles passt. Abends warte ich noch den Nachmittags-Brückenzug ab. Wenn dann alle ihren Liegeplatz gefunden haben, unterstütze ich die Kollegen in der Gastronomie. Ich fasse dann überall dort an, wo es gebraucht wird. Es ist sowieso unser Prinzip, dass wir uns alle gegenseitig unterstützen. Abends steht noch die Kassenabrechnung an. Naja, und gegen Mitternacht bin ich dann zu Hause.

Was gibt es außerhalb der Saison zu tun? Womit beschäftigen Sie sich im Winter?

Wir kümmern uns um die Hausgäste. Die Floating Houses und die Ferienwohnungen im Gutshaus sind auch im Winter belegt. Ansonsten Büro, Backoffice, Bilanz – also die typischen Geschäftsführeraufgaben. Wir planen die Veranstaltungen oder besprechen die Speisekarte. Im Winter bauen wir die Überstunden ab, die wir während der Saison angehäuft haben. 80 Prozent unseres Teams ist ganzjährig beschäftigt. Unter normalen Umständen fahre ich im Winter auf die Messen. Ganz wichtig für‘s Netzwerken sind die ITB und die boot Düsseldorf. Außerdem werden Baumaßnahmen am Hafen durchgeführt. Die Steganlagen sind aus Holz und müssen instandgehalten werden. In den vergangenen Jahren haben wir neue Sanitäranlagen oder die neue Terrasse gebaut. Dieses Jahr wollen wir einen neuen Frühstücksraum schaffen, der das Zelt ersetzen soll. Bevor die Saison wieder losgeht, geht’s für mich immer auf Segeltörn auf dem Mittelmeer. Da kennt mich in den Häfen niemand, und ich kann den Sommer schon etwas vorwegnehmen. Das ist Erholung pur.

Der Naturhafen ist einerseits ein sehr naturbelassener und ursprünglicher Ort. Andererseits bietet er mit den stylischen Floating Houses und den hochwertigen sanitären Anlagen einiges an Qualität, Komfort und erstklassigem Design. Welche Klientel möchten Sie mit dem Angebot ansprechen?

Wir laden jeden herzlich ein, der sich hier wohl fühlt. Das sind Urlauber, die Ruhe, das Bodenständige und das Naturbelassene schätzen. Auf jeden Fall wollen wir im Naturhafen Krummin kein Schickimicki. Die Preisstruktur zieht eine Klientel an, die ein hohes Maß an Qualität schätzt. Die überzeugt offenbar, denn wir haben kaum Preisdiskussionen.

Der Naturhafen Krummin ist als 4 Sterne-Marina zertifiziert. Mit welchen Kriterien hat sich der Naturhafen Krummin für das internationale Blue Star-Marina-Gütesiegel ausgezeichnet?

Die Kriterien für die Zertifizierung sind vielschichtig. Das Angebot der Liegeplätze allein reicht nicht. Ähnlich wie bei den Hotels geht es um Qualität, Service und Dienstleistung. Es werden z.B. die Infrastruktur, die Öffnungszeiten, die Erreichbarkeit des Hafenmeisters und der Service bewertet. Es ist eine große Auszeichnung, dass unsere Anstrengungen honoriert werden. Zum fünften Stern fehlte uns lediglich der Hubschrauberlandeplatz!

Auf der Hafenterrasse begegnen sich die Feriengäste der Floating Houses, Segler, Insulaner und Urlauber im Restaurant. Das ist eine interessante Mischung, die für jede Menge Gesprächsstoff sorgt?

Der Hafen hat sich tatsächlich zu einem richtig schönen Begegnungspunkt entwickelt. Es war von Anfang an klar, dass wir auch den landseitigen Tourismus berücksichtigen wollen. Jetzt sitzen hier Segler, Hausgäste und Urlauber, die mit dem Fahrrad von überall auf der Insel herkommen, beim Bier zusammen und plaudern. Auch Einheimische, die Krumminer Dorfbewohner, setzen sich dazu. Das ist ein bunt zusammen gewürfeltes Trüppchen.

Bevor Sie 2011 mit Ihrem Geschäftspartner den Naturhafen Krummin übernommen haben, haben Sie gemeinsam ein erfolgreiches IT-Unternehmen geführt. Was hat Sie an diesem Neuanfang gereizt und wie haben Sie den Hafen damals vorgefunden?

Ich war damals Mitte vierzig und hatte bereits 25 Jahre Berufserfahrung als selbständiger Unternehmer. Ich saß hauptsächlich im Büro, war ständig von Termin zu Termin im Auto unterwegs. Allmählich beschlichen mich Zweifel, ob ich das noch weitere 25 Jahre genauso weitermachen will. Spaß an der Arbeit ist für mich das Wichtigste. Unsere Firma war auf Tourismus ausgerichtet. Wir haben unsere Kunden aus der Tourismusbranche beim Marketing und Vertrieb mit IT-Lösungen unterstützt. Ich wusste also, dass ich es theoretisch beherrsche. Jetzt hatte ich Lust, meine Kenntnisse praktisch umzusetzen. Ich bin Segler und kenne die Bedürfnisse der Gäste. Ich bin seit Jahren als Unternehmer erfolgreich. Warum also nicht einen Hafen betreiben? Als der Naturhafen zum Verkauf stand, habe ich die Gelegenheit kurzerhand beim Schopfe gepackt.

Ich kannte den Hafen natürlich aus der Seglerperspektive. Mir war klar, welches Potenzial hier schlummerte. Damals war der Hafen ziemlich heruntergekommen, er war 20 Jahre lediglich verwaltet worden. Es fehlte die Investitionsbereitschaft, die Präsenz und das Herzblut eines Inhabers.

Mit Ihrem Konzept versuchen Sie, die Balance zwischen Authentizität und Tourismus zu wahren. Entsprechend spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle. Wie und in welchen Bereichen setzen Sie Nachhaltigkeit konkret um?

Die Balance zwischen Tourismus und Authentizität ist ein Drahtseilakt. Das Wichtigste sind authentische Produkte – die Küste, die Natur. Erfundene Produkte zur Bespaßung der Gäste gibt es überall. Diesen billigen Touri-Kommerz wollten wir auf keinen Fall. Deshalb vernetzen wir uns mit Anbietern, die für naturnahe und nachhaltige Erlebnisse und Produkte stehen. Im Naturhafen bekommen die Urlauber Freizeit- und Wassersportangebote wie geführte Kanutouren, Segelkurse oder Segeltörns mit dem historischen Zeesenboot. Dazu haben wir den neuen Flyer „Usedom pur“ aufgelegt, der diese Angebote bündelt. Auch in der Gastronomie legen wir großen Wert auf Nachhaltigkeit. Wir beziehen unsere Lebensmittel größtenteils von Produzenten aus der Region. Den Fisch beziehen wir vom lokalen Fischer, den Käse aus Züssow, das Wild aus Neeberg, den Tee aus Lassan, das Eis aus Kemnitz, das Bier aus Stralsund, und die Kekse lassen wir von einem Bäcker in Zinnowitz backen. Langjährige Partnerschaften mit lokalen Anbietern und Handwerksunternehmen ziehen sich wie ein roter Faden durch unser Unternehmen. Wir sind hier verwurzelt.

Der Naturhafen Krummin hat sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Welche Pläne haben Sie für die kommenden Jahre in der Pipeline?

Nach zehn Jahren Naturhafen Krummin ist es unser Ziel, weiterhin zeitgemäß zu bleiben. Wir arbeiten ständig an der Weiterentwickelung unseres Konzepts. Dabei geht es nicht um Baumaßnahmen, sondern um Regionalität, Nachhaltigkeit und die Verbesserung der Qualität. In der Küche sind wir z.B. ständig auf der Suche nach neuen Ideen, neuen regionalen Produkten. Unsere Köchin wird den Winter nutzen, um Neues auszuprobieren. Neulich hat sie mit einer Lachspraline experimentiert – die hat super geschmeckt.

Viele haben durch Corona Wassersport für sich neu entdeckt. Für manche wird das vielleicht eine Eintagsfliege sein, aber viele werden dabeibleiben. Wir werden beobachten, wie sich die Struktur der Gäste in Zukunft verändert. Ich schätze, dass wir neben den älteren gestandenen Freizeitkapitänen häufiger jüngere unerfahrene Wassersportler zu Gast haben werden. Auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse möchten wir uns optimal einstellen.

Haben Sie einen Lieblingsort auf der Insel?

Ja, ganz klar Krummin.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Karina Schulz für usedom.de am 17.08.2021.