Im Café Moritz in Koserow gibt es das beste Eis in ganz MV

03.05.2021, von Karina Schulz

Im Café Moritz gibt es das beste Eis in ganz MV

 Doreen Grambow-Knuth betreibt die beste Eisdiele in Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Café Moritz im Ostseebad Koserow landete im vergangenen Jahr beim Eisdielentest der Ostsee-Zeitung auf dem ersten Platz. Die Leidenschaft für Eis, beste Zutaten, das Familienteam, Kreativität und ganz viel Liebe sind das Geheimnis für das Erfolgsrezept.

 Frau Grambow-Knuth, von Kindesbeinen an haben Sie in Stavenhagen im Eiscafé Ihrer Eltern mitgeholfen. Ab wann wussten Sie, dass Sie Eis auch zu Ihrem Beruf machen wollen?

Zunächst wollte ich das gar nicht. Ich konnte mir eher vorstellen, eine Modeboutique aufzumachen. Ich wusste ja, wie angebunden man mit einem Eiscafé ist und wieviel Arbeit drinsteckt. Dann reizte es mich aber doch, die erfolgreiche Familientradition weiterzuführen. Eis ist eben eine Herzensangelegenheit. Also habe ich erst mal eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht. Danach konnte ich mich für drei Jahre in einem Eis-Café meiner Eltern in Gnoien als Geschäftsführerin ausprobieren. Als mein Sohn Moritz geboren wurde, hat meine Schwester das Café übernommen. 2003 wollte ich es dann wissen und ganz allein etwas Größeres auf die Beine stellen. Als sich die Chance in Koserow ergab, habe ich blind entschieden. Ich dachte nur: volle Fahrt voraus. Finanzielle Unterstützung von meinen Eltern wollte ich nicht. Es ging mir darum, mir zu beweisen, dass ich es kann. Also habe ich die Ärmel hochgekrempelt und alles allein gewuppt. Erstmal das Geschäft umbauen und als Café einrichten. Die Handwerker konnte ich davon überzeugen, dass ich sie erst am Ende der Saison bezahlen kann. Ich hatte keinerlei Rücklagen. Im Mai war die Eröffnung. Die erste Saison lief gleich super. Die Urlauber haben das Café sofort gut angenommen. Die Einheimischen waren zunächst etwas zögerlich. Im ersten Winter habe ich dann das erste Mal gedacht, was machst Du hier eigentlich? Aber von Jahr zu Jahr lief es besser. Ich habe mir das Eisgeschäft zu eigen gemacht und alles im Café Moritz nach meinen eigenen Vorstellungen gestaltet. Manches habe ich etwas moderner aufgezogen als ich es von meinen Eltern kannte.

Beim OZ-Eisdielentest in Mecklenburg-Vorpommern haben Sie den ersten Platz gewonnen. Beste Eisdiele im ganzen Land - das ist eine tolle Auszeichnung. Was ist Ihr Rezept für diesen Erfolg?

An erster Stelle steht ganz klar das Eis. Das habe ich meinem Vater zu verdanken, der es mit unheimlich viel Kreativität und ganz viel Liebe zubereitet. Außerdem schätzen die Kunden die Qualität. Da machen wir keine Kompromisse. Egal, wie voll es im Café ist: Alles muss perfekt sein, jeder Eisbecher soll wie gemalt aussehen. Dann ist es sicherlich unsere Art, wie wir mit den Menschen umgehen. Jeder Gast ist mir wichtig, und wir haben für jeden Wunsch ein Ohr. Mit unseren Kunden sind wir fast zu einer großen Familie zusammengewachsen. Dadurch macht es uns richtig Spaß. Wir haben so viele Stammgäste, auch unter den Urlaubern. Die kommen täglich zu uns und verabschieden sich, wenn sie nach zwei Wochen wieder abreisen. Zu Weihnachten und Ostern bekommen wir immer ganz viel Post - liebe Karten und kleine Geschenke.

Café Moritz ist ein Familienbetrieb. Sie schmeißen den Laden gemeinsam mit Ihren Eltern und Ihrem Mann. Wie teilen Sie sich Aufgaben auf?

Mein Vater macht das Eis, meine Mutter backt die Torten, mein Mann ist für die Eisbecher zuständig und ich bin die Kellnerin (lacht). Es ist schon ungewöhnlich, dass wir als Familie so gut zusammen funktionieren. Alle sind dabei, alle machen mit. Dass wir so ein eingespieltes Team sind, spüren die Gäste natürlich. Erstaunlich – obwohl wir 24 Stunden zusammen sind, gehen wir uns nicht auf die Nerven. Wir sind schon eine Top-Familie.

Welche Eissorten gibt es nur im Café Moritz? Welche Tortenkreationen sind bei den Gästen die beliebtesten?

Alle Sorten werden auf Milchbasis zubereitet, auch das Fruchteis. Das unterscheidet uns von italienischen Eisdielen. Inzwischen bieten wir auch zwei bis drei vegane Sorten an, der Trend wird ja immer größer. Das vegane Schokoladeneis ist der absolute Renner – das habe ich mal aus Spaß entwickelt. Dafür verwenden wir kostbare Zutaten wie extremdunkle Schokolade. Auch das Joghurteis ist der Knaller. Es hat kaum Kalorien, ist komplett ohne Zucker und schmeckt super. Davon kann man so viel essen wie man will ohne dick zu werden. Auch Sanddorneis ist bei den Kunden seit Jahren sehr beliebt. Wir haben immer 32 Sorten gleichzeitig im Angebot. Jedes Jahr entwickeln wir drei bis vier neue Sorten und gucken, wie sie laufen. Manche verschwinden nach einer Saison wieder, andere werden zu Dauerbrennern. Vanille, Erdbeere und Schokolade könnten wir meinetwegen streichen – langweilig, das gibt es überall. Da fällt mir Interessanteres ein.
Bei den Torten ist Sanddorn-Torte seit 17 Jahren der absolute Favorit bei den Gästen. Bei den Torten orientieren wir uns an den Jahreszeiten. Im Sommer bieten wir eher die fruchtigen Varianten an, im Winter kommen verstärkt Nougat, Marzipan und Eierlikör zum Einsatz.

Essen Sie selbst noch gerne Eis? Welche ist Ihre Lieblingssorte?

Ja, täglich! Wir alle! Alle Sorten! Das ist mir nie über geworden. Eine Lieblingssorte gibt es nicht. Ich esse alle gerne.

Sie haben das ganze Jahr über geöffnet. Heißt das, dass auch viele Insulaner zu Ihren Fans gehören?

Inzwischen konnten wir die Insulaner überzeugen. Anfangs haben sie sich das Ganze erstmal angeguckt und waren ein wenig skeptisch. Aber das ist schon lange her. Die Leute kommen von der ganzen Insel zu uns, sogar aus Greifswald oder Anklam und Umgebung. Urlauber sind inzwischen das ganze Jahr über hier. Das hat sich seit 2004 grundlegend verändert. In den Anfangsjahren kam es schon manchmal vor, dass die Tage im Winter mühsam waren. Inzwischen ist auf der Insel auch im Winter etwas los, vor allem in den Herbst und Frühjahrsferien. Inzwischen kann ich das Personal den ganzen Winter beschäftigen – wenn nicht gerade Corona ist.

Viele haben die Corona bedingte Pause kreativ genutzt. Haben Sie auch neue Ideen für das Café entwickelt?

Seit neuesten bieten wir Bubble Waffeln mit Eis in allen möglichen Variationen an. Die Idee hatte meine Tochter, die diesen Hype auf Facebook und Instagram gesehen hatte. Wir haben sofort ein Blasenwaffeleisen bestellt und angefangen, in unserer Küche zu experimentieren. Das hat gleich super funktioniert und macht riesigen Spaß. Die Kunden können sich aussuchen, was sie alles außer Eis auf die Waffel haben wollen. Vor allem die Kinder lieben es, sich die tollsten Kreationen zusammenzustellen. Mit Früchten, Schokoriegeln, Smarties, Marshmallows … Da sind keine Grenzen gesetzt.
Dann gab es noch eine Idee, wie wir die Zeit des Lockdowns überbrücken können. Diesen Geistesblitz hatte ich. Wir haben einem mobilen Eisverkaufswagen, den wir manchmal auf Hafentagen, Kinderfesten oder Trödelmärkten in der Region eingesetzt haben. Den haben wir jetzt vor unserem Haus auf der Koserower Hauptstraße aufgestellt und bieten die Bubble-Waffeln an. Das ist wie eine Bombe eingeschlagen. Die Leute sind so dankbar über das Angebot, dass sich immer wieder lange Schlangen bilden. Ich freue mich auch, dass ich endlich wieder in Aktion sein kann. Der Lockdown war eine totale Umstellung – ich habe in meinem Leben immer gearbeitet, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Ich liebe es, morgens aufzuwachen und zu wissen: jetzt muss ich loslegen.

Sie haben die viele freie Zeit für ausgiebige Fahrradtouren und Wanderungen genutzt. Welche Ecken auf Usedom haben Sie neu entdeckt?

Tatsächlich habe ich während des ersten Lockdowns im letzten Frühjahr festgestellt, wie wenig ich von der Insel wirklich kenne. Im Sommer bin ich normalerweise eingespannt, und im Winter mache ich es mir eher zu Hause gemütlich. Da hat uns unser Sohn ein bisschen auf die Sprünge geholfen. Er ist ein richtiges Inselkind und hat uns seine Lieblingsecken gezeigt. Wir haben uns dann ein schönes Picknick eingepackt und sind alle zusammen losgeradelt. Der Gnitz und das Loddiner Höft haben mir sehr gut gefallen. Ein anderes Mal haben wir eine große Runde von Pudagla, über Benz bis nach Bansin gedreht. Auch die Ecke Mölschow, Ziemitz, Neeberg kannte ich überhaupt nicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Karina Schulz für usedom.de am 20.04.2021.