Donnerstag, 29 Juli 2021 09:25

Freizeitangebote auf Usedom

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Es ist Sommer, die Sonne scheint – das perfekte Strandwetter! Tatsächlich gehe ich in den Sommermonaten nur sehr selten an den Strand, da es mich eher in das ruhige Hinterland zieht. Denn Usedom hat neben einem ultimativen Strandtag noch viel mehr Freizeitaktivitäten zu bieten.

 

Starten wir auf dem Wasser.

 

Abendtörn mit dem Segelschoner 

Auf dem Wasser an Bord der Weißen Düne! Das bedeutet Romantik pur unter Segeln auf den Gewässern Usedoms. Ich entschied mich für den Abendtörn. Einfach Einsteigen und aus dem Alltag aussteigen. Hier genießt du die einmalige Landschaft der Insel bis zur Abenddämmerung von der Wasserseite aus! Die Kapitänin Jane Bothe sowie ihr Mann Detlef begrüßen dich ganz herzlich an Bord. Seit 2011 führen Sie gemeinsam den Betrieb und haben ihren gemeinsamen Traum verwirklicht, auf den Gewässern Vorpommerns zu segeln. Ihre Liebe zur segelnden Binnenschifffahrt ist schon viele Jahre ihr Antrieb für immer wieder neue Lebensabenteuer. Und das spürst du sofort! Mit einem Willkommensdrink stechen wir auch schon in See. Beim Segelsetzen darfst du die Crew auch gerne unterstützen. Ich kam mir vor, wie in einer großen Familie - eine ganz tolle Crew, die immer zusammenhält. Es macht wahnsinnig viel Spaß. Während des Segelns kommen Jane und Detlef auf dich zu und erklären dir alles rund um die 100-jährige Geschichte der Weißen Düne sowie über die Karten- und Knotenkunde. Natürlich nur, wenn du Lust hast! Du kannst auch einfach den Alltag hinter dir lassen und das pure Segelvergnügen entspannt genießen. Auf der Tour wirst du selbstverständlich auch verpflegt. Du hast die Wahl zwischen liebevoll angerichteten Platten, entweder mit Räucherfisch, Wurst und Käse oder einer vegetarischen Platte. Ich entschied mich selbstverständlich für die Räucherfischplatte! Auch heiße und kalte Getränke kannst du an Bord erwerben. Der Törn dauert etwa drei bis vier Stunden, und die Zeit vergeht viel zu schnell. Nach dem Anlegen willst du eigentlich gleich wieder in See stechen...

Bleiben wir auf dem Wasser…

Kanutour in den Sonnenuntergang 

Schon allein die Überschrift klingt einfach nur romantisch, oder? Aber du musst auch was dafür tun! Das Abenteuer Wasser beginnt mit einer ausführlichen Einweisung ins Paddeln vom Kanuten Thomas Heller persönlich. In Sichtweite des Naturhafen Krummin paddeln wir mit den Kanus und mit sicherem Abstand zum Schilfgürtel los. Mit Ferngläsern beobachten wir die Vogelvielfalt, die in der Krumminer Wiek beheimatet ist. Thomas erklärt uns einiges zur Flora und Fauna über, auf und unter dem Wasser. Wieder ein sehr lehrreicher Tag für mich. Während die tiefliegenden Sonnenstrahlen bereits durch die Wolken und die Schilfkante blinzeln, paddeln wir einmal auf die andere Seite des Naturhafens in Richtung Neuendorf. An diesem Abend ist es ziemlich lau. Es weht kein Lüftchen und das Achterwasser ist spiegelglatt. Perfekte Bedingungen für eine entspannte Kanutour. Die Sonne ließ anfangs tatsächlich auf sich warten und versteckte sich hinter den Wolken, aber dann hat sie uns doch noch mit einem spektakulären Farbenspiel fast den Atem geraubt. Wahnsinn! So eine Tour kann ich dir absolut empfehlen. Den Abend ließen wir bei einem Gläschen Wein am Naturhafen ausklingen.

Thomas bietet zudem geführte Fahrradtouren an. Wenn du aber lieber selbst mit dem Rad unterwegs bist und noch einen fachkundigen Fahrradverleih suchst, dann habe ich eine weitere tolle Empfehlung für dich:

Große Auswahl beim Fahrradverleih

Von der 3-7-Gang-Schaltung, auch gefedert, über Mountainbike, Cross- oder Trekkingbike, Tandem, Elektrorad bin hin zu Kinderrädern – du hast die Wahl! Und die ist manchmal gar nicht so leicht, oder? Warum empfehle ich dir den Fahrradverleih Kruggel? Weil ich mir dort schon oft ein Rad ausgeliehen habe! Du wirst sehr freundlich und kompetent beraten, sodass ich mir nun sogar vom Fahrradverleih Kruggel ein eigenes E-Bike zugelegt habe. Ein paar Fahrradrouten habe ich bereits für dich erkundet.

Weitere besondere Freizeitangebote

Zahlreiche dieser Freizeitangebote kannst du auch schnell und bequem online buchen. Die Auswahl ist groß. Alle Angebote konnte ich noch nicht ausprobieren, aber ein paar Angebote reizen mich schon noch.

Zum Beispiel bin ich seit einigen Wochen frisch gebackene Hundemama und muss meinen kleinen Fritz auf solche Touren erstmal vorbereiten. Auch Hundebesitzer können sich über die buchbaren Freizeitangebote gern bei der Zughundeschule-NORD anmelden.

Wenn ihre eure Urlaubserinnerungen mit perfekten Fotos festhalten möchtet, dann könnt ihr auf dem Portal auch Fotokurse online buchen.

Und für neue Blickwinkel sorgt außerdem eine Usedom-Safari. Da kannst du Natur, Geschichte und Gegenwart auf Usedom einmal ganz anders erleben. Da ich in Lassan aufgewachsen bin, interessiert mich die Lassaner-Winkel-Tour mit dem Unternehmen Natur auch sehr. Die meisten Urlauber zieht es oft an die Küsten der Ostsee, aber hinter der Insel Usedom gibt es auch einen Lebensraum voller zauberhafter Seen, einzigartiger Naturreservate und imposanter Zeugnisse vergangener Epochen zu erkunden. Und auch wenn ich im Lassaner Winkel groß geworden bin, wird es auch für mich wieder einiges Neues zu entdecken und zu Lernen geben.

 

All diese tollen Freizeitangebote findest du hier!

 

Übrigens: Bisher habe ich echt geglaubt, ich kenne schon viele Ecken von Usedom. Aber als ich bereits vor einiger Zeit bei einer anderen Insel-Safari auf Usedom mitgemacht habe, war ich erstaunt, was es hier noch alles zu entdecken gibt. 

Mit dem Land Rover Defender geht es durch Wald und Wiesen, über Stock und Stein. Wenn du willst, darfst du auch auf das Dach des Land Rovers steigen und die Aussicht von oben genießen. Unterwegs zwischen dem Achterwasser, dem Stettiner Haff und dem Peenestrom gibt es Naturschätze rund um die großen Seen, wie den Gothensee und den Schmollensee zu entdecken. Die Etappen mit dem Land Rover dauern eigentlich nicht länger als 15 Minuten. Zwischendrin geht es auch zu Fuß raus in die Natur, und der Tourguide zeigt und erklärt dir die schönsten Ecken von Usedom. Eine feste Route ist nicht vorgegeben. Du kannst mitentscheiden, wohin der Weg dich führt. Meine Tour führte von Koserow aus in Richtung Loddin, mit kurzem Stopp beim Restaurant „Waterblick“, wo es den besten Blick auf das Loddiner Höft und das Achterwasser gibt. Dann durfte auch ich auf das Dach, als es über Landwege in Richtung Ückeritz zum Café Knatter ging. Dort verbrachten wir am Wasser eine Getränkepause. Die Tourguides haben nämlich immer alles an Bord: Kaffee, Tee, Wasser, Saft, Bier, Grappa und alles, was du zum Überleben brauchst. Der Weg führte mit einem kurzem Zwischenstopp und Fußmarsch durch den Wald weiter zum Gesteinsgarten und dem Forstamt Neu Pudagla. Anschließend ging es zum Gothensee und zu abseitslegenen Orten. Traumhaft schön - kann ich dir sagen - ich mag mein Usedom tatsächlich immer mehr. Nach einem sensationellen Picknick mitten in der Natur mit verschiedenen Brotsorten und Brötchen, Schinken, Salami, Käse, Kocheier, hausgemachtem Frischkäse, selbstgemachten Marmeladen und Honig vom Imker sowie Obst und Gemüse ging es gestärkt über naturreiche Umwege um den Wolgastsee herum, entlang der polnischen Grenze bis hin zum Krebssee. Denk hierbei an dein Anti-Mückenspray! Ansonsten brauchst du nämlich gar nichts weiter mitzunehmen. Der Rückweg führte über das Wasserschloss Mellenthin nach über sechs Stunden Erlebnis pur wieder zurück nach Hause.

Dieses und weitere Ausflugziele findest du im Übrigen hier!

 

Und jetzt wünsche ich dir eine tolle Zeit auf Usedom! Beim Erleben, beim Entdecken und beim Genießen! Deine Marika.


Das bin ich: Usedoms Inselbloggerin

Mein vollständiger Name ist Marika Borowski, ich bin 37 Jahre jung und komme gebürtig vom Festland aus dem Lassaner Winkel. Vom Lassaner Hafen aus hatte ich schon immer freie Sicht auf den Lieper Winkel und auf die Halbinsel Gnitz und war somit meiner Wahlheimat Usedom schon immer sehr nahe verbunden. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie meine Eltern mit mir zum Strand nach Trassenheide oder zum Zelten auf den Gnitz gefahren sind oder wir unsere Verwandten in der Stadt Usedom besucht haben. Für mich war es immer ein tolles Ereignis, meinen Schulfreunden zu erzählen, dass ich Verwandte habe, die auf einer Insel leben. Nun lebe ich selbst bereits seit über 20 Jahren auf Usedom und darf mich schon als ein kleines Inselkind bezeichnen. Ich habe hier den Beruf zunächst zur Hotelfachfrau und anschließend zur Hotelkauffrau erlernt und diesen zu meiner Berufung gemacht. Um unseren Usedom-Besuchern viel mehr über die Insel berichten zu können, habe ich mich selbst auf Entdeckungstour begeben und halte seit gut zwei Jahren alle meine Erlebnisse und Entdeckungen auf der Insel Usedom in meinem Blog fest:

www.marikas-inselblog.de

 

An Usedom fasziniert mich besonders, dass die Insel so facettenreich ist: einerseits die Ostsee und die Promenaden, an denen sich die Hotels, Restaurants und Eiscafés nur so aneinanderreihen und andererseits das idyllische Hinterland mit verträumten Dörfern und kleinen Gartencafés. Da es auch für mich noch einiges zu entdecken gibt, nehme ich dich heute mit auf meiner kleinen Reise durch das Achterland mit wunderbaren Köstlichkeiten.

 

 

Hofcafé „Tante Wally“

„Habt ihr alle kein zu Hause?“ Ich liebe diesen pommerschen Humor! Mit einem Schmunzeln im Gesicht begrüßt uns liebevoll die Familie Kestermann.
Es ist kurz vor 14 Uhr, ich warte in einer sich bereits gebildeten Schlange vor dem Hofcafé „Tante Wally“ in Neppermin. Die Türen sind noch verriegelt. Das Café öffnet Punkt 14 Uhr. Seit April 2011 existiert bereits dieses kleine romantische Hofcafé und ist mittlerweile ein beliebter Inseltipp, wenn es um kleine versteckte Gartencafés auf Usedom geht. Du siehst sofort, wieviel Zeit, Mühe und Liebe in den Aufbau von Haus, Hof und Garten gesteckt wurde. Seither wurden bereits zahlreiche Gäste mit selbstgebackenen Kuchen und Torten, leckeren Eiskreationen sowie warmen Speisen, wie zum Beispiel mit köstlichen Flammkuchen, verwöhnt. Ich suche mir ein nettes Plätzchen, bestelle mir einen Französischen Eismokka und ein Stück „Faule Weiber“. Welcher Kuchen sich hinter diesem Namen versteckt, musst du schon selbst herausfinden. Ich empfehle dir also unbedingt eine kleine Fahrradtour ins Hinterland, in Richtung Neppermin mit Zwischenstopp bei „Tante Wally“! Bei nicht ganz so gutem Wetter öffnet auch die kleine und gemütliche Kaminstube auf dem Hof. Ein wirklich sehr schnuckeliges Fleckchen Erde.

„vergiss Dein nicht“

Weiter versteckt im Hinterland befindet sich das „vergiss Dein nicht“ – das etwas andere Café, wie es sich selbst betitelt. Hier kannst du in jedem Fall zur Ruhe kommen und deine Seele baumeln lassen, dich entspannen und sehr leckeren, selbst gebackenen Kuchen oder liebevoll angerichtete warme Speisen genießen. Ich bestelle mir ein Stück Käsekuchen und einen Eiskaffee mit frisch aufgeschlagener Sahne. An diesem Tag ist es sehr heiß und ich bekomme außerdem gratis ein Glas Wasser dazu. Wie alle Gäste an diesem Tag – eine sehr nette Geste, wie ich finde. Im Café selbst kannst du außerdem tolle und ausgefallene Antiquitäten ergattern. Aktuell sind Stehlampen sehr beliebt, welche aussehen wie Puppen mit einem Schirm in der Hand. Ziemlich außergewöhnlich, wie fast alles dort. Der wundervolle Märchengarten ist sehr weitläufig und überall blüht und grünt es. Gleich nebenan befindet sich auch das Wisent-Gehege im kleinen Örtchen Dargen. Eine perfekte Kombination für einen kleinen Ausflug ins idyllische Hinterland. Wie lange es das Café in dieser Form noch geben wird, steht wohl in den Sternen. Die Inhaberin ist bereits 74 und möchte nun langsam kürzertreten, um mehr Zeit mit ihren Enkelkindern verbringen zu können. Ursula Rösener sucht also einen Nachfolger, aber eben nicht jedermann – verständlich!

Gartencafé Naschkatze 

Nun mache ich mich auf den Weg auf die ganze andere Inselseite, nach Krummin, in Richtung Wolgast. Hier wird mir mal wieder bewusst, dass Usedom gar nicht so klein ist.
Schon der Weg dorthin – in Richtung Krummin, durch eine der schönsten Lindenalleen in Mecklenburg-Vorpommern, lässt mich jedes Mal in eine andere Welt eintauchen. Hier bist du richtig gut aufgehoben, wenn du den Charme eines idyllisch am Achterwasser gelegenen Dörfchens genießen möchtest, weit weg vom stressigen Alltag und dem vielen Autoverkehr. Meine Reise führt mich in die „Naschkatze“. Das Café wirkt schon beim Betreten sehr einladend und gemütlich, als wärest du zum Kaffee und Kuchen im Garten bei Freunden eingeladen. Es wirkt alle sehr verspielt, mit viel Liebe zum Detail und überall grünt es. Du sitzt zwischen Apfel- und Birnenbäumen und wunderschönen Blumen. Einmal Platz genommen, magst du gar nicht mehr aufstehen, als würde die Zeit stehen bleiben. Gut - deinen Kaffee und Kuchen musst du dir schon selbst holen, wie aber in den meisten Gartencafés auf Usedom. Ich bestelle mir einen Tee und eine Rhabarber-Baisertorte und suche mir ein gemütliches Plätzchen im Garten. Ab und an kommen auch einheimische Gäste auf einen Kaffee und einen kurzen Schnack vorbei. Man kennt sich eben auf Usedom und ich liebe dieses Heimatgefühl. Wenn du möchtest, kannst du dir all die Pflanzen im Garten sogar erklären lassen. Für Kinder steht nostalgisches Spielzeug zur Verfügung. Und auch hier gibt es eine Schlecht-Wetter-Variante, einen überdachten und beheizten Bereich in der Naschkatze. Nach deinem Besuch dort empfehle ich dir außerdem noch ein paar Schritte weiter zum Krumminer Hafen zu laufen – einer der schönsten Naturhäfen der Insel.

Café Seelchen

Bleiben wir direkt in der Umgebung. Von Krummin aus kannst du auch super bis zum „Gnitz“ am Achterwasser entlang radeln.
Angekommen im Café Seelchen in Neuendorf, fühlst du dich auch tatsächlich sofort angekommen. Schon die Begrüßung ist so herzlich. Der Flo erklärt dir alle Kuchen und Torten ganz genau, was die Entscheidung jedoch nicht leichter macht. Ich entscheide mich dann doch, für einen köstlichen Cappuccino, welcher immer so liebevoll zubereitet wird, und für ein Stück Zitronenkuchen und suche mir ein Plätzchen im Garten. Wäre alles frei, würde ich mich wieder nicht entscheiden können. Setze ich mich in die „Kusshaltestelle“ oder in den Stall mit dem Namen „Wohnzimmer“ oder einfach in den wunderschön angelegten Hofgarten? Ich entscheide mich für ein Plätzchen am Haus und lasse den anderen Gästen den Vortritt. Alina, die Inhaberin nimmt kurz bei mir Platz und erzählt, wie kreativ sie und ihr Team in der Corona-Zwangspause waren und was sie alles noch vorhaben. Die Zinnowitzerin hat Himmelfahrt 2019 ihren Traum von einem eigenen Café umgesetzt und lockt seitdem die Inselurlauber sowie auch die Einheimischen mit immer wieder neuen Ideen und Kreationen in das kleine Dörfchen. Es wurde viel gemalt, getüftelt und gebaut. Es gibt jetzt Shirts und Hoodies im Seelchen-Stil sowie Ketten, Ringe und Armreifen. Ganz neu ist die Softeisbude! Die befand sich an diesem Tag aber noch in Bau und muss unbedingt noch von mir getestet werden. Und von dir natürlich auch! Was es in diesem Café jedoch nicht gibt: Keine Termine! Kein W-LAN! Keine Kartenzahlung! Nur Landluft und Ruhe! Jetzt entscheidest du!

Waldcafé „Tendenz“ & Haus „Waldesruh“

Hier war ich tatsächlich noch nie! Weil man es aber auch nicht wirklich gleich entdeckt. Abseits von der Flaniermeile und vom Promenadentrubel in Zinnowitz überrascht mich am Waldrand das historische Waldcafé „Tendenz“ und Haus mit dem Namen „Waldesruh“. Der Garten wirkt märchenhaft, wild und urig zugleich. Ich schlendere ganz bedacht durch den Hof und genieße die Ruhe. Du findest eine große Auswahl an erlesenen Tee- und Kaffeesorten sowie selbstgebackene Torten und Kuchen vor. Der Tee wird sogar mit einer Teeuhr an den Tisch gebracht und die Tische haben in der Tat eigene Namen, wie zum Beispiel Effi oder Auguste. Einen Teil von dieser Idylle kannst du sogar mit nach Hause nehmen. Im gut sortiertem Hofladen kannst du Kaffee, Tee, Marmeladen, Porzellan, Gewürze, Seifen, Kerzen, Stoffe und vieles mehr kaufen. Und überall duftet es so schön! Vom sonst so überlaufenden Zinnowitz keine Spur mehr. Du hörst absolut nichts, außer Bienengesumme und Vogelgezwitscher.

Manchmal brauch‘ ich das schon noch: Mich an die mit Leben gefüllte Promenade setzen, Eis essen und Leute beobachten. Aber wenn ich Ruhe suche, dann gehe ich auf jeden Fall wieder eines dieser idyllischen Gartencafés im Hinterland.


Das bin ich: Usedoms Inselbloggerin 

Mein vollständiger Name ist Marika Borowski, ich bin 37 Jahre jung und komme gebürtig vom Festland aus dem Lassaner Winkel. Vom Lassaner Hafen aus hatte ich schon immer freie Sicht auf den Lieper Winkel und auf die Halbinsel Gnitz und war somit meiner Wahlheimat Usedom schon immer sehr nahe verbunden. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie meine Eltern mit mir zum Strand nach Trassenheide oder zum Zelten auf den Gnitz gefahren sind oder wir unsere Verwandten in der Stadt Usedom besucht haben. Für mich war es immer ein tolles Ereignis, meinen Schulfreunden zu erzählen, dass ich Verwandte habe, die auf einer Insel leben. Nun lebe ich selbst bereits seit über 20 Jahren auf Usedom und darf mich schon als ein kleines Inselkind bezeichnen. Ich habe hier den Beruf zunächst zur Hotelfachfrau und anschließend zur Hotelkauffrau erlernt und diesen zu meiner Berufung gemacht. Um unseren Usedom-Besuchern viel mehr über die Insel berichten zu können, habe ich mich selbst auf Entdeckungstour begeben und halte seit gut zwei Jahren alle meine Erlebnisse und Entdeckungen auf der Insel Usedom in meinem Blog fest:

www.marikas-inselblog.de

Christina Kämmerer ist die Initiatorin der „Laufmützen Usedom“.

Mit ihrer Leidenschaft für das Laufen hat sie eine regelrechte Laufbewegung auf der Insel ins Leben gerufen. Die monatlichen Lauftreffen und große Laufevents wie der alljährliche Weihnachtsmützenlauf oder der Moon-Run stoßen auf rege Beteiligung. Jetzt erschien mit „Lauflust“ ein Wegweiser für aktive Inselentdecker, in dem langjährige Laufmützen ihre persönlichen Lieblingsstrecken verraten. Genauso wie die freiwilligen Startgelder der verschiedenen Laufevents, werden die Erlöse des Buchverkaufs zu hundert Prozent an den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst „Leuchtturm“ e.V.in Greifswald gespendet.

Frau Kämmerer, vor zwanzig Jahren haben Sie mit dem Laufen begonnen. Was hat Sie dazu bewogen? Was begeistert Sie daran?

Viele Laufmützen berichten, dass die Initialzündung durch eine Lebenskrise ausgelöst wurde. Das Gefühl etwas im Leben verändern zu wollen, war auch bei mir der Auslöser. Mein damaliger Mann und ich hatten uns nach einer Trennung wieder zusammengefunden. Wir waren beide auch vorher sportlich sehr aktiv gewesen und nun auf der Suche nach einer gemeinsamen Sportart, die keinen großen finanziellen Einsatz erfordert. 2001 haben wir ganz langsam mit dem Laufen begonnen. Erst 500 Meter, dann haben wir die Strecken langsam gesteigert. Morgens um 5 Uhr sind wir losgelaufen, weil unser Sohn dann noch schlief. So konnten wir das Laufen mit unserem Familienleben und unseren Jobs vereinbaren. Es war faszinierend, wie schnell wir Fortschritte machten und wie sich unsere Kondition spürbar verbesserte. Wir sind drangeblieben, und das macht mich stolz und glücklich.

Sie haben die Laufmützen Usedom ins Leben gerufen.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, andere für dieses Hobby zu begeistern und gemeinsame Laufevents zu organisieren?

Angefangen hat es damit, dass Rolf-Seelige Steinhoff, der Geschäftsführer der Seetelhotels, der Personal Trainer Andreas Stübs und ich mit einer Staffel beim Usedom-Marathon starten wollten. Es stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach war, genügend Mitstreiter zu finden. Nachdem wir im ersten Jahr allein den Halbmarathon gelaufen sind, haben wir die monatlichen Läufe organisiert, um für das kommende Jahr eine Staffel-Mannschaft aufzubauen. Zunächst sind wir in kleinem privatem Rahmen mit lediglich fünf Leuten gelaufen. Über die Jahre haben sich uns dann immer mehr Läufer angeschlossen. Es funktionierte nach dem Schneeballeffekt. Die Teilnehmer hatten Spaß in der sportlichen Atmosphäre, und jeder hat in seinem Umfeld neue Leute animiert und mitgebracht. Niemals hätte ich es damals für möglich gehalten, dass wir einmal, wie z.B. beim Moon-Run, mit 300 Leuten starten würden.

Seit dem 1. Weihnachtsmützenlauf 2014 kommen die Laufevents einem guten Zweck zu Gute. Die freiwilligen Startgelder und Erlöse aus Getränkeverkäufen werden an den Förderverein Kinder- und Jugendhospiz „Leuchtturm“ e.V. gespendet. Warum haben Sie diesen Verein ausgewählt?

Weihnachten ist die Insel immer sehr gut gebucht. Viele Gäste genießen hier den Jahreswechsel und die Zeit für sich und die Familie im Verwöhnprogramm. Und Weihnachten verbringen die meisten viel Zeit mit Essen. So kamen wir auf die Idee, etwas für die Bewegung anzubieten. Laufen & Gutes tun, nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. Beim ersten Weihnachtsmützenlauf am zweiten Weihnachtsfeiertag 2014 haben bereits 69 Läufer teilgenommen. Neben den Startgeldern von 5 Euro, spendeten viele Passanten spontan, so dass auf Anhieb 1000 Euro zusammengekommen sind. Laufen, Spenden und Freude bereiten: Das war so unglaublich motivierend.

Den Kinder- und Jugendhospizdienst „Leuchtturm“ e.V. in Greifswald habe ich bewusst ausgewählt. Es ist so wichtig, Familien in dieser schwierigen Situation professionell zu unterstützen. Dabei geht es nicht nur um Trauerbegleitung, sondern auch um konkrete Hilfe im Alltag und die Betreuung der Geschwister. Für sie bleibt in dieser angespannten Situation meist keine Zeit. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es kein stationäres Kinderhospiz. Da möchten wir mit den Spendengeldern helfen. Seit 2014 haben die Laufmützen knapp 82.000 Euro gesammelt – das kann ich selbst kaum glauben.

Aus diesem ersten Weihnachtsmützenlauf ist übrigens auch unser Name „Laufmützen“ entstanden. Wir konnten uns im Sommer ja schlecht weiterhin so nennen …

Bei den Läufen sollen keine Streckenrekorde aufgestellt werden, sondern Spaß und Geselligkeit im Vordergrund stehen. Kann jeder mitmachen?

Wirklich jeder. Wir wollen den Leistungsdruck durchbrechen. Jeder macht in seinem Tempo mit und kann entweder schnell oder im Schritttempo laufen, walken oder einfach spazieren gehen. Es geht vor allem darum, Menschen kennenzulernen und die wunderschöne Insel mit neuen Augen zu sehen. Die monatlichen Lauftreffen werden jedes Mal von einem anderen Gastgeber ausgerichtet, so dass sich die Start- und Zielpunkte ändern. Dadurch lernen auch die Insulaner immer wieder neue Strecken kennen.

Gibt es einen harten Kern unter den Laufmützen, der regelmäßig an den Läufen teilnimmt? Bestimmt sind inzwischen Freundschaften entstanden?

Inzwischen gehören viele Laufmützen zum harten Kern, und es sind viele enge Freundschaften entstanden. Die meisten kannten sich vorher gar nicht. Uns verbindet die Passion des Laufens, dadurch kommen Menschen mit den unterschiedlichsten Berufen zusammen. Das ist unglaublich inspirierend. Außerdem können wir uns so gegenseitig gut unterstützen. Das Tolle ist auch, dass der soziale Status gar keine Rolle spielt, wenn man gemeinsam läuft. Man begegnet sich auf Augenhöhe, egal ob Hoteldirektor oder Hartz-IV-Empfänger.

Ihr neuestes Projekt ist das Buch „Lauflust“, das Mitte Mai im Verlag Edition Braus Berlin erscheinen ist.
Was erwartet den Leser? An wen richtet sich das Buch?

„Lauflust“ gibt persönliche Empfehlungen von begeisterten Laufmützen an alle, die aktiv sein wollen. Ganz gleich, ob Joggen, Radeln, Wandern oder Spazierengehen. Hinter jeder Strecke steht ein anderes Gesicht der Insel. Wir haben aus dem Projekt fast einen richtigen Reiseführer gemacht, denn die Sehenswürdigkeiten auf allen Strecken werden ausführlich beschrieben und bebildert. Das Buch ist übrigens auch ein Charity-Projekt. Für unsere Texte und die Fotos des Inselfotografen Matthias Gründling nehmen wir keine Honorare. Die Erlöse aus dem Verkauf gehen eins zu eins an den Förderverein Kinder- und Jugendhospiz „Leuchtturm“ e.V.

Herzogenrunde – Dünenschleife – Steilküstentrail – Mühlenromantik: Sie sind für die Recherche für das Buch „Lauflust“ alle 16 Strecken abgelaufen. Welche Route gefällt Ihnen am besten? Gibt es einen persönlichen Lieblingslauf?

Eine Lieblingsroute habe ich gar nicht. Bei der Recherche habe ich aber ein paar neue Strecken entdeckt, die mich total begeistern. Zum Beispiel sehe ich Wolgast mit völlig neuen Augen, seitdem ich mich mit der Route näher beschäftigt habe. Die jahrhundertealte Geschichte als Herzogsitz, die mittelalterliche Altstadt, die Peenewerft und die schöne Lage am Peenestrom machen die Strecke sehr reizvoll. Auch den Pilgerweg durch Wolgast, den Herzog Wartislaw IX. nach einer Jerusalemreise im 15. Jahrhundert dem Kreuzweg nachempfinden ließ, finde ich spannend. Oder die Strecke im Lassaner Winkel, die teilweise auf dem Jakobsweg Via Baltica liegt: Die kleine Stadt Lassan, das Künstlerdorf am Pulower See und die mit Mirabellenbäumen gesäumte Straße von Pulow nach Lassan sind zauberhaft.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Karina Schulz für usedom.de am 15.04.2021.

 

Mittwoch, 09 Juni 2021 09:41

Mit Sicherheit Usedom

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Mit Sicherheit Usedom!

Gut sieben Monate saßen wir auf unserer Insel fest – ohne Gäste, ohne Tourismus, ohne Perspektive. Eine harte Zeit, die sowohl den Betrieben wie auch ihren Mitarbeitern viel abverlangte. Damit meine ich nicht nur die direkt im Tourismus tägigen Unternehmen, sondern auch die vielen kleinen Betriebe wie Restaurants, Cafés, Bäckereien, Gärtnereien und viele, viele mehr, die auch indirekt mit dem Tourismus auf der Insel verbunden sind.

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, dass wir endlich wieder Gäste auf der Insel willkommen heißen dürfen! Seit dem 28.05.21 ist der Tourismus innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern für einheimische Gäste sowie dem 04.06.21 für Gäste aus allen anderen Bundesländern erlaubt. Ab dem 11.06.21 dann auch der gesamte Tagestourismus.

Hohe Sicherheits- und Hygienekonzepte zum Schutz von Gästen, Einwohnern und Mitarbeitern stehen dabei an oberster Stelle.

Hygiene- und Sicherheitskonzepte auf Usedom

Da ich selbst in einem familiengeführten Hotelunternehmen als Sales Managerin arbeite, möchte ich heute ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Ich treffe mich mit meiner Kollegin Ann-Kathrin Günther vor unserem Meeressterne-Büro beim Forsthaus Damerow. Ein Wiedersehen nach langer Zeit, denn wir arbeiten seit November letzten Jahres beide im Home-Office. Anni ist Marketing Managerin der Meeressterne GmbH und hat den Geschäftsführer Dr. Sven-Olaf Gerdt bei der Ausarbeitung des Hygiene- und Sicherheitskonzepts für alle Meeressterne-Häuser unterstützt. Seitdem mit Beginn des ersten Lockdowns abzusehen war, dass das Coronavirus nicht spurlos an uns allen vorbeigehen wird, haben sie sich Gedanken über die Ausarbeitung eines Konzeptes gemacht und über einige Wochen viel Arbeit und Mühe investiert. Dabei legten sie immer den Fokus darauf, auf alle denkbaren Szenarien reagieren zu können und immer so vorbereitet zu sein, dass einer schnellen Öffnung der Meeressterne-Häuser nichts mehr im Wege stünde, sobald dies eben möglich werden würde. Dabei spielten die guten Kontakte zu Wissenschaftlern und der bundesweiten Tourismusbranche eine sehr wichtige Rolle. Beide haben bei der Ausarbeitung des Konzeptes immer probiert, vom Kleinen ins Große zu blicken – wie ist der Status Quo in jedem einzelnen Bereich und jeder Abteilung, in jedem einzelnen Haus. Dabei spielte auch immer die menschliche Sichtweise eine große Rolle, unseren Gästen und auch den Mitarbeitern und Kollegen gegenüber. Anhand dessen wurden ein Leitfaden und ein Konzept erarbeitet und immer wieder neu überarbeitet, da gefühlt täglich Änderungen und neue Verordnungen hinzukamen.

Wir waren und sind in jedem Fall vorbereitet: Alle öffentlichen Bereiche sind mit Plexiglasscheiben, Abstandshaltern, Desinfektionsspendern und einem Lüftungskonzept ausgestattet. Diese Vorbereitungen führten dazu, dass wir zu keinem Zeitpunkt durch Bestell- und Lieferschwierigkeiten zurückgeworfen wurden. In jedem einzelnen Bereich stand das Konzept, so auch in den Restaurants und im Wellnessbereich. Hier gab es leider auch negative Resonanz. Durch die Maskenpflicht, die langen Wartezeiten sowie die Terminvergabe und Vorreservierungen fühlten sich einige Gäste in ihrer Flexibilität stark eingeschränkt. Wir haben täglich über Alternativen nachgedacht, um unseren Gästen einen angenehmen Aufenthalt gestalten zu können. Das Fazit lautet jedoch heute noch: Alle müssen sich an die Regeln halten! Das hört sich sehr strikt und ernst an – ist es auch. Durch das Nichteinhalten der Regeln werden andere gefährdet. Niemand möchte jemandem zu nahetreten oder zurechtweisen müssen – ganz im Gegenteil. Wir alle wollen und müssen unter diesen Bedingungen unser Bestes geben, um unseren Gästen einen einzigartig schönen und sicheren Urlaub zu bieten. Dies sollte uns stets und ständig bewusst sein, auch dann, wenn nicht immer alles sofort rund läuft. Eine weitere Schwierigkeit bestand auch darin, dass das Konzept für alle Mitarbeiter verständlich geschrieben werden musste. Die vielen Verordnungen sind kompliziert und teilweise verwirrend. Unser Konzept hat sich auch sehr positiv auf einige Bereiche ausgewirkt. Insbesondere, was die Nachhaltigkeit betrifft. Da der Wellnessbereich zum Beispiel nur nach Terminvergabe genutzt werden kann, wurde dadurch der Handtuchverbrauch stark reduziert. Es wurden über neue Putz- und Desinfektionsmittel nachgedacht und auch dort ausprobiert, bis ein nachhaltiges und sicheres Produkt gesiegt hat. Auch die Zimmerreinigung in den Hotels wird nicht mehr täglich während des Aufenthaltes, sondern nur auf Wunsch des Gastes durchgeführt. In den kleinen Häusern werden wir auch „nach Corona“ den Teller-Frühstücks-Service beibehalten. Hierbei steht auch immer die Qualitätskontrolle im Vordergrund. Das Konzept bleibt grundsätzlich bestehen. Olaf und Anni werden sich zusammen mit den Hoteldirektorinnen weiterhin Gedanken machen, wie man dies noch einfacher für den Gast und auch für den Mitarbeiter umsetzen und gestalten kann.

Corona-Testzentren auf Usedom

In diesem Jahr kommt neu hinzu:

Anreisen dürfen Personen, die über einen tagesaktuellen negativen COVID-19-Test (max. 24 Stunden alt) verfügen oder vollständig geimpft sind (die zweite Impfung muss mindestens 2 Wochen zurückliegen, Nachweis: Impfpass) oder genesen sind (Covid-Erkrankung muss mindestens vier Wochen und längstens sechs Monate zurückliegen, Nachweis: schriftlicher Genesenennachweis).

Aber das soll dich überhaupt nicht am Urlaub hindern. Für mich ist das regelmäßige Testen tatsächlich schon zur Routine geworden, denn nicht nur du als Gast, sondern auch wir als Arbeitnehmer lassen uns regelmäßig testen. Die SEETELHOTELS haben in diesem Zuge auf Usedom bereits seit letztem Oktober das erste private Corona-Testzentrum initiiert und in Zusammenarbeit mit der Firma CENTOGENE aus Rostock in Bansin eröffnet. Hier kann sich jeder freiwillig auf das Coronavirus testen lassen – sei es mit einem PCR-Test und auch mit einem Antigen-Schnelltest. Auch an der polnischen Grenze hat ein weiteres Testzentrum eröffnet, um hier den Grenzverkehr besser regeln zu können. Darüber hinaus sind Antigen-Selbsttests unter Aufsicht möglich. Das Best Western Hotel Hanse Kogge in Koserow bietet bereits seit dem zweiten Lockdown diese Antigen-Schnelltests an. Hier hatten die Menschen schon vor Weihnachten die Möglichkeit, sich testen zu lassen, um mit einem sicheren Gefühl ihre Familien besuchen zu können. Ich mache mich auf den Weg dorthin, um mehr darüber zu erfahren. Ich frage nach, wie überhaupt die Idee entstanden ist, ein Schnelltestzentrum in kurzer Zeit auf die Beine zu stellen. Angefangen hatte es tatsächlich damit, dass die Mitarbeiter und Kollegen von der polnischen Seite der Insel Usedom für das Überqueren der Grenze einen Corona-Negativtest benötigen. Also sorgten auch die Inhaber des Hotels, Familie Raffelt, vor und entschied sich für ein eigenes Testzentrum. Aktuell werden hier Testungen an Berufspendler und auch Personen, die zum Beispiel ihre Familienmitglieder in Pflegeheimen besuchen möchten, durchgeführt.

Mit vereinten Kräften haben die touristischen Verbände, Kommunen und Ämter der Insel Usedom die letzten Wochen genutzt, den langersehnten Saisonstart vorzubereiten. Zahlreiche über die ganze Insel verteilte Testzentren ermöglichen, dass ihr euch in allen Seebädern und weiteren Orten auf der Insel ohne größere Wartezeiten testen lassen könnt. Bereits auf den Zufahrten B110 in Mellenthin und B111 in Hohendorf bei Wolgast stehen Drive-In-Testzentren zur Verfügung. Auch hier könnt ihr euch noch einen aktuellen Negativtest besorgen, der für das Einchecken in der Unterkunft nötig ist.

Alle Testzentren im Überblick findet ihr auf der Seite des Tourismusverbandes Insel Usedom e.V.

In einigen Testzentren ist eine Online-Anmeldung notwendig unter www.testzentrum-usedom.de Auf dem Online-Portal wählst du zunächst deinen Termin und buchst diesen verbindlich – anschließend erhältst du eine Bestätigung per E-Mail mit integriertem QR Code, welcher als Authentifizierung innerhalb von 1 Sekunde alle Formalien vor Ort erledigt, sodass der reine Test in wenigen Sekunden vor Ort abläuft. Das Ergebnis wird im Anschluss nach ca. 15-20 Minuten ebenfalls per Mail übersandt. Bei einem positiven Ergebnis besteht natürlich die Meldepflicht beim Gesundheitsamt sowie eine umgehende häusliche Quarantäne und ein weiterer PCR-Test.

Weitere Informationen findest du außerdem auf der Seite: www.usedom.de/corona

Mehr Sicherheit im Urlaubsland

Mein Ergebnis war im Übrigen negativ. Sorgenfrei mache ich mich also auf den Weg zur Kurverwaltung Koserow. Hier erzählt mir Kurdirektorin Nadine Riethdorf, dass auch die Kurverwaltungen auf Usedom bereits nach dem ersten Lockdown Vermieterschulungen veranstalten und sehr detaillierte Handouts für die privaten Ferienanbieter erarbeitet haben. Diese beinhalten die aktuelle Landesverordnung, Hygiene- und Sicherheitsstandards, Online-Ausstellung von Kurkarten, Tipps im Umgang mit der Kurtaxe sowie den zusätzlichen Service in den Kurverwaltungen. Die Kurverwaltung Koserow führte außerdem als erste kommunale Einrichtung auf Usedom die Basis-Variante des TMV-Siegels „Mehr Sicherheit im Urlaubsland“ ein. Dies garantiert, dass die Schutzstandards sowie die aktuelle gesetzliche Verordnung umgesetzt werden und der Pandemie- und Notfallplan vorhanden ist. Frau Riethdorf erklärt mir, wie sich eigentlich fast jeder Betrieb auf der Seite: https://mv-gegen-corona.de für diese Siegel anmelden kann. Es ist tatsächlich ganz simpel und mittlerweile gibt es in MV rund 750 teilnehmende Betriebe, davon aktuell rund 70 auf Usedom. Auf einer Karte kannst du erkennen, welche Unternehmen bereits teilnehmen. Nadine Riethdorf ist darüber hinaus auch Vorsitzende des Tourismusverbandes Insel Usedom und hat dementsprechend auch noch ein Rundschreiben entworfen, um weitere Unternehmen auf Usedom für diese Sicherheitssiegel begeistern zu können. Für das Basissiegel kann sich so gut wie jedes Unternehmen anmelden, da diese Sicherheits- und Schutzmaßnahmen bereits seit den Öffnungen nach dem ersten Lockdown jeder vorweisen muss. Darüber hinaus kann jeder frei wählen, ob er sogar die Bedingungen für ein Basissiegel + oder ++ erfüllen kann. Diese Siegel bieten ein zusätzliches Sicherheitsgefühl, nicht nur für unsere Gäste, sondern auch für die Mitarbeiter und Inselbewohner, welche nicht im Tourismus arbeiten.

Frau Riethdorf wies auch auf die Luca-App hin. Diese App hilft in der Kontaktnachverfolgung und entbehrt die ganze Zettelwirtschaft. Mecklenburg-Vorpommern führte die Luca-App als gesamtes Bundesland ein. Im Einzelhandel können wir wieder ohne Terminvergabe und Testungen shoppen gehen. Dies habe natürlich schon ausprobiert. Im Kaufhaus Stolz in Koserow zum Beispiel gibt es ein Ampelsystem. Rot bedeutet: Bitte kurz warten! Gelb bedeutet: Nur noch wenige Plätze frei! Und grün bedeutet: Bitte einzeln eintreten! Die Maskenpflicht bleibt natürlich bestehen, dafür kannst du dich aber ganz bequem mit der bereits erwähnten Luca-App einchecken, wo du dich eben nur einmal registrieren musst.

In den Lebensmittelgeschäften werden weiterhin die bekannten Regeln gelten: Kein Zutritt ohne Einkaufswagen! Auch dann nicht, wenn du nur schnell eine Flasche Wasser kaufen möchtest. Nur so kann gewährleistet werden, dass sich nicht zu viele Kunden gleichzeitig in den Geschäften aufhalten. Im Edeka (Beispiel Ückeritz) kannst du mittlerweile deinen Einkauf selbst einscannen und kontaktlos bezahlen. An den Eingängen stehen überall Desinfektionsspender bereit und auch die Einkaufswagen werden regelmäßig desinfiziert. Wahrscheinlich werden wieder lange Warteschlangen entstehen. Aber wenn wir trotz dessen wieder gemeinsame Strandspaziergänge machen können, ist es doch nur noch halb so schlimm, oder? Daher hoffe ich sehr, dass ich dir trotz der ganzen Regularien, dennoch ein Gefühl von Sicherheit vermitteln und dir damit Vorfreude auf deine nächste Usedomreise bereiten konnte. Mein Name ist Marika und ich bin für das Jahr 2021 deine Inselbloggerin von Usedom.

 

Das bin ich: Usedoms Inselbloggerin

Mein vollständiger Name ist Marika Borowski, ich bin 37 Jahre jung und komme gebürtig vom Festland aus dem Lassaner Winkel. Vom Lassaner Hafen aus hatte ich schon immer freie Sicht auf den Lieper Winkel und auf die Halbinsel Gnitz und war somit meiner Wahlheimat Usedom schon immer sehr nahe verbunden. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie meine Eltern mit mir zum Strand nach Trassenheide oder zum Zelten auf den Gnitz gefahren sind oder wir unsere Verwandten in der Stadt Usedom besucht haben. Für mich war es immer ein tolles Ereignis, meinen Schulfreunden zu erzählen, dass ich Verwandte habe, die auf einer Insel leben. Nun lebe ich selbst bereits seit über 20 Jahren auf Usedom und darf mich schon als ein kleines Inselkind bezeichnen. Ich habe hier den Beruf zunächst zur Hotelfachfrau und anschließend zur Hotelkauffrau erlernt und diesen zu meiner Berufung gemacht. Um unseren Usedom-Besuchern viel mehr über die Insel berichten zu können, habe ich mich selbst auf Entdeckungstour begeben und halte seit gut zwei Jahren alle meine Erlebnisse und Entdeckungen auf der Insel Usedom in meinem Blog fest:

www.marikas-inselblog.de

Im Café Moritz gibt es das beste Eis in ganz MV

 Doreen Grambow-Knuth betreibt die beste Eisdiele in Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Café Moritz im Ostseebad Koserow landete im vergangenen Jahr beim Eisdielentest der Ostsee-Zeitung auf dem ersten Platz. Die Leidenschaft für Eis, beste Zutaten, das Familienteam, Kreativität und ganz viel Liebe sind das Geheimnis für das Erfolgsrezept.

 Frau Grambow-Knuth, von Kindesbeinen an haben Sie in Stavenhagen im Eiscafé Ihrer Eltern mitgeholfen. Ab wann wussten Sie, dass Sie Eis auch zu Ihrem Beruf machen wollen?

Zunächst wollte ich das gar nicht. Ich konnte mir eher vorstellen, eine Modeboutique aufzumachen. Ich wusste ja, wie angebunden man mit einem Eiscafé ist und wieviel Arbeit drinsteckt. Dann reizte es mich aber doch, die erfolgreiche Familientradition weiterzuführen. Eis ist eben eine Herzensangelegenheit. Also habe ich erst mal eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht. Danach konnte ich mich für drei Jahre in einem Eis-Café meiner Eltern in Gnoien als Geschäftsführerin ausprobieren. Als mein Sohn Moritz geboren wurde, hat meine Schwester das Café übernommen. 2003 wollte ich es dann wissen und ganz allein etwas Größeres auf die Beine stellen. Als sich die Chance in Koserow ergab, habe ich blind entschieden. Ich dachte nur: volle Fahrt voraus. Finanzielle Unterstützung von meinen Eltern wollte ich nicht. Es ging mir darum, mir zu beweisen, dass ich es kann. Also habe ich die Ärmel hochgekrempelt und alles allein gewuppt. Erstmal das Geschäft umbauen und als Café einrichten. Die Handwerker konnte ich davon überzeugen, dass ich sie erst am Ende der Saison bezahlen kann. Ich hatte keinerlei Rücklagen. Im Mai war die Eröffnung. Die erste Saison lief gleich super. Die Urlauber haben das Café sofort gut angenommen. Die Einheimischen waren zunächst etwas zögerlich. Im ersten Winter habe ich dann das erste Mal gedacht, was machst Du hier eigentlich? Aber von Jahr zu Jahr lief es besser. Ich habe mir das Eisgeschäft zu eigen gemacht und alles im Café Moritz nach meinen eigenen Vorstellungen gestaltet. Manches habe ich etwas moderner aufgezogen als ich es von meinen Eltern kannte.

Beim OZ-Eisdielentest in Mecklenburg-Vorpommern haben Sie den ersten Platz gewonnen. Beste Eisdiele im ganzen Land - das ist eine tolle Auszeichnung. Was ist Ihr Rezept für diesen Erfolg?

An erster Stelle steht ganz klar das Eis. Das habe ich meinem Vater zu verdanken, der es mit unheimlich viel Kreativität und ganz viel Liebe zubereitet. Außerdem schätzen die Kunden die Qualität. Da machen wir keine Kompromisse. Egal, wie voll es im Café ist: Alles muss perfekt sein, jeder Eisbecher soll wie gemalt aussehen. Dann ist es sicherlich unsere Art, wie wir mit den Menschen umgehen. Jeder Gast ist mir wichtig, und wir haben für jeden Wunsch ein Ohr. Mit unseren Kunden sind wir fast zu einer großen Familie zusammengewachsen. Dadurch macht es uns richtig Spaß. Wir haben so viele Stammgäste, auch unter den Urlaubern. Die kommen täglich zu uns und verabschieden sich, wenn sie nach zwei Wochen wieder abreisen. Zu Weihnachten und Ostern bekommen wir immer ganz viel Post - liebe Karten und kleine Geschenke.

Café Moritz ist ein Familienbetrieb. Sie schmeißen den Laden gemeinsam mit Ihren Eltern und Ihrem Mann. Wie teilen Sie sich Aufgaben auf?

Mein Vater macht das Eis, meine Mutter backt die Torten, mein Mann ist für die Eisbecher zuständig und ich bin die Kellnerin (lacht). Es ist schon ungewöhnlich, dass wir als Familie so gut zusammen funktionieren. Alle sind dabei, alle machen mit. Dass wir so ein eingespieltes Team sind, spüren die Gäste natürlich. Erstaunlich – obwohl wir 24 Stunden zusammen sind, gehen wir uns nicht auf die Nerven. Wir sind schon eine Top-Familie.

Welche Eissorten gibt es nur im Café Moritz? Welche Tortenkreationen sind bei den Gästen die beliebtesten?

Alle Sorten werden auf Milchbasis zubereitet, auch das Fruchteis. Das unterscheidet uns von italienischen Eisdielen. Inzwischen bieten wir auch zwei bis drei vegane Sorten an, der Trend wird ja immer größer. Das vegane Schokoladeneis ist der absolute Renner – das habe ich mal aus Spaß entwickelt. Dafür verwenden wir kostbare Zutaten wie extremdunkle Schokolade. Auch das Joghurteis ist der Knaller. Es hat kaum Kalorien, ist komplett ohne Zucker und schmeckt super. Davon kann man so viel essen wie man will ohne dick zu werden. Auch Sanddorneis ist bei den Kunden seit Jahren sehr beliebt. Wir haben immer 32 Sorten gleichzeitig im Angebot. Jedes Jahr entwickeln wir drei bis vier neue Sorten und gucken, wie sie laufen. Manche verschwinden nach einer Saison wieder, andere werden zu Dauerbrennern. Vanille, Erdbeere und Schokolade könnten wir meinetwegen streichen – langweilig, das gibt es überall. Da fällt mir Interessanteres ein.
Bei den Torten ist Sanddorn-Torte seit 17 Jahren der absolute Favorit bei den Gästen. Bei den Torten orientieren wir uns an den Jahreszeiten. Im Sommer bieten wir eher die fruchtigen Varianten an, im Winter kommen verstärkt Nougat, Marzipan und Eierlikör zum Einsatz.

Essen Sie selbst noch gerne Eis? Welche ist Ihre Lieblingssorte?

Ja, täglich! Wir alle! Alle Sorten! Das ist mir nie über geworden. Eine Lieblingssorte gibt es nicht. Ich esse alle gerne.

Sie haben das ganze Jahr über geöffnet. Heißt das, dass auch viele Insulaner zu Ihren Fans gehören?

Inzwischen konnten wir die Insulaner überzeugen. Anfangs haben sie sich das Ganze erstmal angeguckt und waren ein wenig skeptisch. Aber das ist schon lange her. Die Leute kommen von der ganzen Insel zu uns, sogar aus Greifswald oder Anklam und Umgebung. Urlauber sind inzwischen das ganze Jahr über hier. Das hat sich seit 2004 grundlegend verändert. In den Anfangsjahren kam es schon manchmal vor, dass die Tage im Winter mühsam waren. Inzwischen ist auf der Insel auch im Winter etwas los, vor allem in den Herbst und Frühjahrsferien. Inzwischen kann ich das Personal den ganzen Winter beschäftigen – wenn nicht gerade Corona ist.

Viele haben die Corona bedingte Pause kreativ genutzt. Haben Sie auch neue Ideen für das Café entwickelt?

Seit neuesten bieten wir Bubble Waffeln mit Eis in allen möglichen Variationen an. Die Idee hatte meine Tochter, die diesen Hype auf Facebook und Instagram gesehen hatte. Wir haben sofort ein Blasenwaffeleisen bestellt und angefangen, in unserer Küche zu experimentieren. Das hat gleich super funktioniert und macht riesigen Spaß. Die Kunden können sich aussuchen, was sie alles außer Eis auf die Waffel haben wollen. Vor allem die Kinder lieben es, sich die tollsten Kreationen zusammenzustellen. Mit Früchten, Schokoriegeln, Smarties, Marshmallows … Da sind keine Grenzen gesetzt.
Dann gab es noch eine Idee, wie wir die Zeit des Lockdowns überbrücken können. Diesen Geistesblitz hatte ich. Wir haben einem mobilen Eisverkaufswagen, den wir manchmal auf Hafentagen, Kinderfesten oder Trödelmärkten in der Region eingesetzt haben. Den haben wir jetzt vor unserem Haus auf der Koserower Hauptstraße aufgestellt und bieten die Bubble-Waffeln an. Das ist wie eine Bombe eingeschlagen. Die Leute sind so dankbar über das Angebot, dass sich immer wieder lange Schlangen bilden. Ich freue mich auch, dass ich endlich wieder in Aktion sein kann. Der Lockdown war eine totale Umstellung – ich habe in meinem Leben immer gearbeitet, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Ich liebe es, morgens aufzuwachen und zu wissen: jetzt muss ich loslegen.

Sie haben die viele freie Zeit für ausgiebige Fahrradtouren und Wanderungen genutzt. Welche Ecken auf Usedom haben Sie neu entdeckt?

Tatsächlich habe ich während des ersten Lockdowns im letzten Frühjahr festgestellt, wie wenig ich von der Insel wirklich kenne. Im Sommer bin ich normalerweise eingespannt, und im Winter mache ich es mir eher zu Hause gemütlich. Da hat uns unser Sohn ein bisschen auf die Sprünge geholfen. Er ist ein richtiges Inselkind und hat uns seine Lieblingsecken gezeigt. Wir haben uns dann ein schönes Picknick eingepackt und sind alle zusammen losgeradelt. Der Gnitz und das Loddiner Höft haben mir sehr gut gefallen. Ein anderes Mal haben wir eine große Runde von Pudagla, über Benz bis nach Bansin gedreht. Auch die Ecke Mölschow, Ziemitz, Neeberg kannte ich überhaupt nicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Karina Schulz für usedom.de am 20.04.2021.

Die Bernsteinbäder mit dem Drahtesel entdecken

Eigentlich habe ich mir mein Jahr als Inselbloggerin von Usedom ein wenig anders vorgestellt. Während der Coronapandemie und einem gefühlt ewig anhaltenden Lockdown ist es auch für mich ziemlich schwierig, die Insel in ihrer ganzen Pracht und vor allem mit ihren vielfältigen Angeboten erleben zu dürfen. Aktuell nutze ich daher die Zeit, viel mit dem Rad auf Usedom unterwegs zu sein. Statt dir diese Touren zu zeigen und davon zu erzählen, würde ich mich viel mehr darüber freuen, wenn du endlich wieder selbst die Insel mit dem Rad entdecken könntest. Nun habe ich mir überlegt, dennoch von meinen Touren zu berichten, dich gedanklich mitzunehmen und dir ein wenig Inselgefühl zu vermitteln. Denn Usedom wartet noch immer auf dich und vermisst dich genauso wie du deine Lieblingsinsel.

Starten wir also im:

 

Bernsteinbad Ückeritz

Woher kommt dieser Name eigentlich? Bernsteinbäder? Hier an der schmalsten Stelle der Insel reihen sich die Seebäder Ückeritz, Loddin, Koserow und Zempin wie Bernsteine an einer Schnur aneinander. Nach stürmischen Tagen und Nächten findest du hier das Gold des Meeres direkt am Strand. Auch ich bin eine begeisterte Bernsteinsammlerin.

Vom Bahnhof Ückeritz aus mache ich mich auf den Weg zum Campingplatz, durch den Wald entlang des Wockninsees. Der knapp drei Kilometer lange Naturlehrpfad ist am besten zum Wandern geeignet und führt in Richtung Hafen Stagnieß. Und genau da möchte ich hin. Hier am Hafen könnte ich meine erste Pause verbringen. Mache ich auch. Nicht, weil ich schon k.o. bin, sondern weil ich für eine Weile dieses schöne Fleckchen Erde genießen muss. Immer wieder bin ich fasziniert von dieser traumhaften, naturnahen Lage. Heute ist wieder einer dieser schönen Tage. Die Sonne scheint, das Wasser plätschert vor sich hin. Nur im Fahrtwind ist es ziemlich frisch. Man muss dazu sagen, ich bin mit einem E-Bike unterwegs, da kommt man nicht so leicht ins Schwitzen. Eigentlich gar nicht. Für die „Usedomer Berge“ ist ein E-Bike tatsächlich angebracht, falls du dich nicht komplett verausgaben, sondern ganz bequem die Landschaft genießen möchtest. Wenn du den Weg durch den Küstenwald von Ückeritz in Richtung Stubbenfelde wählst, hast du teilweise mit einer Steigung von bis zu 16% zu kämpfen. Und in Richtung Bansin sieht es nicht anders aus, da geht es nur bergauf und bergab. Gleichzeitig ist das eine ganz wunderbare Wanderstrecke, immer mit Blick auf die Ostsee! Da nimmt man ein paar Anstrengungen gern in Kauf, oder?

Bernsteinbad Loddin

Zurück zum Hafen Stagnieß! Von hier aus geht es weiter über die Ückeritzer Angelteiche ins Bernsteinbad Loddin. Hier kann ich dir eine wundervolle Wandertour zum Loddiner Höft empfehlen. Das Fahrrad solltest du beim „Waterblick“ stehen lassen, da der Weg bis zum Höft sehr sandig ist und es am Ende steil bergauf geht. Das Loddiner Höft ist eine in das Achterwasser ragende Landzunge, die dir an einer etwa 16 Meter hohen Steilküste einen herrlichen Ausblick auf das Achterwasser, auf den Lieper Winkel und auf die Halbinsel Gnitz bietet. Das Loddiner Höft ist auch ein wunderschöner Lieblingsplatz, um fantastische Sonnenuntergänge zu erleben. Aber es ist noch mitten am Tag, und somit mache ich mich auf den Weg nach Kölpinsee, zum Kölpinsee. Der Name kommt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie Schwanensee. Im Kölpinsee befindet sich die kleine sogenannte Schwaneninsel, die Heimat für verschiedenste Wasservögel ist und auch als Liebesinsel bezeichnet wird. Ist das nicht romantisch? Ich liebe diesen See. Er hat sowas Beruhigendes. Ich könnte hier den ganzen Tag sitzen und einfach nur auf´s Wasser starren. Aber ich weiß ja, wo mich mein nächstes Ziel hinführt, und da ist es mindestens genauso schön. Ich schlage also einen Haken und fahre wieder zurück zur B111, dort wo die beiden Orte Loddin und Kölpinsee quasi getrennt werden. Von dort aus geht es nach Damerow. Auf der Sonnenterrasse vom Forsthaus Damerow würde ich mir jetzt als Gast meine erste Kaffeepause gönnen. Dies ist momentan nur mit einem eigenen Picknick möglich – gleich gegenüber an der Schwedeneiche, auf der großen Forsthauswiese oder hinter dem Deich auf dem kleinen Steg am Achterwasser. Letzteres wird meine Wahl. Nach einem kurzen Sonnenbad kann ich von hier aus direkt weiter auf dem Deich, am Otto-Niemeyer-Holstein-Atelier vorbei, in Richtung Zempin radeln.

Bernsteinbad Zempin

Es ist das kleinste Seebad der Insel Usedom. In Zempin befinde ich mich an der schmalsten Stelle der Insel. Eigentlich ist die schmalste Stelle an der Rieck, einer Bucht an der nur rund 300 Meter breiten Stelle der Insel zwischen Zempin und Koserow. Dort liegt auch Lüttenort, die Heimat des Usedomer Malers Otto Niemeyer-Holstein. Ich liebe es, hier am Achterwasser zu sitzen – die Ruhe und die Natur zu genießen, um dasselbe schon ein paar Minuten später am Ostseestrand, hier dann normalerweise etwas lebhafter, zu tun. Meine zweite Pause verbringe ich im Sand, an der Surfbox Zempin, um genau zu sein. Hier ist alles da, was du zum Leben brauchst. Eine Strandbar, eine Dachterrasse mit Blick auf´s Meer, eine Hängematte, eine Strandschaukel. Nur keine Menschen. Wie gern würde ich jetzt mit einem Cocktail in der Hand in den Sonnenuntergang schaukeln… Nein, auch wir Inselbewohner können momentan nicht alles haben.

Bernsteinbad Koserow

Bevor es für mich wieder zum Ausgangspunkt geht, radel ich, diesmal auf dem Deich entlang, in Richtung Koserow. Vorbei an den Koserower Salzhütten und an der noch nicht ganz fertiggestellten Seebrücke, immer mit Blick auf die Ostsee, bis es in den Küstenwald hinein geht. Am Steckelsberg mache ich nochmals kurz Halt und kämpfe mich zu Fuß den Berg hinauf. Diesen Ausblick auf die gesamte Ostseeküste muss ich mir nochmal geben. Mit etwa 58 Metern ist der Streckelsberg die dritthöchste Erhebung auf der Insel Usedom. Der Sage nach soll die später als Hexe gebrandmarkte Maria Schweidler hier viel Bernstein gefunden und damit die Not der Menschen auf Usedom gelindert haben. Auch soll der legendäre Seeräuber Klaus Störtebeker hier ein Versteck gehabt haben. Und im Umfeld des Streckelsberges soll die sagenumwobene Stadt Vineta vor Koserow versunken sein. Der Streckelsberg ist also ein sagenumwobener Ort.

Bevor es dunkel wird, mache ich mich lieber auf den Weg zurück nach Ückeritz. An so einem Tag ist wirklich nichts mehr dran. Aufgrund der aktuellen Ausgangssperre habe ich außerdem echt Probleme, es morgens rechtzeitig an den Strand zum Sonnenaufgang zu schaffen… Aber das ist natürlich ein Luxusproblem und ich möchte auch gar nicht näher darauf eingehen. Ich hoffe vielmehr, dass dir meine kleine Fahrradtour gefallen hat und wir bald endlich wieder zusammen über Usedom radeln können.

Im folgenden Link findest du all die tollen Radwege von Usedom: https://usedom.de/fahrradtouren-usedom
Gucke dir gern schon mal die verschiedenen Touren an, bevor du sie hoffentlich bald selbst mit dem Rad erkunden kannst.

Ahoi und liebe Grüße sendet dir Marika - deine Inselbloggerin.

Die Inselbloggerin

Mein vollständiger Name ist Marika Borowski, ich bin 37 Jahre jung und komme gebürtig vom Festland aus dem Lassaner Winkel. Vom Lassaner Hafen aus hatte ich schon immer freie Sicht auf den Lieper Winkel und auf die Halbinsel Gnitz und war somit meiner Wahlheimat Usedom schon immer sehr nahe verbunden. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie meine Eltern mit mir zum Strand nach Trassenheide oder zum Zelten auf den Gnitz gefahren sind oder wir unsere Verwandten in der Stadt Usedom besucht haben. Für mich war es immer ein tolles Ereignis, meinen Schulfreunden zu erzählen, dass ich Verwandte habe, die auf einer Insel leben. Nun lebe ich selbst bereits seit über 20 Jahren auf Usedom und darf mich schon als ein kleines Inselkind bezeichnen. Ich habe hier den Beruf zunächst zur Hotelfachfrau und anschließend zur Hotelkauffrau erlernt und diesen zu meiner Berufung gemacht. Um unseren Usedom-Besuchern viel mehr über die Insel berichten zu können, habe ich mich selbst auf Entdeckungstour begeben und halte seit gut zwei Jahren alle meine Erlebnisse und Entdeckungen auf der Insel Usedom in meinem Blog fest:

www.marikas-inselblog.de

Ich hole meine Leser gedanklich aus dem Alltag ab und nehme sie mit auf meine Genussreise quer über die Insel bis hin zu meinen Lieblingsecken. Im September 2020 habe ich dann am inselweiten Ideenwettbewerb für Usedom teilgenommen und mit meiner Idee eines authentischen Inselblogs gewonnen. Ich war so aufgeregt und so glücklich – und bin es heute immer noch! Das Schreiben liegt mir gut, aber vor Menschen sprechen fällt mir manchmal etwas schwer. In jeder meiner Zeilen stecken eine Menge Recherche, persönliche Erlebnisse und ganz viel Herzblut für meine Sonneninsel. Denn Usedom ist nicht nur eine Urlaubsinsel, sondern ein ganz besonderes Gefühl - ein Gefühl, das verbinden soll. Es wird endlich Zeit, dass Usedom sich wieder mit seinen Gästen verbinden darf!

Wie bereitet sich die Insel Usedom auf die Urlaubssaison 2021 vor?

Viele von uns freuen sich auf den kommenden Sommer und hoffen, dass sich die Corona-Lage wieder etwas entspannt und einen unbeschwerten Urlaub möglich macht. Und dabei muss man gar nicht in die weite Ferne schweifen, denn das Urlaubsland Deutschland bietet mit seinen Stränden, Bergen, Metropolen und weiten Landschaften allerlei Möglichkeiten, eine schöne Zeit zu verbringen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Urlaub auf Deutschlands sonnenreichster Insel?

Wir waren Anfang März einige Tage auf Usedom unterwegs und konnten uns ein Bild davon machen, wie sich die Insel auf die Zeit nach dem Lockdown vorbereitet. Verschiedene touristische Betriebe haben uns einen detaillierten Einblick gegeben, welche Maßnahmen ergriffen und welche Hygienekonzepte etabliert wurden, um Gästen, Mitarbeitern aber auch Einheimischen viel Sicherheit in Bezug auf Reisen in Corona-Zeiten zu geben.

Eines können wir schon vorwegsagen: Der Tourismus auf Usedom steht in den Startlöchern. Die Insel und ihre Betriebe sind bestens auf den Saisonstart vorbereitet und warten darauf, wieder ihre Gäste begrüßen zu dürfen. Und dabei werden weit mehr als die üblichen standardmäßigen Hygienemaßnahmen, wie Abstandsregelungen, das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes und regelmäßige Desinfektion umgesetzt.

Gesundheit und Wohlbefinden aller Beteiligten hat höchste Priorität

„Unsere höchste Priorität gilt der Gesundheit unserer Gäste, unserer Mitarbeiter und der Inselbewohner Usedoms.“ sagt Marek Rausch, Hoteldirektor des SEETELHOTEL Kaiserstrand Beachhotel in Bansin. Und aus diesem Grund hat die Hotelgruppe schon im vergangenen Jahr ein eigenes Hygienesiegel in Zusammenarbeit mit Dr. Schnell für all ihre Hotels und Restaurants eingeführt, um den besten Standard für einen sichereren und entspannten Hotelaufenthalt zu bieten. Darüber hinaus war man im Bereich Testen Vorreiter auf der Insel: Die SEETELHOTELS haben im Oktober 2020 das erste private Corona-Testzentrum auf Usedom mit initiiert und in Zusammenarbeit mit einem Biotechnologie-Unternehmen in Bansin eröffnet. Das erspart Insulanern und Urlaubern die Fahrten zum nächstgelegenen Testzentrum auf dem Festland und lange Wartezeiten.

„Mehr Sicherheit im Urlaubsland“ verspricht auch das Siegel „MV gegen Corona“, mit dem bereits über 370 teilnehmende touristische Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern die Erfüllung der Schutzstandards und weiterer Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus garantieren. So auch das Hotel zur Post in Bansin, das beispielsweise neben Eingangsuntersuchungen, wöchentlichen Schnelltests und umfangreichen Schulungen ihrer Mitarbeiter auch erhöhte Reinigungs- und Desinfektionsintervalle umsetzt. „Wir setzen uns selbst immer wieder neue Standards, um den Urlaub unserer Gäste noch besser und sicherer zu gestalten.“ versicherte uns Hoteldirektor Michael Roth.

Digitale Tools helfen bei der Umsetzung von Maßnahmen

Aber auch bei der Luca App ist Mecklenburg-Vorpommern Wegbereiter und hat als erstes deutsches Bundesland die Lizenz für die Nutzung des Systems erworben. Damit können touristische Betriebe, Gastronomie und Kulturstätten einfach, schnell und sicher die Kontaktdaten von Gästen erfassen, um ggf. später Infektionsketten lückenlos nachverfolgen zu können. Die umständliche Zettelwirtschaft und das Ausfüllen von Kontaktdaten entfallen somit. Alle Betriebe, mit denen wir auf Usedom gesprochen haben, freuen sich auf die Einführung des Systems und unterstützen dieses.

Sehr begeistert hat uns die umfangreiche digitale Gästemappe, die Gästen als In-Room Tablet im Hotelzimmer des BEST WESTERN Hotel Hanse-Kogge in Koserow geboten wird. „Die smarte Softwarelösung ist ein wahrer Allrounder und ersetzt hygienisch Fernbedienung, Telefon und gedruckte Gästemappe“ erzählte uns Hotelinhaber Michael Raffelt, der zugleich Vorstandsvorsitzender des Usedomer Hotelverbandes ist. Darüber hinaus kann man mit dem Tablet in hunderten Zeitschriften schmökern, einen Tisch im Hotelrestaurant buchen oder sich über das Hotel und die Umgebung informieren. Selbst ein Chat mit der Rezeption ist möglich. Und das Beste dabei: Alles funktioniert kontaktlos und schnell.

Ideenreichtum in Kultur, Shopping & Gastronomie

Aber auch der Einzelhandel feilt an neuen Hygienemaßnahmen, die weit über den gesetzlich vorgeschriebenen Standard hinausgehen. Das Marc O‘Polo Strandcasino in Heringsdorf, ein Concept Store aus Shopping & Gastronomie, hat während des pandemiebedingten Lockdowns Baumaßnahmen umgesetzt und sein Hygienekonzept erweitert. Sei es der Einbau von kontaktlosen Schiebetüren, das Aufstellen von Hygienestationen oder eine deutliche Reduktion der Restauranttische: Hier wurde Einiges gemacht, um den Gästen bei der Wiedereröffnung viel Sicherheit zu bieten ohne auf den gewohnten Service verzichten zu müssen.

Ideenreichtum hat auch im vergangenen Jahr die Kurverwaltung in Koserow bewiesen. Aufgrund der Corona-Verordnung war es (und ist es nach wie vor) nicht möglich, klassische Kurkonzerte auf der Kurmuschel durchzuführen. „Koserow ohne Musik, das geht einfach nicht“, berichtete uns Kurdirektorin Nadine Riethdorf. Also organisierte man kurzerhand für die Sommermonate regelmäßige Straßenmusik-Konzerte. Unbekannt war, wann und wo man auf die Straßenmusiker trifft. Umso überraschter waren Urlauber und Insulaner, wenn sie während eines Spaziergangs musikalisch unterhalten wurden. Für dieses Jahr gibt es bereits Überlegungen, Kurkonzerte digital zu übertragen. So hätten auch die Daheimgebliebenen die Möglichkeit, etwas vom Usedom-Urlaubs-Flair zu spüren.

Der Megatrend Camping

Dass Camping eine tolle Alternative zu einem Hotelaufenthalt oder einer Ferienwohnung ist, hat sich bereits im letzten Jahr gezeigt. Camping war so beliebt wie nie. Urlauber schätzen gerade in Corona-Zeiten die Flexibilität, die räumliche Distanz zu Anderen, große Abstände und die Möglichkeit der Selbstversorgung. Das Dünencamp Karlshagen berichtete uns von einer Vollauslastung in der Saison 2020 und hat auch alles vorbereitet, damit ein sicheres Camping auch 2021 wieder möglich sein wird.

Erholsamer Urlaub ist trotz (und auch wegen) vieler Hygienemaßnahmen möglich

Egal ob im Hotel, einer Ferienwohnung, auf dem Campingplatz, beim Essen im Restaurant oder beim Einkaufen: Durch die vielen Hygienemaßnahmen gibt es diverse Einschränkungen und Gäste sind angehalten, sich auf veränderte Prozesse einzustellen und an neue Standards zu gewöhnen. Aber bei einem sind sich die Betriebe sicher: Es wird alles getan, um auf Usedom einen schönen, erholsamen Urlaub zu verbringen und Gäste dürfen sich trotz der aktuellen schwierigen Bedingungen auf einen hervorragenden Service freuen.

 

 

Das sind wir: One Million Places

Wir sind Michael & Sandra und schreiben auf unserem Reiseblog One-Million-Places.com mit viel Leidenschaft über unsere unzähligen Abenteuer und Erlebnisse – sei es von traumhaften Inseln, in Millionenstädten, auf Berggipfeln, in der puren Wildnis oder in den Tiefen der Ozeane. Reisen ist unsere große Leidenschaft und wir lieben es, neue Länder, Orte und Kulturen kennenzulernen und darüber zu berichten.

 

Kutter- und Küstenfischerei - Eine lange Tradition auf Usedom

Der Wecker klingelt, es ist fünf Uhr morgens und draußen sind es noch Minusgrade. Ein typischer Morgen Anfang März und zunächst finde ich auch gar keinen Grund aufzustehen. Am Abend zuvor habe ich jedoch den Wetterbericht gecheckt und die Prognose für den kommenden Tag schien sehr vielversprechend. Außerdem hatte ich tatsächlich einiges vor. Dazu später mehr. Noch am Abend schickte ich meiner Kollegin Anni eine Nachricht mit der Frage: „Was machst du morgen früh um sechs?“ Als ich ihr kurz von meinem Vorhaben erzählte, waren keine weiteren Überredungskünste nötig. Pünktlich um sechs Uhr am nächsten Morgen trafen Anni und ich uns bei der Seebrücke Ahlbeck. Schon auf dem Weg dorthin, konnten wir die rosa Farben am Himmel über dem Meer erkennen. Es war bitterkalt, die Ostsee spiegelglatt und außer kreischenden Möwen weit und breit nichts zu hören und niemand zu sehen. Wir filmten und fotografierten, bis uns die Hände an der Kamera festfroren. Dieses Farbenspiel war einfach nur spektakulär! Das frühe Aufstehen hat sich wieder gelohnt und es sollte noch besser kommen!

Ein Tag bei den Strandfischern

Mit dem Sonnenaufgang gegen halb sieben tauchten auch die Strandfischer auf. Wir hatten nämlich ein Date! Ich durfte dem Fischer Uwe Krüger und seinen Männern einen Tag lang bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen. Uwe ist ein echter Profi! Und nicht nur was das Fischen anbelangt. „Stell dich mal dort oben auf die Düne, da kommt Rudi gleich lang und fährt runter zum Strand.“ Rudi? Mit Rudi war der dicke rote Traktor gemeint. Hier hat eben alles seinen Namen. Rudi bringt jeden Morgen Uwes Kutter „Meereswelle“ vom Ufer ins Wasser. Nur zickte er an diesem Morgen etwas rum und ließ eine Weile auf sich warten. Wahrscheinlich war es ihm einfach zu kalt. Uwe machte sich derweil auf den Weg zu seinem Kutter, um diesen schon mal zu starten. „Nicht, dass der auch noch Zicken macht.“ Also lief ich ganz aufgeregt hinterher. Nebenbei schnackten wir und stellten fest, dass die Welt echt klein ist. Wie Uwes Frau stamme ich auch aus Lassan und bin mit der Fischerei groß geworden. Als Kind wohnte ich mit meinen Eltern direkt am Hafen und konntebereits in jungen Jahren den Fischern bei der Arbeit zuschauen. Mit Haut und Haaren ist Uwe Krüger Strandfischer - und das bereits in der sechsten Generation! Sein kleines Fischrestaurant „Uwe‘s Fischerhütte“ liegt gleichen nebenan. Hier werden noch richtige pommersche Fischgerichte serviert. Seit 1990 gibt es die Fischerhütte schon. Mit Höhen und Tiefen, denn seit dreizehn Jahren wird er nun schon verklagt, weil sich ein Anwohner am Fischgeruch stört. Insulaner kann dieser Anwohner jedenfalls nicht sein, sonst würde er genau das genießen. Während des Lockdowns hat Uwe die Gelegenheit genutzt, um sein Restaurant umzubauen und zu renovieren. Ich mag es sehr, wenn Tradition auf Moderne trifft. Nun warten alle auf einen Start in die lang ersehnte Saison.

Mee(h)r geht nicht!

Jetzt ließ Uwe noch richtig einen gucken! Eine ganze Ladung Fischküt kippte er am Ufer in die Ostsee und die Möwen ließen natürlich nicht lange auf sich warten. „Mehr geht nicht!“ rief Uwe mir zu. Recht hat er! In Scharen stürzten sich die Möwen auf ihr Frühstück und ich wusste gar nicht, wo ich die Kamera zuerst hinhalten sollte. Wahnsinn! Während die Fischer ablegten, rief Uwe mir noch zu: „Lauf mal auf die Seebrücke! Da kommen wir jetzt lang! In einer Stunde sind wir wieder zurück!“ Also lief ich zur Seebrücke und machte wieder tolle Aufnahmen, wie die Fischer die ersten Stellnetze aus der Ostsee zogen. Das Meer war an diesem Tag spiegelglatt, das Wetter einfach nur perfekt – ich konnte mein Glück noch immer kaum fassen. Die Sonne stieg langsam höher und wärmte mein Gesicht. Es war echt kalt. Zurück am Strand wartete ich nun auf die erste Rückkehr der Fischer. Die ließen zwar noch eine Weile auf sich warten, aber da kam mir auch schon Uwes Schwiegertochter Tina entgegen und lud mich auf einen heißen Kaffee in die Fischhalle ein. Hier lernte ich fast alle Familienmitglieder kennen und ich habe mich sofort heimisch gefühlt. „Alle packen jeden Tag von früh bis spät mit an! Anders würde es auch gar nicht funktionieren,“ erklärte mir Tina und dann klingelte auch schon das Telefon. Uwe. Die erste Fuhre Hering landet an – es ist nämlich Heringszeit auf Usedom! Normalerweise finden auch von Anfang März bis Anfang April die Heringswochen auf der Insel statt. Während das „Silber des Meeres“ früher als Arme-Leute-Essen galt, wird er heute als Delikatesse von den Usedomer Köchen zubereitet. Leider müssen wir nun auch in diesem Jahr auf dieses kulinarische Ereignis verzichten.

Küstenfischerei – eine gefährdete Tradition

An diesem Tag wurde mir erst wieder richtig bewusst, wie viel Arbeit dahintersteckt, bis der Fisch servierfertig bei uns auf dem Teller liegt. Schon allein vom Zugucken war ich bereits fix und fertig, dabei hat der Tag erst vor ein paar Stunden begonnen. Mittlerweile war es elf Uhr und die Strandfischer kehrten von ihrer zweiten Tour zurück. Auch diesmal mit einer ordentlichen Ladung Heringe und alle halfen wieder mit. Ob groß, ob klein – ob jung, ob alt. Jeder, der gerade am Strand steht, packt mit an. Der Kleinste ist übrigens vier und der Älteste 83. Auch Uwes Enkel Mika (4) und Nils (15) wollen mal in die Fußstapfen ihres Opas treten. Nils steckt bereits mittendrin. Seit seinem fünften Lebensjahr fährt er nun schon mit seinem Opa auf´s Meer hinaus. Er hilft beim Einholen der Netze, beim Pulen und beim Putzen. Was ein echter Fischer eben alles so können muss. Auch Mika ist mit seinen vier Jahren bereits fleißig am Mithelfen. Da kann man nur hoffen, dass uns die Küstenfischerei noch lange erhalten bleibt. Denn vom Fang allein können die Fischer aufgrund der niedrigen Fangquoten heute kaum noch leben. Die Küstenfischerei ist eine gefährdete Tradition. Es ist nicht nur ein Familienerbe, sondern mittlerweile auch ein Kulturerbe, welches so langsam ausstirbt. Denn wo bekommst du heute noch fangfrischen Fisch auf deinen Teller? Der 83-jährige Ewald ist seit über 60 Jahren Fischer und das mit Leib und Seele. Vielleicht kennst du sogar seinen Kutter, den „Seeteufel“, denn dieser liegt gleich neben der „Meereswelle“ von Uwe am Strand vor der traumhaften Kulisse der Ahlbecker Seebrücke. Beim Heringe Pulen und Putzen hat Ewald immer eine gute Fischergeschichte auf Lager. Im nächsten Winter sitze ich definitiv bei ihm in der Fischerhütte am Ofen und höre mir alle an! Jetzt gönnte ich mir aber erstmal ein Fischbrötchen, denn es war bereits mittags um eins und ich hatte noch nicht einmal gefrühstückt. Was für ein aufregender Tag! Ich bin immer noch vollkommen überwältigt von der Gastfreundschaft und von diesem Familienzusammenhalt. Alles wirkt so vertraut und geht Hand in Hand. Sei also immer nett zum Fischer! Das ist echt harte Arbeit bei Wind und Wetter. Als ich meinem Vater von meinem Tag bei den Fischern erzählte, war dieser sofort Feuer und Flamme! Am Wochenende gab es dann gleich 30 Heringe! Gebraten, geräuchert und eingelegt. Nun warten wir, dass endlich auch Uwe´s Fischerhütte und all die tollen Fischrestaurants auf Usedom wieder öffnen dürfen.

Meine ganz persönlichen Empfehlungen für dich:

  • Uwe´s Fischerhütte in Ahlbeck
  • Das Fisch- & Steakrestaurant Waterblick in Loddin
  • Die Salzhütten in Koserow
  • Kelch´s Fischrestaurant in Koserow
  • Taun Fischer un sin Fru in Zempin
  • Zum Smutje in Zinnowitz
  • Die Bauernstube in Morgenitz
  • Zur Alten Fischräucherei in Rankwitz

Diese und weitere richtig gute Restaurants auf Usedom findest du auf der Usedom-Seite: www.usedom.de/kulinarik

Auf dass wir all diese Köstlichkeiten bald wieder genießen dürfen! Ahoi und liebe Grüße sendet dir Marika – deine Inselbloggerin.

Das bin ich: Usedoms Inselbloggerin

Mein vollständiger Name ist Marika Borowski, ich bin 37 Jahre jung und komme gebürtig vom Festland aus dem Lassaner Winkel. Vom Lassaner Hafen aus hatte ich schon immer freie Sicht auf den Lieper Winkel und auf die Halbinsel Gnitz und war somit meiner Wahlheimat Usedom schon immer sehr nahe verbunden. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie meine Eltern mit mir zum Strand nach Trassenheide oder zum Zelten auf den Gnitz gefahren sind oder wir unsere Verwandten in der Stadt Usedom besucht haben. Für mich war es immer ein tolles Ereignis, meinen Schulfreunden zu erzählen, dass ich Verwandte habe, die auf einer Insel leben. Nun lebe ich selbst bereits seit über 20 Jahren auf Usedom und darf mich schon als ein kleines Inselkind bezeichnen. Ich habe hier den Beruf zunächst zur Hotelfachfrau und anschließend zur Hotelkauffrau erlernt und diesen zu meiner Berufung gemacht. Um unseren Usedom-Besuchern viel mehr über die Insel berichten zu können, habe ich mich selbst auf Entdeckungstour begeben und halte seit gut zwei Jahren alle meine Erlebnisse und Entdeckungen auf der Insel Usedom in meinem Blog fest:

www.marikas-inselblog.de

Der Winter hat es nicht immer leicht auf Usedom.

Normalerweise ist das Klima ziemlich mild und die Ostsee speichert lange die Wärme. Doch in diesem Jahr zeigt sich der Winter von seiner ganz stürmischen Seite und schiebt eine eisige Polarluft über das Meer.

Winterwonderland auf Usedom - unser Eiland hat sich in diesem Monat in eine faszinierende Winterinsel verzaubert. Atemberaubend schön! Zugleich macht es mich ein wenig traurig, dass unsere Usedom-Fans dieses Naturschauspiel nicht miterleben dürfen. Einige Tagestouristen haben sich zwar nicht an das Einreiseverbot gehalten, aber dazu komme ich später noch. Der Lockdown wurde wieder verlängert, bis in den März hinein. Die Zahlen gehen jedoch langsam nach unten und geben Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen. Usedom wartet schon sehnsüchtig auf dich! Einen konkreten Stufenplan gibt es noch nicht, aber wir geben die Hoffnung natürlich nicht auf: Usedom bereitet sich weiter vor! Nun möchte ich dir aber auf keinen Fall vorenthalten, wie traumhaft schön die Insel auch in dieser kalten Jahreszeit ist und nehme ich dich mit auf meine kleine Winterwonderland-Reise.

Winterwonderland-Reise

Schon der erste Februarmorgen startet mit einem unglaublichen Farbenspiel – der ganze Himmel leuchtet in einem hellen rosa. Was für ein Zauber! Mittlerweile werden die Tage wieder etwas länger und ich muss dementsprechend früher aufstehen. Sobald ich morgens aus dem Fenster schaue und den leuchtenden Himmel sehe, fällt mir dies gar nicht weiter schwer. Jacke, Schal, Handschuhe, Mütze, Kamera und ab zum Strand – wie ich es mittlerweile liebe! Früher hätte mich zu dieser Zeit nämlich niemand aus meinem warmen Bettchen geholt. Der eisige Ostwind pustet dann durch mein Gesicht – jetzt werde ich so richtig wach! Bei Minusgraden fällt mir das Filmen und Fotografieren zwar sehr schwer, aber ich weiß, dass ich dich mit meinen Aufnahmen sehr glücklich machen kann – auch dann, wenn die Sehnsucht immer größer wird.

Wenn der Wecker morgens klingelt, ich die Augen öffne und kleine Schneeflocken über meinem Dachfenster tanzen sehe, muss ich sofort los. Usedom hat sich über Nacht in eine traumhafte Winterinsel verzaubert. Einen Tag zuvor war ich noch bei Sonnenschein am Strand unterwegs und habe Bernsteine gesammelt. Windig war es nämlich schon die ganze Zeit und die Ostsee somit ziemlich aufgewühlt. Dann findest du im Übrigen eine Menge Bernsteine am Strandufer. Manchmal verstecken sie sich auch unter einer rauen Oberfläche. Die ganz Harten unter den Bernsteinjägern stehen natürlich mit dem Kescher im Wasser und fischen das „Gold“ direkt aus dem Meer. Das ist mir aber noch eine Nummer zu groß und auch zu kalt. Es kann auch sein, dass es gar keine Bernsteine mehr auf Usedom gibt, denn in diesem Jahr entwickelte sich das Bernsteinsammeln zu einem wahren Volkssport unter den Inselbewohnern. Fleißig gesammelt wurde natürlich schon immer, aber in diesem Jahr hatte ich das Gefühl, dass sich immer mehr Einwohner am Strand versammelten – mit Abstand versteht sich.

Gleichzeitig wurde aus der Winterinsel auch noch eine Eisinsel! Die Temperaturen fielen nun auf bis zu -8 Grad, es tobte ein eisiger Ostwind über dem Meer. Die Buhnen hatten auf einmal weiße Mützen an, an den Seebrücken hingen dicke lange Eiszapfen, die Eisschollen stapelten sich am Strandufer und ich konnte kaum noch auf die Ostsee blicken. Den ganzen Strand entlang türmte sich eine riesige Eiswand und verwandelte sich in Packeis. Wahnsinn! Das erleben auch wir Inselbewohner nicht all zu oft. Aber es hat auch seine Tücken! Die ganz Mutigen und Neugierigen klettern natürlich über die Eisschollen bis ran ans Ufer. Das sollte man tatsächlich lieber sein lassen! Die Großen machen es vor, die Kleinen nach und ehe du dich versiehst, versackst du im Schnee und im Eis. Nicht auszumalen, was alles dabei passieren kann.

Naturschauspiel auf Usedom

Ein ganz besonderes Naturspektakel bot sich auch am Bansiner Strand. Bei starkem Wind peitscht die Ostsee bis über die Seebrücke und vereist bei Minusgraden die darauf stehenden Bänke, Laternen und fast den gesamten Kopf der Brücke. Ich kam mir vor, wie in einer kleinen Eiswelt. Fehlte nur noch jemand, der Eintritt kassierte. Aus Sicherheitsgründen wurde die Brücke dann aber auch schnell gesperrt. Jede Seebrücke ließ uns Usedomer staunen. Ob in Zinnowitz, Bansin, so auch in Heringsdorf. Selten habe ich die Heringsdorfer Seebrücke so still erlebt. Wo sonst Trubel und Shoppingfreude herrscht, wirkt alles wie erstarrt und auch etwas beängstigend. Eine dicke Eissuppe schwappte bei Sonnenschein ans Ufer. Dies hatte dann wieder etwas sehr Beruhigendes. Eines Morgens wirkte die Ostsee wie erstarrt und es war unheimlich still am Strand. Unter der dünnen Eisdecke konnte ich noch das Schaukeln der Wellen erkennen. Jetzt würdest du sogar eine Stecknadel im Schnee fallen hören! Kein Wind, kein Wellenrauschen, kein Menschengeschnatter – nur Vogelgezwitscher und dazu geht auch noch die Sonne auf. Faszination pur!

Überall leuchtende Augen und lachende Kinderherzen, die in den Küstenwäldern auf Schlitten unterwegs waren. Das schöne Wetter und das grandiose Naturschauspiel lockte auch viele Besucher auf die Insel Usedom. Vollkommen verständlich, denn was ist schon gesünder als ein Strandspaziergang an der frischen Luft. Aber auch ein wenig rücksichtslos, wenn sich die Menschenmassen dicht an dicht über die Seebrücken schieben. Unser Landkreis ist leider immer noch ein Hochrisikogebiet und der Tagestourismus somit nicht erlaubt. Keiner hatte böse Absichten dabei, vielen Besucher aus dem eigenen Bundesland war es gar nicht wirklich bewusst. Bei den vielen Regeln kann man tatsächlich auch ein wenig durcheinanderkommen. Dennoch sollten wir weiterhin achtsam mit dem Coronathema umgehen, sonst müssen wir wohl noch länger auf den langersehnten Saisonstart warten.

Pass gut auf dich auf, nimm Rücksicht, informiere dich und bleib vor allem gesund!

Ahoi, sagt Marika - deine Inselbloggerin.

 

Das bin ich: Usedoms Inselbloggerin

Mein vollständiger Name ist Marika Borowski, ich bin 37 Jahre jung und komme gebürtig vom Festland aus dem Lassaner Winkel. Vom Lassaner Hafen aus hatte ich schon immer freie Sicht auf den Lieper Winkel und auf die Halbinsel Gnitz und war somit meiner Wahlheimat Usedom schon immer sehr nahe verbunden. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie meine Eltern mit mir zum Strand nach Trassenheide oder zum Zelten auf den Gnitz gefahren sind oder wir unsere Verwandten in der Stadt Usedom besucht haben. Für mich war es immer ein tolles Ereignis, meinen Schulfreunden zu erzählen, dass ich Verwandte habe, die auf einer Insel leben. Nun lebe ich selbst bereits seit über 20 Jahren auf Usedom und darf mich schon als ein kleines Inselkind bezeichnen. Ich habe hier den Beruf zunächst zur Hotelfachfrau und anschließend zur Hotelkauffrau erlernt und diesen zu meiner Berufung gemacht. Um unseren Usedom-Besuchern viel mehr über die Insel berichten zu können, habe ich mich selbst auf Entdeckungstour begeben und halte seit gut zwei Jahren alle meine Erlebnisse und Entdeckungen auf der Insel Usedom in meinem Blog fest:

www.marikas-inselblog.de

 

 

Mittwoch, 27 Januar 2021 12:47

Die einzigartigen Küstenwälder Usedoms

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Forstamtsleiter Felix Adolphi spricht über die Schönheit und die Besonderheiten der Usedomer Wälder

Felix Adolphi wurde im Alter von 34 Jahren der jüngste Forstamtsleiter in Deutschland. Als Oberförster von Neu Pudagla ist der Greifswalder für 12.000 Hektar Wald auf Usedom verantwortlich. Im Interview spricht er über die Besonderheiten des Küstenwaldes, den ersten Kur- und Heilwald Deutschlands sowie seinen liebsten Wanderweg auf der Insel.

Herr Adolphi, seit wann sind Sie Förster auf Usedom?

Seit Dezember 2015 leite ich das Forstamt Neu Pudagla. Vorher war ich in der Zentrale der Landesforst Mecklenburg‑Vorpommern tätig, wo ich für Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung zuständig war. Usedom war deshalb für mich interessant, weil es ein relativ untypisches Forstamt ist. Neben dem Forstbetrieb, den wir dort im Landeswald betreiben, sind wir besonders im Bereich Forsthoheit und Öffentlichkeitsarbeit gefordert.

Wie viel Wald und welchen Wald hat Usedom zu bieten?

Ein Drittel der Insel ist mit Wald bedeckt, das sind 12.000 Hektar. Das ist zwar nicht besonders viel, aber der Waldflächenanteil auf Usedom ist höher als im Rest des Landes. Für die kompletten 12.000 Hektar sind wir als Untere Forstbehörde verantwortlich und müssen zum Beispiel darüber wachen, dass das Landeswaldgesetz eingehalten wird. Knapp 5.000 Hektar dieses Waldes sind Landeswald, den wir bewirtschaften. Das heißt also Wald pflegen, Holz ernten, Bestände verjüngen, Wege bauen und jagen.

Der Wald auf Usedom zeichnet sich dadurch aus, dass er sehr stark zerschnitten ist – also die Waldgebiete oft durch Verkehrswege und Gemeinden unterbrochen werden. Ein Großteil des Waldes erstreckt sich entlang der Küste. Das sind eher schmale, langgestreckte Waldgebiete, zwischen denen immer wieder Gemeinden liegen und Wege zum Strand führen. Dass der Wald bis zur Ostsee heranreicht, macht natürlich seinen Reiz aus. Für uns als Förster macht es die Bewirtschaftung aber nicht unbedingt leichter, weil auf touristische Belange geachtet werden muss.

Etwa 40 Prozent auf Usedom sind Laubwald und 60 Prozent sind Nadelwald. Die Hauptbaumarten sind Kiefern und Buchen. Langfristig soll die Fläche der Buchen die der Kiefern übersteigen.

Wodurch zeichnet sich insbesondere der Küstenwald auf Usedom aus?

Wenn man in Peenemünde in den Wald geht, stellt man fest, dass es sich um einen Kiefernwald handelt, der auf sandigen Böden steht. Es handelt sich um ein ganz sensibles Ökosystem, wo sich aufgrund des Nährstoffmangels eine bestimmte Pflanzengesellschaft einstellt. Die Besonderheit aller Küstenwälder liegt darin, dass sie von der hohen Luftfeuchtigkeit der Ostsee profitieren und damit trotz geringer Niederschläge bei guter Gesundheit bleiben.

Wenn man weiter nach Südosten schaut, dann gibt es auch Buchenwälder, die bis an die Küste heranreichen. Die stehen auf Böden, die einen höheren Lehmanteil enthalten. Den Buchen ist natürlich anzusehen, dass sie an der Küste dem rauen Wetter ausgesetzt sind. Den Kronen sieht man zum Beispiel die starken Winde von der Ostsee her an. Auch das Laub auf den Böden wird ausgeblasen, was dazu führt, dass die Vegetation an der Oberfläche nicht durch sehr viele Nährstoffe versorgt wird.

Der Wald an der Küste ist nicht nur ästhetisch eine Besonderheit, er schützt die Küste auch an vielen Stellen. Deshalb ist er durch das Landeswaldgesetz besonders geschützt.

Sie haben schon angedeutet, dass der Küstenwald mit Trockenheit besser zurechtkommt. Wie hat sich die Dürre der vergangenen Jahre auf die Gesundheit der Usedomer Wälder ausgewirkt?

Der Grundwasserspiegel ist wegen der Dürre erheblich zurückgegangen. Er liegt inzwischen bis zu 1,5 Meter tiefer als sonst. Das macht den Bäumen natürlich zu schaffen. Wir kontrollieren den Waldzustand sehr eng, in erster Linie durch die genaue Beobachtung der Kronen und der Belaubung.

Ein deutliches Anzeichen dafür, dass die Bäume geschwächt sind, ist zum Beispiel, dass die Eichen auf der Insel im vergangenen Jahr sehr viele Eicheln getragen haben. Üblicherweise vermehrt sich die Eiche nur alle sieben bis zehn Jahre mit einer sogenannten Vollmast. Weil die Rahmenbedingungen so schlecht waren, kriegen die Bäume quasi Panik und versuchen um jeden Preis, noch eine Nachkommenschaft in die Welt zu setzen. Deshalb wurden im letzten Jahr umso mehr Eicheln produziert, was den Baum aber wiederum schwächt, weil dafür ein erheblicher Energiebedarf notwendig ist. In diesem Jahr haben wir das Gleiche bei den Buchen beobachtet.

Was an Niederschlag fehlt, können die Bäume auf Usedom ganz gut durch die erhöhte Luftfeuchtigkeit kompensieren. Aber Kompensieren heißt ja nur, dass sich Probleme und Schäden nicht gleich bemerkbar machen. Die Bäume leiden trotzdem. Und ich rechne auch damit, dass die Gesundheit gerade dieser zwei Arten in den kommenden Jahren schlechter sein wird, als ich es mir wünsche. Ich habe aber die Hoffnung, dass es hier nicht so drastisch ausfällt wie in anderen Landesteilen weiter im Süden.

Europas erster Kur- und Heilwald liegt auf Usedom

Seit 2016 besitzt Usedom den ersten Kur- und Heilwald Deutschlands. Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Der Kur- und Heilwald befindet sich im Eigentum der Gemeinde Heringsdorf. Damit folgt die Gemeinde einer Tradition von Gesundheits-, Kur- und Heilangeboten, die dort in diesem Seebad schon immer angeboten wurden. Im Wald wurden schon früher beispielsweise Leibesübungen durchgeführt und es gibt Relikte von Tennisplätzen im Wald. Das Ganze hat hier also eine lange Tradition, die nun durch die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Forstamt wieder aufgenommen wurde.

Mit dem Kur- und Heilwald wollen wir nicht unbedingt nur die Menschen ansprechen, die ohnehin schon regelmäßig zum Sporttreiben in den Wald gehen. Es geht um die Menschen, die aufgrund körperlicher oder mentaler Beeinträchtigungen daran gehindert werden, in den Wald zu gehen. Wir haben eine Infrastruktur mit barrierefreien Wegen geschaffen, damit auch Menschen den Wald aufsuchen können, denen das ansonsten nicht möglich ist.

Über Tafeln werden die Besucher darüber informiert, wie der Wald auf sie wirkt und sie werden animiert, bestimmte Übungen durchzuführen. Außerdem nutzt ein kleiner Kreis von Physio- und Ergotherapeuten den Kur- und Heilwald, um hier gemeinsam mit Patienten Übungen durchzuführen. Und es gibt sehr viele Führungen zu dem Thema Wald und Gesundheit, die vom Forstamt und von der Kurverwaltung angeboten werden.

Im Kur- und Heilwald gibt es ein Verbot für Smartphones. Sie laufen aber nicht
durch den Wald und verteilen Strafzettel, wenn man das Handy in der
Hand hat?

Es gibt in der Tat eine Verordnung, in der steht, dass auf die Nutzung mobiler Datenendgeräte verzichtet werden soll. Wir versuchen die Besucher damit zu mehr Achtsamkeit zu erziehen. Sie sollen auf die Natur und sich selbst hören, wobei natürliche jede Ablenkung wie das Smartphone hinderlich ist.

Gleichzeitig nutzen die Waldbesucher aber ihre Smartphones, um sich zu orientieren und zu informieren. Das heißt, das Verbot wird von uns nicht durchgesetzt. Wenn ich jemanden mit dem Handy im Kur- und Heilwald sehe, spreche ich ihn möglicherweise darauf an, aber es gibt keine Strafzettel oder ähnliches. Zumal es sogar eine eigene App für den Kur- und Heilwald gibt.

Die schönsten Wanderwege führen durch den Wald

Verraten Sie uns zum Schluss bitte noch Ihren Lieblingsort auf Usedom. Welches Waldstück müssen Gäste gesehen haben oder welchen Wanderweg sollten sie unbedingt beschreiten?

Was auf Usedom sicherlich einmalig ist, das ist der wunderschöne Wald entlang der Ostseeküste. Dank der Usedomer Bäderbahn ist jeder in der Lage, auch eine Wanderung in nur eine Richtung zu vollziehen und den Rückweg mit der Bahn zu bestreiten. Ich würde den Leuten empfehlen, zum Beispiel zwischen den Kaiserbädern und Ückeritz den Weg an der Ostseeküste zu laufen. Der Abschnitt zwischen Bansin und Ückeritz ist sehr schön. Den Wanderweg gehe ich gern auch privat.

Ansonsten ist der Wald im Südosten der Insel herrlich, weil er weit weg von der Ostseeküste liegt und nicht so stark frequentiert wird. Hier gehe ich mit meiner Familie auch in der Freizeit spazieren und Pilze sammeln.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Herr Koprek im Auftrag der SEM SEO GmbH für usedom.de am 09.12.2019.

 

Urlaubs-Tipp: Wo Sie auf Usedom zu Fuß oder mit dem Rad am besten wandern können, erfahren Sie hier!

 

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