Die Bernsteinbäder mit dem Drahtesel entdecken

27.04.2021, von Marika Borowski

Die Bernsteinbäder mit dem Drahtesel entdecken

Eigentlich habe ich mir mein Jahr als Inselbloggerin von Usedom ein wenig anders vorgestellt. Während der Coronapandemie und einem gefühlt ewig anhaltenden Lockdown ist es auch für mich ziemlich schwierig, die Insel in ihrer ganzen Pracht und vor allem mit ihren vielfältigen Angeboten erleben zu dürfen. Aktuell nutze ich daher die Zeit, viel mit dem Rad auf Usedom unterwegs zu sein. Statt dir diese Touren zu zeigen und davon zu erzählen, würde ich mich viel mehr darüber freuen, wenn du endlich wieder selbst die Insel mit dem Rad entdecken könntest. Nun habe ich mir überlegt, dennoch von meinen Touren zu berichten, dich gedanklich mitzunehmen und dir ein wenig Inselgefühl zu vermitteln. Denn Usedom wartet noch immer auf dich und vermisst dich genauso wie du deine Lieblingsinsel.

Starten wir also im:

 

Bernsteinbad Ückeritz

Woher kommt dieser Name eigentlich? Bernsteinbäder? Hier an der schmalsten Stelle der Insel reihen sich die Seebäder Ückeritz, Loddin, Koserow und Zempin wie Bernsteine an einer Schnur aneinander. Nach stürmischen Tagen und Nächten findest du hier das Gold des Meeres direkt am Strand. Auch ich bin eine begeisterte Bernsteinsammlerin.

Vom Bahnhof Ückeritz aus mache ich mich auf den Weg zum Campingplatz, durch den Wald entlang des Wockninsees. Der knapp drei Kilometer lange Naturlehrpfad ist am besten zum Wandern geeignet und führt in Richtung Hafen Stagnieß. Und genau da möchte ich hin. Hier am Hafen könnte ich meine erste Pause verbringen. Mache ich auch. Nicht, weil ich schon k.o. bin, sondern weil ich für eine Weile dieses schöne Fleckchen Erde genießen muss. Immer wieder bin ich fasziniert von dieser traumhaften, naturnahen Lage. Heute ist wieder einer dieser schönen Tage. Die Sonne scheint, das Wasser plätschert vor sich hin. Nur im Fahrtwind ist es ziemlich frisch. Man muss dazu sagen, ich bin mit einem E-Bike unterwegs, da kommt man nicht so leicht ins Schwitzen. Eigentlich gar nicht. Für die „Usedomer Berge“ ist ein E-Bike tatsächlich angebracht, falls du dich nicht komplett verausgaben, sondern ganz bequem die Landschaft genießen möchtest. Wenn du den Weg durch den Küstenwald von Ückeritz in Richtung Stubbenfelde wählst, hast du teilweise mit einer Steigung von bis zu 16% zu kämpfen. Und in Richtung Bansin sieht es nicht anders aus, da geht es nur bergauf und bergab. Gleichzeitig ist das eine ganz wunderbare Wanderstrecke, immer mit Blick auf die Ostsee! Da nimmt man ein paar Anstrengungen gern in Kauf, oder?

Bernsteinbad Loddin

Zurück zum Hafen Stagnieß! Von hier aus geht es weiter über die Ückeritzer Angelteiche ins Bernsteinbad Loddin. Hier kann ich dir eine wundervolle Wandertour zum Loddiner Höft empfehlen. Das Fahrrad solltest du beim „Waterblick“ stehen lassen, da der Weg bis zum Höft sehr sandig ist und es am Ende steil bergauf geht. Das Loddiner Höft ist eine in das Achterwasser ragende Landzunge, die dir an einer etwa 16 Meter hohen Steilküste einen herrlichen Ausblick auf das Achterwasser, auf den Lieper Winkel und auf die Halbinsel Gnitz bietet. Das Loddiner Höft ist auch ein wunderschöner Lieblingsplatz, um fantastische Sonnenuntergänge zu erleben. Aber es ist noch mitten am Tag, und somit mache ich mich auf den Weg nach Kölpinsee, zum Kölpinsee. Der Name kommt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie Schwanensee. Im Kölpinsee befindet sich die kleine sogenannte Schwaneninsel, die Heimat für verschiedenste Wasservögel ist und auch als Liebesinsel bezeichnet wird. Ist das nicht romantisch? Ich liebe diesen See. Er hat sowas Beruhigendes. Ich könnte hier den ganzen Tag sitzen und einfach nur auf´s Wasser starren. Aber ich weiß ja, wo mich mein nächstes Ziel hinführt, und da ist es mindestens genauso schön. Ich schlage also einen Haken und fahre wieder zurück zur B111, dort wo die beiden Orte Loddin und Kölpinsee quasi getrennt werden. Von dort aus geht es nach Damerow. Auf der Sonnenterrasse vom Forsthaus Damerow würde ich mir jetzt als Gast meine erste Kaffeepause gönnen. Dies ist momentan nur mit einem eigenen Picknick möglich – gleich gegenüber an der Schwedeneiche, auf der großen Forsthauswiese oder hinter dem Deich auf dem kleinen Steg am Achterwasser. Letzteres wird meine Wahl. Nach einem kurzen Sonnenbad kann ich von hier aus direkt weiter auf dem Deich, am Otto-Niemeyer-Holstein-Atelier vorbei, in Richtung Zempin radeln.

Bernsteinbad Zempin

Es ist das kleinste Seebad der Insel Usedom. In Zempin befinde ich mich an der schmalsten Stelle der Insel. Eigentlich ist die schmalste Stelle an der Rieck, einer Bucht an der nur rund 300 Meter breiten Stelle der Insel zwischen Zempin und Koserow. Dort liegt auch Lüttenort, die Heimat des Usedomer Malers Otto Niemeyer-Holstein. Ich liebe es, hier am Achterwasser zu sitzen – die Ruhe und die Natur zu genießen, um dasselbe schon ein paar Minuten später am Ostseestrand, hier dann normalerweise etwas lebhafter, zu tun. Meine zweite Pause verbringe ich im Sand, an der Surfbox Zempin, um genau zu sein. Hier ist alles da, was du zum Leben brauchst. Eine Strandbar, eine Dachterrasse mit Blick auf´s Meer, eine Hängematte, eine Strandschaukel. Nur keine Menschen. Wie gern würde ich jetzt mit einem Cocktail in der Hand in den Sonnenuntergang schaukeln… Nein, auch wir Inselbewohner können momentan nicht alles haben.

Bernsteinbad Koserow

Bevor es für mich wieder zum Ausgangspunkt geht, radel ich, diesmal auf dem Deich entlang, in Richtung Koserow. Vorbei an den Koserower Salzhütten und an der noch nicht ganz fertiggestellten Seebrücke, immer mit Blick auf die Ostsee, bis es in den Küstenwald hinein geht. Am Steckelsberg mache ich nochmals kurz Halt und kämpfe mich zu Fuß den Berg hinauf. Diesen Ausblick auf die gesamte Ostseeküste muss ich mir nochmal geben. Mit etwa 58 Metern ist der Streckelsberg die dritthöchste Erhebung auf der Insel Usedom. Der Sage nach soll die später als Hexe gebrandmarkte Maria Schweidler hier viel Bernstein gefunden und damit die Not der Menschen auf Usedom gelindert haben. Auch soll der legendäre Seeräuber Klaus Störtebeker hier ein Versteck gehabt haben. Und im Umfeld des Streckelsberges soll die sagenumwobene Stadt Vineta vor Koserow versunken sein. Der Streckelsberg ist also ein sagenumwobener Ort.

Bevor es dunkel wird, mache ich mich lieber auf den Weg zurück nach Ückeritz. An so einem Tag ist wirklich nichts mehr dran. Aufgrund der aktuellen Ausgangssperre habe ich außerdem echt Probleme, es morgens rechtzeitig an den Strand zum Sonnenaufgang zu schaffen… Aber das ist natürlich ein Luxusproblem und ich möchte auch gar nicht näher darauf eingehen. Ich hoffe vielmehr, dass dir meine kleine Fahrradtour gefallen hat und wir bald endlich wieder zusammen über Usedom radeln können.

Im folgenden Link findest du all die tollen Radwege von Usedom: https://usedom.de/fahrradtouren-usedom
Gucke dir gern schon mal die verschiedenen Touren an, bevor du sie hoffentlich bald selbst mit dem Rad erkunden kannst.

Ahoi und liebe Grüße sendet dir Marika - deine Inselbloggerin.

Die Inselbloggerin

Mein vollständiger Name ist Marika Borowski, ich bin 37 Jahre jung und komme gebürtig vom Festland aus dem Lassaner Winkel. Vom Lassaner Hafen aus hatte ich schon immer freie Sicht auf den Lieper Winkel und auf die Halbinsel Gnitz und war somit meiner Wahlheimat Usedom schon immer sehr nahe verbunden. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie meine Eltern mit mir zum Strand nach Trassenheide oder zum Zelten auf den Gnitz gefahren sind oder wir unsere Verwandten in der Stadt Usedom besucht haben. Für mich war es immer ein tolles Ereignis, meinen Schulfreunden zu erzählen, dass ich Verwandte habe, die auf einer Insel leben. Nun lebe ich selbst bereits seit über 20 Jahren auf Usedom und darf mich schon als ein kleines Inselkind bezeichnen. Ich habe hier den Beruf zunächst zur Hotelfachfrau und anschließend zur Hotelkauffrau erlernt und diesen zu meiner Berufung gemacht. Um unseren Usedom-Besuchern viel mehr über die Insel berichten zu können, habe ich mich selbst auf Entdeckungstour begeben und halte seit gut zwei Jahren alle meine Erlebnisse und Entdeckungen auf der Insel Usedom in meinem Blog fest:

www.marikas-inselblog.de

Ich hole meine Leser gedanklich aus dem Alltag ab und nehme sie mit auf meine Genussreise quer über die Insel bis hin zu meinen Lieblingsecken. Im September 2020 habe ich dann am inselweiten Ideenwettbewerb für Usedom teilgenommen und mit meiner Idee eines authentischen Inselblogs gewonnen. Ich war so aufgeregt und so glücklich – und bin es heute immer noch! Das Schreiben liegt mir gut, aber vor Menschen sprechen fällt mir manchmal etwas schwer. In jeder meiner Zeilen stecken eine Menge Recherche, persönliche Erlebnisse und ganz viel Herzblut für meine Sonneninsel. Denn Usedom ist nicht nur eine Urlaubsinsel, sondern ein ganz besonderes Gefühl - ein Gefühl, das verbinden soll. Es wird endlich Zeit, dass Usedom sich wieder mit seinen Gästen verbinden darf!